At The Movies!

05. Januar 2012

Vor zwei Wochen wurde nun trotz zahlreicher Proteste nach siebenundsiebzig Jahren Dauerbetrieb eines der ältesten Off-Kinos in Berlin geschlossen. Die Kurbel in Charlottenburg. Ein Kino, zu dem zu ihrer Zeit schon meine Großeltern sogar aus Magdeburg angereist kamen, um ‘Vom Winde verweht’ zu sehen. Ich selber verbinde mit dem Kino auch viele schöne Momente und zwar vor allem die heiligen ‘Sneak Preview’ Zeiten Ende der neunziger Jahre, in denen ich dort mit meinen beiden damaligen besten zwei Freunden viele Filme gesehen habe. Für nur damals fünf D-Mark war die Spätvorstellung am Montagabend ein beliebter Treff für Studenten und Filmliebhaber. Das Konzept funktionierte. Mit einer Mischung aus Spannung, weil man in den Anfängen des Internets noch gar nicht wusste, welche Filme bald neu anlaufen würden und mit dem Gefühl des am Puls der Zeit zu sein, da man Filme aus Hollywood in der englischen Originalversion schon vor ihrem regelmäßigen Kinostart sehen konnte. Sicherlich gab es auch manchmal ziemlich miserable Streifen zu sehen, diese waren allerdings die Ausnahme und wurden auch so schnell zu einem Höhepunkt, da wir uns dann oft nicht nehmen lassen konnten, auf den hinteren Plätzen sitzend jede schlechte Szene laut im Kino zu kommentieren. Oft zum Leidwesen unserer Sitznachbarn, die meistens dem Film wenigstens noch etwas sehenswertes abgewinnen wollten. Größtenteils waren es aber sehr schöne Abende, an die ich heute noch gern zurückdenke.
Die ‘Sneak Preview’ war für mich zu der Zeit immer eine Belohnung nach einem langen Arbeitstag und rückblickend auch verbunden mit den Wünschen und Hoffnungen wie das Leben einmal sein wird. Illusionen, die ich heute noch bemüht bin, abzubauen, da ich über lange Zeit in amerikanischen Filmen ein Spiegel des wirklichen Lebens gesehen habe und daher auch lange nicht verstehen konnte, wenn Leute von Hollywood als ‘Traumfabrik’ sprachen. Vielleicht hätte ich in jungen Jahren doch eher Fassbinder und Bergman Filme sehen sollen, anstelle romantischer Liebesfilme mit Sandra Bullock und Julia Roberts. Wie mir ein Freund einst sagte: ‘Ingmar Bergman Filme fangen dort an, wo die Hollywoodfilme aufhören.’
Mit der Schließung der Kurbel ist nun endgültig der letzte Sargnagel in die bleibende Existenz der Programmkinos geschlagen worden. Nachdem in den letzten zehn Jahren eigentlich alle Kudammkinos zugemacht wurden, hat das Kino im westlichen Teil Berlins ausgedient und musste den von den Mieten her günstiger gelegenen Cineplexkinos in der neuen City weichen. Selbst diese kämpfen allerdings trotz mittlerweile horrender Preise und konstruierter Aufpreise um ihr Überleben. Eine Kollegin von mir war vor kurzem am Kinotag in einem 3-D Film und hat dafür inklusive eines Getränks und einer Tüte Popcorn zwanzig Euro gezahlt. Da kann bei einer vierköpfigen Familie der Kinobesuch schnell zum Luxus werden.
Das Kinogeschäft bleibt hart und wird in den Zeiten des illegalen Downloads auch weiterhin keinen leichten Stand haben. Die mangelnde Wertschätzung der Menschen des Films als erarbeitetes Produkt ist dann anscheinend doch zu groß und wird nur durch die Selbstverständlichkeit des kostenlosen Überangebots getoppt. Ein trauriges Zeichen in einer Welt des ständigen Konsums. Sei es durch billiggefertigte Massenware aus China oder Terabytes an komprimierten Filmen und Musiktiteln aus dem Internet. Und sicherlich auch eine Folge der vom Menschen geschaffenen und immer mehr perfektionierten Dauerablenkung. Die Angst vor der bloßen Existenz und davor, sich mit sich auseinanderzusetzen.

So This Is The New Year!

