Spoon!

Donnerstag, 18. November 2010

Nach nun fast zwanzig Jahren intensiven Popmusikkonsums gibt es immer weniger Bands, die mich noch wirklich faszinieren. Als ich am Anfang des Jahrens einen Aufritt der amerikanischen Indie Pop Band Spoon bei der David Lettermann Show sah, war ich gleich gehookt. Ihre Musik ist ein Mischung aus Punk und klassischen Rock, wobei sie vor allem von der charakteristischen Stimme des Sängers Brit Daniels und dem treibenden, minimalistischen Arrangement getragen wird. Endlich ‘mal wieder eine Band, die einen eigenen Stil hat und bei der die Musikalität vor dem Look kommt. Uneitel und unpretentiös. Leider gibt es solche Bands immer weniger und wenn dann spielen sie nur selten in Deutschland. Amerikanische Independent Bands haben es da am schwersten, besonders wenn sie noch keinen internationalen Hit gelandet haben oder nicht in die Teeniefanbase Kategorie passen wie z.B. Jared Leto’s 30 Seconds to Mars. Zum Glück gibt es da zum Ausgleich noch die Billigflieger, die es einem ermöglichen, für ein Konzert auch in eine andere europäische Stadt zu reisen, ohne sich gleich finanziell zu verausgaben. So war ich nun vor zwei Tagen beim Spoon Konzert in London. Die Show war cool. Das O2 Empire war mit knapp vierhundert Leuten fast ausverkauft. Nach gut sechzehn Jahren Livespielen und sieben Studioalben für eine Indie Band sicherlich keine schlechte Bilanz, dennoch aber auch etwas ernüchternd, wenn ich bedenke, dass ein gemachter Popact wie Katey Perry mit gerade ‘mal zwei Veröffentlichungen im Gepäck vor mehr Publikum spielt. Das Set an dem Abend war kurzweilig und beinhaltete sogar ein Bläserensemble. Die Band gab sich dabei bescheiden und hatte bestehend aus drei angeleuchteten Leinwänden auch eine sehr einfache Bühnendekoration. Selbst die Merchandise Ecke war mit ein paar T-Shirts und der ein andere Vinylvariante ihrer Alben recht überschaubar. Ihr Motto war klar und überzeugte: Kunst statt Kommerz.
Hingeflogen nach London bin ich mit Ryan Air. Das irische Pendant zu EasyJet, welches mir mit seinen Grundfarben Gelb-Blau gleich viel sympathischer war als das penetrante Orange-Weiß von seinem Mitbewerber, bei dem ich immer das Gefühl habe, in einem Plastikflugzeug in Disneyland zu sitzen. Der gesamte Flug kostete mich inklusive aller Gebühren nur fünfundvierzig Euro. Allerdings entpuppte sich die anfangs so entspannte Reise schnell zu einer Kaffeefahrt, nur dass der psychologische Kaufdruck fehlte. Dafür wurde ich ständig aus meinem Schlaf gerissen, wann immer eine der Stewardessen mit ihrem Verkaufswagen meine Schulter rammte. An fing es mit dem Verkauf von Getränken und den gängigen Snacks, daraufhin folgten in getrennten Etappen Angebote für Zigaretten, Parfum, Bahntickets, Telefonkarten und Wohltätigkeitskalender. Angekommen am Flughafen Stanstead stieg ich gleich in den Expresszug, der direkt in das Londoner Businessviertel in der Liverpool Street fährt. Als ich mich dann zu Fuß auf in die City machte, hatte ich kurzeitig den Eindruck, ich bin in der Matrix gelandet. Scharen von uniformen, im schwarzen Businesslook gekleideten Menschen, die sich in Eile an mir vorbeidrängelten und während sie mich schubsten auch immer gleich ein mechanisches ‘Sorry’ zur Hand hatten. Die kühle Herbstluft in der Stadt war nach dem Flug und der langen Bahnfahrt sehr angenehm und ich merkte, dass ich London trotz seiner Hektik doch sehr vermisst hatte. Nach ein paar gelaufenen U-Bahn Stationen entdeckte ich in Soho einen Laden für Comicsammler mit dem Namen ‘The Forbidden Planet’. Geek Mekka. Er erinnerte mich an meine Jugend als masturbierender Teenager, in der ich über Jahre sämtliche Kinohefte mit Kim Basinger Artikeln gesammelt habe bis ich dann irgendwann die heilige Playboy Ausgabe mit ihr fand. Angefangen von Comicsonderausgaben bis zu Actionfiguren von Iron Man und einem nackten Barack Obama gab es in dem Geschäft alles, was das Nerdherz begehrte. Das muss wohl der ultimative Kick für das Ego eines Schauspielers sein: verewigt sein in Form einer originalgetreuen Plastikfigur. Begleitend zum neuen Film waren auch sämtliche Harry Potter Fanartikel vertreten und natürlich auch das volle Programm von Star Wars Erfinder George Lucas, der sicherlich immer noch jeden Abend zu Hause sitzt und seine Millionen zählt, während die Studiobosse, die ihm seiner Zeit die kompletten Merchandiserechte zu seinen Filmen abgetreten haben, sich heute noch dafür in den Arsch beißen.