02. Januar 2012

Meine letzten Wochen im Dezember waren wieder mit dem üblichen Promotionwahnsinn gefüllt. Fast jeden Tag bei grellem Licht und schlechter Luft an einer Schütte stehend, Kunde für Kunde auf zwei bis drei Kameramodelle beraten. Abends ist man dann oft energetisch total ausgepowert und das soziale Kontingent mehr als erschöpft, weil man während des gesamten Tages immer von Menschen umgeben ist und ein Gespräch verwickelt ist. Sei es mit einem Kunden, eine Promotionkollegen oder einem Verkäufer vom Markt. Auf diese Weise werden auch andere soziale Unternehmungen immer zu eine Überwindung, was gerade zur Weihnachtszeit schade ist, da dort oft mehr Einladungen und Veranstaltungen als sonst ins Haus flattern. Dinge wie Einkaufen oder Wohnungputzen werden in der Zeit zu einer kaum erfüllbaren Randbeschäftigung, so dass ich am Neujahrstag nicht nur wieder in ein soziales, schwarzes Loch gefallen, sondern auch in einer verdreckten Wohnung gelandet bin. Innerlich noch total aufgedreht kann ich in den ersten Tagen nach so einer Promotion eigentlich kaum entspannen. Es ist wie ein Herunterkommen von einer Droge. In dem Fall der sozialen Ablenkung.
Mein Silvester dieses Jahr verlief erstaunlich unspektakulär und zwar abends allein in meiner Wohnung. Nachdem ich die coolen Silvester meines bisherigen Lebens entspannt an einer Hand abzählen kann und die meisten Abende in der Vergangenheit immer in einer Enttäuschung endeten, löse ich mich nun langsam von der Vorstellung, dass dieser Tag des Jahres immer etwas besonderes werden muss. Ein befreiende Erkenntnis, da sie mir den Erwartungsdruck nimmt und ich so wieder offen bin für die Spontanität des Lebens.
Heute war ich dann zum ersten Mal wieder draußen und wurde nicht nur von den üblichen elegant und zentral platzierten Hundehaufen direkt vor meiner Haustür begrüßt, sondern auch von einem Meer aus grünen Glasflaschenscherben und Böllerdreck. Als ich mir daraufhin mutig meinen Weg durch den warmen Nieselregen und die Reste der Silvesterschlacht bahnte, kam ich mir vor wie jemand, der aus Versehen auf ein Minenfeld geraten ist und nicht mehr zurück kann. Am schlimmsten war es vor dem Lidlmarkt in der Göbenstraße, die förmlich gepflastert war mit kleinen, heimtückischen Glassplittern. Es ist schön, immer wieder daran erinnert zu werden, dass man in einem sozialschwachen Bezirk wohnt und so hatte ich auch schon wieder nach ein paar Minuten einen Platten. Quasi als verspätetes Neujahrsgeschenk.
Der Weihnachtsstress fällt nun so langsam von meinen Schultern und vor mir steht wieder die große, weite Leere eines neuen Jahres. Das zusätzliche Geld, das ich im Dezember verdient habe, wird wohl komplett für die nächsten Aufnahmen investiert werden. Ich bin also zusammen mit meinen Plänen weiterhin in einer Blase aus zuviel Freiheit und zu wenig Geld gefangen, immer noch bemüht meine frei Zeit sinnvoll und produktiv zu nutzen. Ich hoffe nur, dass das kommende Jahr nicht ausschließlich vom einseitigen Streben nach dem schnöden Mammon bestimmt sein wird und ich nun endlich meinen langersehnnten Traum verwirklichen kann, nämlich bald meine eigene CD in den Händen halten zu können und diese dann auch erfolgreich zu vermarkten. Das Drachenjahr kann also kommen. Mit all seiner Magie und Unberechenbarkeit. Ich bin bereit.

It’s Been A Long Way!

20. Dezember 2011

Das Hasenjahr ist nun fast vorbei und meine Albumproduktion so langsam im Kasten. Zehn Songs in zehn Jahren ist sicherlich nicht die produktivste Ausbeute in der Musikgeschichte, aber wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. So wurde mir in den letzten Jahren immer mehr bewusst, wieviel Arbeit eigentlich in der Produktion einer CD steckt. Mindestens zehn Lieder in einem eigenen Stil zu schreiben, die alle einen persönlichen Ansatz haben und dazu nicht gleich klingen. Wenn ich da an meine ersten Aufnahmen denke, die ich Ende der neunziger Jahre mit meiner damaligen Studentenband im Jugendheim Charlottenburg gemacht habe. Fast alles Balladen in Moll mit Texten, die ich mir bei meinen Lieblingsbands abgeguckt hatte oder eigenen Textzeilen wie: ‘I fly up to honey skies’.
Das war auch mit das Erste, das ich bei meinem Studium in Bristol gelernt habe: Eigene Texte zu schreiben und dabei auch den Mut zu haben, unkonventionell zu sein und nicht nur irgendwelche Floskeln zu kopieren. Wobei Klischeereime im Endeffekt gar nicht so schlimm sind, wenn man ein eigenes Bild dahinter hat und sie nicht nur plakativ aneinandereiht. Textlich war es daher ein langer Weg bis ich endlich zufrieden war mit meinen Songs. Sicherlich, weil mir beim Schreiben meiner Lieder die Lyrics immer viel wichtiger waren als die Musik. Wie mir mein Astrologe schon vor Jahren sagte: ‘Ja, eine musikalische Begabung haben Sie, aber ihr wahre Bestimmung liegt im Schreiben. Aber sie wissen ja, man muss immer erst den falschen Weg gehen, um sich selbst zu finden.’ Das wollte ich damals nicht wirklich wahr haben. Jahre später kann ich aber immer mehr nachvollziehen, was er damit meinte. Besonders, wenn ich immer noch jede Woche im Leo Forum nach neuen Songzeilen suche, weil ich mir oft nicht sicher bin, ob der Text funktioniert. Einen steinigen Weg, den ich da die letzten Jahre gegangen bin, nur um der Welt zu zeigen, dass ich ein cooler Typ bin. Dennoch ist es bei allen frustrierenden Momenten immer auch eine sehr erfüllende Erfahrung, ein Lied zu schreiben, das eine persönliche Erfahrung oder Erkenntnis verarbeitet und für mich immer noch das schönste Gefühl, das nichts ersetzen kann in dieser Welt. So hat Kunst für mich auch immer etwas mit Leid zu tun. Zum einen als Impuls, um überhaupt etwas zu kreieren und zum anderen der oft vom übertriebenen Perfektionismus begleitete Weg zum fertigen Werk, mit dem man dann schließlich auch zufrieden ist. Mein Hauptantrieb wie bei vielen Künstlern ist sicherlich die menschliche Hybris, größer zu sein, als die göttliche Schöpfung und etwas zu schaffen, das einen überdauert und in gewisser Art unsterblich macht. Wenn es auch nur in Form eines Liedes ist, das im Idealfall noch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung im Radio gespielt wird. Eigentlich eine ziemliche Anmaßung, da alles Kreative in dieser Welt immer aus einer Interaktion zwischen dem menschlichen Individuum und dem Göttlichen entsteht und der Mensch dabei oft auch nur ein Ventil dessen ist.