Mein Hotelzimmer hat meinen bisherigen Rekord an engen Unterkünften gebrochen und ist jetzt mit fünf Quadratmetern absoluter Spitzenreiter und da ist das Bad mitgerechnet. Wie der Kellner im überteuerten Ferienresort zu Garfield sagen würde: „Was erwarten Sie denn für lumpige fünfzig Euro die Nacht?“ Fairerweise hätte man auf der Homepage vom Gästehaus ‘enge Kammer’ anstelle von ‘Hotelzimmer’ schreiben sollen. Aber das ist London. Da denke ich immer gern an den Bekannten von Harry, der in seiner Wohnung in London seine Küche untervermietet.
Mein Hotel war nur zwei Minuten Fußweg entfernt vom Club, gelegen in Shepherd’s Bush, einem Bezirk im Westen von London mit einem großen indischen und arabischen Bevölkerungsanteil. Mittags gab ich mir dann die ‘Fish und Chips’ Kante in einem der ansäßigen Diners. Dieses war wie die meisten der Läden dort sehr spärlich eingerichtet und wirkte fast schon etwas abgeranzt. Nach einer Weile wurde mir klar, dass der arme Vibe vor allem durch die einfache Architektur zustandekommt. Abgesehen von der reichen Innenstadt ist London voll mit den zwei- bis dreistöckigen, dünnen Reihenhäuser, die im nichtsanierten Zustand schnell vergammelt aussehen. Das ist auch der große Unterschied zu den Häusern in Berliner Bezirken wie Kreuzberg und Neukölln, wo eben nach einem gewissen Qualitätsstandard Stein auf Stein gebaut wurde. Shepherd’s Bush gefiel mir ansonsten wirklich gut. Gerade weil es nicht die Hektik der City innehatte, dafür aber ein entspanntes, multikulturelles Flair. Den ganzen Tag über lief auf allen staatlichen und privaten Fernsehsendern Sondersendungen zu der gerade verkündeten Verlobung von Prinz William und Kate Middleton. Lange, ernsthafte Diskussionen darüber, welcher englische Designer ihr Kleid gestalten wird und in welcher Kirche sie heiraten werden. Die Tageszeitungen und Boulevardblätter hatten auch nur noch ein Thema. Für einige Momente dachte ich, ich wäre ins achtzehnte Jahrhundert zurückgereist, nur dass es da noch keine Flachbildschirme im HD Format gab.
Nach einem klassischen englischen Frühstück, bestehend aus aufgewärmten Dosenbohnen, pappigem Toast, zwei Spiegeleiern und einer Tasse schwarzen Tee machte ich mich am nächsten Morgen auf zum Flughafen. Beim Sicherheitscheck wurde ich erst ‘mal herausgeholt, da ich vergessen hatte, eine Wasserflasche aus meinem Handgepäck herauszunehmen, bevor es gescannt wurde. Die versiegelte Flasche wurde daraufhin weggeworfen und meine Tasche nach Sprengstoffresten durchsucht. Ich sah nicht ganz den Unterschied zwischen meiner im Supermarkt gekauften Plastikflasche und den Tonnen von Vittel Flaschen in den Flughafen eigenen Shops. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass die vorher alle nach flüssigem Sprengstoff untersucht worden waren, bevor sie in die Kühlregale kamen. Es war auf jeden Fall lustig zu sehen, dass jetzt, wo Russland als politischer Kontrahent ausgedient hat, die internationale Sicherheitspolitik weiterhin an ihrem diffusen Feindbild der Terroristen festhält. Und all das nur, weil die amerikanische Regierung ein paar ihrer Hochhäuser In New York in die Luft gesprengt hat, um ihre Ölimporte der nächsten Jahrzehnte zu sichern. Als die immer noch sehr ernst blickende Sicherheitsfrau meine harmlose Gap Tasche zum wiederholten Mal durchwühlte, lag mir eigentlich der Satz auf den Lippen: „Honey, haven’t they told you? 9-11 was just another American false flag operation.“

Hier ein Link zu einer Liveradiosession von Spoon mit ihrem Song ‘Got Nuffin’:
http://www.youtube.com/watch?v=Mj8kHplpJyM

A Trip Down Memory Lane!