Nach meiner Studentenband hatte ich dann die Idee, lieber mit einer Sängerin zu arbeiten und vom Rock eher in Richtung Trip Hop zu gehen. Einerseits, weil ich mit meinen Gesangskünsten nicht besonders zufrieden war und zu faul, um mir die Lieder selber zu erarbeiten und andererseits, weil ich mit der Produktion der Songs unabhängig sein wollte, da ich es Leid war, immer allen Bandmitgliedern hinterherzutelefonieren. Denn diese waren meistens eh nur begrenzt engagiert waren und nicht wie ich mit der Musik eine Professionalität verfolgten. Daraufhin folgte eine Zeit des Homerecordings mit Sessionmusikern und Sängerinnen, in denen ich meine neuen Songideen ausprobieren und gleich aufnehmen konnte. Nach ein paar Jahren herumwerkeln in meinen vier Wänden und etliche Demotapes später, die aber nie gefruchtet haben, ging es dann zur Sinnsuche für ein halbes Jahr nach Australien. Immernoch bereit, mein eigenes Album zu machen. Von dort zurückgekommen knüpfte ich wieder an meinen ersten Plan an, nämlich selbst zu singen und nahm Gesangsunterricht bei verschiedenen Lehrern. Begleitend dazu ging es mit Sessionmusikern und einem Produzenten in ein professionelles Studio, um nun endlich meine Platte aufzunehmen. Die Aufnahmen dazu dauerten knapp ein Jahr und endeten damit, dass ich das Projekt komplett stoppte, weil ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Die Songs standen noch nicht wirklich, zudem war auch noch kein eigener Stil erkennbar und mein Gesang war mehr von schiefen Tönen bestimmt als von einer Gänsehaut.
Danach kam Bristol. Eine Chance, mein Songschreiben zu vertiefen und auch endlich ‘mal ein Feedback von Muttersprachlern zu bekommen, da ich über viele Jahre immer Komplexe hatte als Deutscher Songs auf Englisch zu schreiben. Es war schon ein großer Erfolg für mich, dort überhaupt angenommen zu werden, nachdem meine Bewerbungen in den Jahren zuvor, sowohl an der Hans-Eisler Hochschule als auch dem Liverpool Institute of Performing Arts in Ablehnungen endeten. Die wichtigste Erkenntnis während meines Studiums war, dass ich mir eben mein Album nicht erkaufen kann, sondern selber wissen muss, was ich will. Andere können mich dabei begleiten, aber nicht meinen Weg für mich gehen. Geschweige denn mich an die Hand nehmen und alle Entscheidungen für mich treffen. Die Zeit des ‘Pferd von hinten Aufzäumens’ war nun also vorbei und ich war bereit, mit einer neuen Band meine Lieder zu erarbeiten und diese dann zusammen aufzunehmen. Zwei Jahre später mit inzwischen wieder Sessionmusikern und einem erfahrenen Produzenten an meiner Seite stehe ich meinem Traum so nah wie noch nie zuvor.
Es war eine spannende Zeit, in der ich viel über mich gelernt habe. Mein Produzent hat mir dabei sehr geholfen und ich glaube, wir haben eine sehr persönliche Platte aufgenommen, die auch zugleich meinen Leidensweg der letzten Jahre widerspiegelt. Oft frage ich mich, weshalb ich mich der ganzen Arbeit freiwillig ausgesetzt habe, die oft gefüllt war von Zeiten der Unsicherheit und Selbstzweifeln und ich nicht einfach in eine andere Richtung gegangen bin. Inzwischen ist mir aber bewusst geworden, dass der Weg der Kunst keine wirklich freie Entscheidung ist. Man geht ihn, weil man nicht anders kann. So hat mich die Musik oder der Traum, mit meiner Musik irgendwann ‘mal erfolgreich zu sein, über sehr lange Zeit am Leben gehalten. Andere Menschen nehmen Drogen, um ihren Dämonen zu entkommen. Ich habe aber immer versucht, meine Ängste im Kreativen umzusetzen. Für mich auf jeden Fall der heilsamere, wenn auch oft schmerzlichere Weg. Auf diese Weise bin ich über all die Jahre mit meiner Musik gewachsen und rückblickend sehr froh, in meinem Leben den künstlerischen Pfad gewählt zu haben und nicht fremdbestimmt mein Dasein in einem drögen Job zu fristen.

Wenn es interessiert, hier ein Link zu zwei meiner Demosongs aus meiner Homerecordingzeit:

http://www.reverbnation.com/play_now/11585264

Shopping!

18. Dezember 2011

Die Tage werden langsam immer kürzer und kälter. Wie jedes Jahr um diese Zeit stehe ich wieder vor der mühseligen Frage, ob ich mir eine neue Winterjacke zulegen soll. Da man inzwischen selbst für die einfachste, halbwegs gut geschnittene Baumwolljacke dreihundert Euro auf den Tisch legen muss und für Daunenjacken sogar bis zu sechshundert Euro, hatte ich vor ein paar Wochen die Idee, zum B5 Designer Outlet zu fahren. Das Fabrikverkaufsgelände liegt direkt an der Stadtgrenze, nur wenige Kilometer hinter Spandau. Dort sind alle großen Bekleidungsmarken vertreten, angefangen von Sportmarken wie Nike, Adidas und Puma bis hin zu Designerlabels wie Joop und Strellson. Das Konzept ist simpel: Die Hersteller sparen sich die Händlermarge und können daher ihre Ware direkt anbieten. Zumal die Personal- und Betriebskosten sich auch in Grenzen halten, da meistens nicht mehr als zwei oder drei Angestellte den Laden betreuen und die Miete sicherlich auch bezahlbarer ist, als in einem Laden in der City. Auf diese Weise ist es eine Win-Win Situation für beide Parteien. Sowohl für den Hersteller, als auch für den Käufer, der bei seinem Einkauf in der Regel zwanzig bis dreißig Prozent spart.
Das Outlet wirkt in seiner sterilen Leblosigkeit ein wenig wie eine Filmkulisse. Man merkt sofort, dass es es kein gewachsener Ort ist, sondern eine funktionale Kunststadt, die schnell hochgezogen wurde, um die Grundbedürfnisse der Käufer zu befriedigen. So gibt es dort auch außer einem Parkhaus, ein paar Fastfoodrestaurants und den Geschäften nicht viel zu sehen. Ich war wieder erschrocken wie viele Ramschklamotten es eigentlich gibt. Wobei ich mich dann immer frage, wer das alles kaufen soll. Trotz einer überwältigen Markenvielfalt fallen die meisten Schnitte und Farben der Sachen sehr ähnlich aus. Mein Einkauf war daher auch nicht besonders ergiebig, da ich nach zwei Stunden verzweifelten Herumsuchen nichts finden konnte, was meine puristische Seele erfreuen konnte und ich wieder zu der Erkenntnis kam, dass ich meiner Kleiderwahl doch sehr beschränkt bin. Denn eigentlich trage ich schon seit Jahren immer nur eine Jeans, ein Paar Turnschuhe und ein Hemd. Zwar alles in mehrfacher Ausführung, aber nie wechselnd im Schnitt oder in der Marke. Das Ganze hat natürlich auch seine Vorteile, da ich nie wirklich vor dem Problem stehe, was ich am nächsten Tag anziehen soll. Ich wurde also ‘mal wieder in meinen neurotischen Mustern bestätigt und fuhr aus einer Mischung aus Erleichterung und Frustration zurück in meine sicheren vier Wände. Auf der Rückfahrt hielt ich noch kurz bei einer Tankstelle, um das von meiner Mutter geliehene Auto aufzutanken. Als ich zur Kasse ging, um meine Rechnung von zwanzig Euro zu begleichen, fragte mich die Kassiererin, ob ich Mitglied beim ADAC bin, da ich so nämlich pro getankten Kilometer einen Cent sparen konnte. Leider hatte ich meine Migliedschaft gerade gekündigt und war so gezwungen auf die Ersparnis von fast fünfzehn Cent zu verzichten.
Mittlerweile ist es nur noch eine Woche bis Weihnachten. Ich arbeite zur Zeit jeden Tag und werde wieder täglich Zeuge des Einkaufswahnsinn zum Fest der Liebe und Besinnlichkeit. Es gibt sicherlich kaum einen entspannteren Weg zur inneren Ruhe und Reflektion als durch übertriebenen Konsum von Sachen, die man eigentlich gar nicht braucht. Das Interessante an meinem Job ist, dass ich mit allen möglichen Menschen und deren oft abstrusen Denkweisen in Kontakt komme, die sich nicht selten einer gewissen unfreiwilligen Komik entbehren. Mein absoluter Lieblingssatz, der mich nun auch schon seit Jahren begleitet ist: ‘Ich suche eine Kamera. Nichts besonderes, irgendetwas billiges. Es soll nur ein Geschenk sein.’
Dann gibt es noch die Fraktion der ewig feilschenden Schnäppchenjäger. Die zwar die Beratung und den Service des Ladens bekommen wollen, aber nur bereit sind, den billigsten Preis im Internet zu zahlen. Manchmal möchten sie auch einfach nur den Preis aus einem anderen Media-Saturn Markt bekommen. Was bei einer Differenz von über zehn Euro und mehr sicherlich auch nachzuvollziehen ist. Nur kommen dann auch oft lächerliche Anfragen, wie z.B. gestern, als mich ein Kunde fragte: ‘Die Kamera, die bei Ihnen neunundachtzig Euro kostet, wird im Media Markt Spandau für achtundachtzig Euro angeboten. Können Sie mir vielleicht mit dem gleichen Preis entgegenkommen?’ ‘Ja, natürlich. Ich werde gleich dem Abteilungsverantwortlichen Bescheid geben. Wir werden uns auch beeilen, damit sie es noch schaffen, sich in ihrem lokalen Aldimarkt mit Tütensuppen einzudecken und möglichst vor Sonnenuntergang zurück in ihren Baucontainer nach Brandenburg kommen.’ Oft gibt es dann auch Kunden, die mit ihren Wünschen meine Perfektionsneurosen oft aussehen lassen wie Lapalien, wie z.B. der besorgte Vater aus Paris, der eine Kamera für seine neunjährige Tochter kaufen wollten und diese dann aber dann doch nicht haben wollte, weil die Verpackung an der Seite, wo die Sicherung befestigt war, ein kleine, völlig unscheinbare Delle hatte. Er erklärte sich dann mit folgenden Worten: ‘You don’t know my daughter. I know she won’t like it.’