Sonntag, 07. November 2010

Diesmal hatte ich einen Einsatz im Media Markt Stralsund. Von Berlin aus ist man mit dem Zug in gut drei Stunden dort. Das Regionalexpressfahren kenne ich noch meinen Zeiten, in denen ich oft für den damaligen Pay-TV Anbieter Premiere (jetzt Sky) in Cottbus und Schwedt gearbeitet habe. Keine wirklich gemütliches Fahren. Ständig hält der Zug an irgendwelchen verlassenen und auf der Karte sicherlich schon nicht mehr existenten Dorfgemeinden. Aber das Nervigste ist der laute Signalton vor jeder Ansage. „Da, da, da, da, daaa! Nächster Halt: Groß Griesow.“ „Ja, who gives a fuck?“. Die Leute, die hier aussteigen wollen, wissen, dass hier wohnen und jeder andere, will eh woanders hin. Noch anstrengender ist aber die Abendfahrt. Da wird einem immer ein grelles Halogenlicht aufgezwungen und wenn ich dann freundlich frage, ob man das Licht auch dämmen oder wenigstens teilweise ausschalten kann, kommt die Antwort: „Es gibt auch Leute, die mögen es heller.“ „Ja, hell schon, aber nicht steril blendend, wo man man immer das Gefühl hat, dass gleich ein forensisches Team ins Zugabteil kommt, um DNS Abstriche zu machen.“ Während meiner Hinfahrt sprach mich ein Mann an, der mich aufgrund meines Kurzhaarschnitts und meiner New Balance Turnschuhe erst ‘mal in die rechte Ecke drückte. Als ich ihm daraufhin erklärte, dass ich nur mit den einheitlich hässlichen Turnschuhschnitten von Nike & Co nichts anfangen kann, kamen wir weiter ins Gespräch und erzählte er mir, dass Stralsund wie viele Städte in Mecklenburg-Vorpommern sehr mit der hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat, da die Werften kaum noch Aufträge bekommen und auch die mittelständischen Betriebe sehr unter der Rezession leiden. Dass dort das Geld nicht gerade an den Bäumen wächst, wurde mir klar, als ich in der Regel zwanzig Minuten auf eine Hundert Euro Kamera beriet.
Die meisten Leute, mit denen ich dort sprach, waren doch sehr einfach gekleidet und lächelten eigentlich kaum. Da hilft auch der Slogan des Supermarkts im Einkaufcenter nicht viel, der lautet: ‘Citti – der Markt der Lebensfreude’. Was sicherlich auch verständlich ist, wenn das Einkommen bei zwei Drittel im bundesweiten Vergleich liegt, die Mieten und Grundkosten aber genauso hoch sind wie in den alten Bundesländern und man dann eigentlich nur noch beim Kauf von Textilien und Lebensmitteln sparen kann.
Auf dem Weg in die Stadt sah ich vom Zug aus viele kleine, heruntergewirtschaftete Schrebergärten, die in ihrer Verstreutheit wirkten wie Vorstadtslums. Mein Hotel selber lag im Neubauviertel von Stralsund, inmitten vergammelter 60er Jahre Plattenbauten und ein paar schnell hochgezogenen Einkaufscentern. Im Endeffekt noch Relikte aus der sozialistischen Planwirtschaft und ein Beleg dafür, dass seit der Vereinigung die Infrastruktur dort nicht wirklich verändert wurde. Vieles erinnerte mich von der Architektur noch sehr an meine Kindheit in Berlin-Friedrichshain. „Hm, was soll ich heute machen? Auf dem Spielplatz in eine der gemütlichen Betonröhren krabbeln oder lieber auf eines der verrosteten Klettergerüste steigen?“ Es schien fast so, als ob in Stralsund die Zeit vor vierzig Jahren stehengeblieben ist. Mein Hotel sah in seiner funktionalen Bauweise und seinem schlichten Interieur eher aus wie ein Arbeiterwohlfahrtsheim, zumal die Rezeption auch nur vormittags besetzt war. Außer ein paar älteren Herrschaften war ich während meines gesamten Aufenthalts der einzige Gast. Daher war es besonders komisch, dass ich immer in den obersten Stock fahren musste und dort das letzte Zimmer im Gang hatte. Umso unheimlicher war es dann auch abends mit dem Lastenaufzug ähnlichen, knarrenden Fahrstuhl in die leere Lobby zu fahren, um da per W-Lan meine E-Mails abzurufen. Als sich da immer die Türen öffneten, hatte ich das Gefühl, dass mich gleich jemand im ‘Shining’ Stil mit einer Axt durch die Gänge jagt. Während meiner drei Tage in der Fotoabteilung war der Beratungsbedarf groß. Man merkte schnell, dass Mecklenburg schon eine lange Zeit von Investoren vernachlässigt wurde. Auch wenn es nur in Form einer Promotion für Samsung Digitalkameras ist.