The All-Time Top 30 Movies!

10. Dezember 2011

Last but not least eine Auflistung von Filmen, die mich in den letzten Jahren begleitet und geprägt haben. Von all den zehntausend Filmen, die ich in meinem Leben schon gesehen habe, kann diese Liste natürlich nur einen Teil der Filme widergeben, die mich in den letzten Jahren am meisten beeindruckt haben. Dabei geht es mir dabei auch nicht um irgendwelche Filmklassiker, die eh schon in sämtlichen cineastischen Enzyklopädien stehen, sondern vielmehr um Filme, die für mich persönliche Themen ansprechen oder einfach nur für ihr Genre gut geschrieben und inszeniert sind.

Also, here we go again:

LORD OF WAR (2005)

Regie: Andrew Niccol
Darsteller: Nicolas Cage, Ethan Hawke

ROUNDERS (1998)

Regie: John Dahl
Darsteller: Matt Damon, Edward Norton

KISS KISS, BANG BANG (2005)

Regie: Shane Black
Darsteller: Robert Downey, Jr., Val Kilmer

DIE HARD (1988)

Regie: John McTiernan
Darsteller: Bruce Willis, Alan Rickman

THE SHAWSHANK REDEMPTION (1994)

Regie: Frank Darabont
Darsteller: Tim Robbins, Morgan Freeman

THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY (1966)

Regie: Sergio Leone
Darsteller: Clint Eastwood, Eli Wallach

LEON: THE PROFESSIONAL (1994)

Regie: Luc Besson
Darsteller: Jean Reno, Gary Oldman

BACK TO THE FUTURE (1985)

Regie: Robert Zemeckis
Darsteller: Michael J. Fox, Christopher Lloyd

REAR WINDOW (1954)

Regie: Alfred Hitchcock
Darsteller: James Stewart, Grace Kelly

L.A. CONFIDENTIAL (1997)

Regie: Curtis Hanson
Darsteller: Russell Crowe, Kevin Spacey

CARLITO’S WAY (1993)

Regie: Brian De Palma
Darsteller: Al Pacino, Sean Penn

MY COUSIN VINNY (1992)

Regie: Jonathan Lynn
Darsteller: Joe Pesci, Marisa Tomei

LES MISERABLES (1998)

Regie: Bille August
Darsteller: Liam Neeson, Geoffrey Rush

SOME LIKE IT HOT (1959)

Regie: Billy Wilder
Darsteller: Marilyn Monroe, Tony Curtis

HEAT (1995)

Regie: Michael Mann
Darsteller: Al Pacino, Robert De Niro

BEVERLY HILLS COP (1984)

Regie: Martin Brest
Darsteller: Eddie Murphy, John Ashton

DAS BOOT (1981)

Regie: Wolfgang Petersen
Darsteller: Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer

THE TALENTED MR. RIPLEY (1999)

Regie: Anthony Mingella
Darsteller: Matt Damon, Jude Law

AUSTIN POWERS – THE SPY WHO SHAGGED ME (1999)

Regie: Jay Roach
Darsteller: Mike Myers, Heather Graham

25TH HOUR (2002)

Regie: Spike Lee
Darsteller: Edward Norton, Phillip Seymour Hoffman

AMADEUS (1984)

Regie: Milos Forman
Darsteller: F. Murray Abraham, Tom Hulce

MATRIX (1999)

Regie: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Darsteller: Keanu Reeves, Laurence Fishburne

THE PRESTIGE (2006)

Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Hugh Jackman, Christian Bale

MIDNIGHT RUN (1988)

Regie: Martin Brest
Darsteller: Robert De Niro, Charles Grodin

THE ROCK (1996)

Regie: Michael Bay
Darsteller: Nicolas Cage, Sean Connery

MIDNIGHT IN THE GARDEN OF GOOD AND EVIL (1997)

Regie: Clint Eastwood
Darsteller: John Cusack, Kevin Spacey

RISING SUN ( 1993)

Regie: Philip Kaufman
Darsteller: Wesley Snipes, Sean Connery

PULP FICTION (1994)

Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: John Travolta, Samuel L. Jackson

THE STING (1973)

Regie: George Roy Hill
Darsteller: Robert Redford, Paul Newman

Death Cab For Cutie!

17. November 2011

Am letzten Sonntag hat die amerikanische Band Death Cab For Cutie in Köln gespielt. Ich hatte mir daher schon vor zwei Monaten eine Karte gekauft und ein Hotelzimmer gebucht. Da die Bahnpreise in ihrem überteuertem Wahnsinn immer noch nicht moderater geworden sind, bin ich auf dem Hinweg mit einer Mitfahrgelegenheit gefahren und zurück geflogen. Ich hatte also wieder ein kleines Abenteuer vor mir.
Nachdem mein erster Fahrer am Abend zuvor per SMS abgesagt hatte, machte ich gleich eine andere Fahrt ausfindig. Was nicht allzu schwer war, da die Tour Berlin-Köln sehr beliebt ist. Der Treffpunkt war vor dem McDonalds am Zoo. Eine Instanz, die mich nun schon seit meinen Kindheitstagen begleitet und sich trotz aller Bauvorhaben in den letzten Jahren wacker hält und den städteplanerischen Veränderungen strotzt. In meiner Aufregung, gleich mit mir völlig fremden Personen über sechs Stunden ein Auto zu teilen, war ich schon etwas eher da und störte auch gleich zwei Penner bei ihrem morgendlichen Umtrunk. Als ich sie fragte, ob sie auch hier wären, um nach Köln zu fahren, guckten sie mich nur verdutzt an und schlurften weiter ihr Bier. Ein paar Minuten später hielten gleich mehrere Autos vor dem Fastfoodrestaurant. Ich ging daraufhin rüber zum ersten Fahrer, der ausstieg. Er sah gestylt aus und fuhr einen neuen Vierer Golf. Während er mir schon meine Tasche abnahm, fragte ich noch ‘mal nach seinem Namen und mir wurde klar, dass ich beinahe ins falsche Auto eingestiegen wäre. Meine ganze Verwunderung bekam ein junger Mann mit, der gleichzeitig mit mir zum Auto gekommen war und fragte mich daraufhin: ‘Ach, bist du Tim? Dein Fahrer steht dort drüben und wartet schon auf dich.’
Also zog ich weiter und aus war der Traum von einer Fahrt in einem gepflegten Auto. Vor mir stand ein alter, heruntergefahrener Ford Escort, der mit seiner Karosserie schon fast am Boden klebte und bei dem, wie sich später herausstellte, der TÜV schon längst überfällig war. Mein Fahrer Sven, so Anfang vierzig, hatte rote, aufgequollene Augen und einer Zigarette in der Hand, als er meine Tasche in den ohnehin schon völlig überladenen Kofferraum packte. Es schien, dass er in den letzten Stunden nicht viel Schlaf bekommen hatte. Auf der Rückbank saßen drei junge Mädchen Anfang zwanzig – wobei ‘quetschten’ wohl die besserere Beschreibung wäre – die mich gleich freundlich begrüßten. Die ersten Minuten im Auto waren gefüllt mit einem unbehagsamen Schweigen. Sven rauchte weiterhin und es tönte nervige Radiomusik aus den dünnen Plastikboxen an den vorderen Türen des Autos, während wir uns auf den Weg zum Berliner Stadtring machten. Ich bekam kurzzeitig ein Gefühl der inneren Verzweiflung, wie ich es zuletzt bei meinem Promotionjob an