‘… The Rest Is Just Waiting’!

Dienstag, 26. Oktober 2010

Letzte Woche wurde ich spontan von meiner Agentur gebucht, um für Samsung auf der Ring-Foto Messe in Erlangen zu arbeiten. Ring-Foto ist ein europaweiter Verbund von über zweitausendfünfhundert kleinen Fotofachgeschäften, etwa vergleichbar mit Elektro Partner im Fernsehbereich, der sich bis jetzt noch erfolgreich gegen den Media-Saturn Riesen zur Wehr setzen kann. Im Gegensatz zu Elektro Partner, von dem es kaum noch Geschäfte gibt, expandiert Ring-Foto weiterhin, wenn auch in kleinen Schritten. Das liegt sicherlich vor allem daran, dass das Fotosegment zum einen eine kleinere Lagerfläche braucht als der Fernsehhandel und zum anderen, dass es größtenteils von der individuellen Dienstleistung am Kunden lebt, d.h. durch Fotoentwicklung, die Anfertigung von Passbildern und Fotobüchern, Postern und den immer mehr populär werdenden Fotodruck auf Textilien und Merchandiseartikeln. An den Kameras selber haben die Händler kaum noch Spanne, so dass eigentlich nur noch der Gewinn am Zubehör und am individuellen Fotodruck bleibt, obwohl die Fotoentwicklung im Zeitalter der digitalen Medien auch immer weniger wird. Die Leute machen zwar mittlerweile tausende von Bildern, lassen aber nur einen Bruchteil davon ausdrucken. Der Fotofachhandel wird also auch in den nächsten Jahren weiterhin zu kämpfen haben.
Meine Arbeit auf der Messe war eigentlich nicht so spannend. Eigentlich wie jeder Messejob: Herumstehen, dabei wichtig wirken und vor allem gut aussehen. Das ist selbst für einen faulen Hasen teilweise doch sehr anstrengend, gerade weil an den drei Tagen bis auf Samstag nicht viel los war. So stand ich nun am offiziellen Samsungstand neben lauter steifen Vertriebsmanagern, die die gesamte Zeit nur herumsaßen und dabei stumm auf ihre Notebooks starrten, um wenigstens den Eindruck zu machen, beschäftigt zu sein. Also nicht so das Lieblingsarbeitsklima eines gemütlichen Hasens mit Künstlerseele und für mich zudem wieder eine Bestätigung, dass ich bei all meinen zweifelnden Momenten, den richtigen Weg in meinem Leben gewählt habe.
Erlangen selber ist eine Kleinstadt im bayerischen Frankenland zwischen Bamberg und Nürnberg und in erster Linie eine Universitätsstadt. Sie wird wirtschaftlich von Firmen wie Siemens, Puma und Adidas getragen. Mit anderen Worten: Dort ist die Welt noch in Ordnung. Arbeitslosigkeit kennt man nur aus dem Fernsehen. Jeder zweite besitzt ein Eigenheim. Der Käsekuchen beim heimischen Bäcker ist doppelt so groß wie gewöhnlich und kostet nur die Hälfte. Einkäufe auch über dreihundert Euro werden bar in zwanzig Euro Noten bezahlt. Leute grüßen dich auf der Straße und alle sind einfach immer gut drauf. Gerade das Grüßen bin ich aus dem großstädtischen Berlin natürlich nicht mehr gewohnt und musste daher immer schmunzeln, wenn ich beim abendlichen Checken meiner E-Mails in der Hotellobby von jedem, der an mir vorbeiging mit einem freundlichen ‘Hallo’ begrüßt wurde. Was auch ‘mal ganz schön war für meine Berlin gebeutelte Seele. Wie dann auch ein älterer Herr mir sagte, als ich ihn verdutzt anguckte: „Wer hier nicht grüßt, der ist von außerhalb.“ Die ständige gute Laune der Franken fiel sogar einem der Security Leute auf der Messe auf, der ursprünglich aus Sachsen-Anhalt kam und sich bei mir beklagte, dass wann immer er abends nach seiner Zwölf-Stunden Schicht in ein Bierlokal geht, es dort nie zu einer Schlägerei kommt. An meinem letzten Tag hatte ich dann noch ein lustiges Erlebnis, als ich in meiner Mittagspause einen Spaziergang durch die überschaubare Innenstadt machte und auf einmal an einem vor dem Einkaufzentrum stehenden Fahrrad einen mit Computer ausgedruckten, in Plastik eingeschweißten und mit Kabelbinder befestigten Zettel sah, auf dem stand: „Sehr geehrter Herr Fahrradbesitzer, Ihr Fahrrad steht nun schon seit mehreren Wochen vor dem Haupteingang des Einkaufcenters. Bitte entfernen Sie dieses doch umgehend, da wir uns ansonsten gezwungen sehen, es abholen zu lassen. Ihr Centermanagement.“ Ich kann mir diese Entscheidung richtig bildlich vorstellen. „Norbert, du kümmerst dich dann heute um das Fahrrad, das vor den Arkaden steht!“
Jetzt habe ich also mein Geld wieder ‘mal mit bloßem Herumstehen verdient, um zum einen meine Miete zu zahlen und zum anderen, weiter meinen Träumen folgen zu können. Das Booking der Gigs für meine Band stellt sich auch schwerer heraus, als ich anfangs dachte. Es ist nicht gerade so, dass die Clubs draußen auf uns gewartet haben und mir wird immer mehr klar, dass wir noch total am Anfang stehen. Es ist halt alles Arbeit. Wie mein Vater sagen würde: ‘Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.’ Wobei bei mir wohl eher der Satz passen würde: ‘Nach den Illusionen haben die Götter das Erwachen gesetzt.’. Es läuft also alles, wenn auch langsam. Oder auch: Es zieht sich alles wie Kaugummi. Das erinnert mich dann immer an eines meiner Lieblingszitate aus dem Film Rounders. ‘Life’s on the wire. The rest is just waiting.’

Last Day in London!

Sonntag, 18. November 2007

Nun ist auch schon der letzte Tag angebrochen und heute Nachmittag geht es dann wieder Richtung Heimat. London im Herbst ist wirklich schön. Man spürt überall den klaren Wind, der von der Themse kommt und hat so immer eine gute Luft, auch mitten in der mit Bussen überfüllten Stadt. Zum Essen brauche ich, glaube ich, nicht viel sagen. Gourmets sind sie nicht gerade die Engländer. Aber wenn man sich mit dem morgendlichen Toast mit Marmelade arrangiert und es dann den Rest des Tages mit italienischem und chinesischem Fast Food aushält, ist es zu ertragen.
Das Schöne an London ist, die Stadt schläft nie. Besonders abends brodelt das Leben. Die meisten sind im Pub bei ihrem Feierabendbier oder machen sich schick und gehen ins Theater. Ganz egal, während der Woche oder am Wochenende. Die Kinopreise nehmen sich nicht viel von den Theater- und Musicalpreisen. Umgerechnet zahlt man achtzehn bis fünfundzwanzig Euro pro Karte. Ich werde von nun an also immer einen Kniefall zu machen, wenn ich bei uns vor dem Kino stehe. Musicals gibt es dafür en masse. Vor allem die Klassiker, die seit Jahrzehnten laufen. Als fernsehkonditionierter Junge finde ich die Theaterlandschaft hier am interessantesten, da die meisten Häuser immer einen bekannten Filmschauspieler in ihrer Besetzung haben. Zur Zeit laufen Stücke mit Sir Patrick Stewart, Ian Mc Kellen und Christian Slater. Dass London eine Stylo Stadt ist, habe ich schon geschrieben, aber mittlerweile habe ich die Theorie, dass man sich in der City nur aufhalten darf, wenn man sehr gut aussieht, ein krasses Charisma hat und zudem auch noch extrem gestylt ist. Alle anderen Menschen werden in die Suburbs in Greater London verbannt und lesen als Trost Maxim oder Nuts. Das sind die Beauty Magazine, deren Cover jede Woche ein neues Busenbabe ziert. Vielleicht kommt die selbstbewusste Ausstrahlung der Londoner auch daher, dass man sich in einer der größten und teuersten Städte der Welt behauptet hat und sein Leben lebt. Ähnlich wie in New York gehen die Menschen sehr respektvoll miteinander um. Das mag ich hier. Abschließend kann man sagen, ist London wie eine Mischung aus New York und Berlin. Es hat die Energie vom Big Apple. Ist durch seine vielen Cafés und Pubs und seine viktorianische Architektur aber gemütlicher.