der Tankstelle in Rummelsburg erlebt hatte und sah mich also schon die nächsten sechs Stunden eingepfercht mit einem kettenrauchenden Fahrer und beschallt von einem nervenden Radioprogramm verbringen. Das Innere des Autos spiegelte in seinem abgeranzten Durcheinander so ziemlich das äußere Erscheinungsbild des Fahres wider. Da er die vergangene Nacht nur sitzend und dösend im Auto verbracht hatte, fuhren wir fast jede Stunde auf einen Parkplatz, um ihn halbwegs wach zu halten. Sein offensichtlicher Schlafentzug war der Stimmung im Auto auch nicht besonders zuträglich, so dass er die meiste Zeit etwas gereizt und auch nicht zu langen Gesprächen zu bewegen war. Nach den ersten Pausen brach aber das Eis und er taute so langsam auf. Die drei jungen Ladys kamen aus Wesseling, einem Vorort von Köln und waren übers Wochenende nach Berlin gefahren, um eine Freundin zu besuchen. Am sympathischsten war mir Laura, die in Bonn Geschichte und Politikwissenschaft studiert und auch gleich völlig begeistert war, als ich meine obligatorische Sternzeichenfrage in den Raum stellte und dann auch gleich ihren Aszendent wissen wollte. Sven, eigentlich aus Leipzig kommend und Raumausstatter, arbeitet zur Zeit im Tierheim und war in Berlin, um dort einen Hund auf einem Gnadenhof abzuliefern und nach einer Wohnung zu schauen. Das regelmäßige Pendeln von Köln nach Berlin scheint für ihn eine lukrative Nebeneinkunft zu sein, um sich sein langsames Annähern an Berlin zu finanzieren. Denn bei dreißig Euro pro Person hat er auf jeden Fall mehr als sein Benzingeld in der Tasche. ‘Köln ist langweilig und teuer’ wie er meinte und nach mehr als fünfzehn Jahren in der rheinischen Metropole brauchte er nun einen Neustart. Gerade aus einer Insolvenz kommend, schon seit April keine Miete mehr zahlend, weil ihn seine Vermieterin nervt und auf ständiger Wohnungssuche wirkte er nicht gerade erfüllt mit seiner derzeitigen Lebenssituation.
Die Musik im Radio war wieder unerträglich belanglos und deren Bandbreite unbegrenzt. Ob nun schluffiger Singer-Songwriter Pop, der auch nicht mehr Tiefe bekommt, nur weil er in einer akustischen Radiosession gespielt und vom Sänger durch leere Floskeln angekündigt wird. Oder der mittlerweile allgegenwärtige, penetrante Techno Dance Pop, bei dem auch jeder letzte Funke an Originalität und Lebendigkeit herauseditiert wird. Daher freute ich mich umso mehr auf das Konzert am Abend. Death Cab For Cutie hatte ich das erste Mal in Bristol live gesehen. Ihre Show im E-Werk toppte aber weitem den Gig vor drei Jahren. Sowohl durch den Sound, als auch durch ihr zweistündiges Set, welches dramaturgisch perfekt inszeniert war. Mit mittlerweile sieben veröffentlichten Studio Alben und etliche EPs im Gepäck zehrt die Band natürlich auch von einem gigantischen Repertoire. Mein Hotel war nur zehn Minuten Fußweg entfernt vom Veranstaltungsort und lag in Mülheim. Ein Bezirk, der aufgrund seiner türkischen Migrantendichte etwa vergleichbar ist mit Kreuzberg. Auf dem Weg zum Konzert gönnte ich mir noch einen vegetarischen Döner, der aber in seiner Lieblosigkeit bei weitem nicht an die Qualität von Mustafa’s Gemüse Kebap herankam.
Am nächsten Morgen habe ich mir noch die Kölner Innenstadt angeguckt. Das Herbstwetter zeigte sich wieder von seiner schönsten Seite: Angenehm kühle Luft, die durchzogen war von klaren, blendenden Sonnenstrahlen. Die Kölner waren sehr hilfsbereit und freundlich, als ich mehrmals nach dem Weg fragte. Auch als Ganzes machte die Stadt mit seinem internationalen, offenen Flair einen sehr sympathischen Eindruck und wäre jetzt selbst für mich als eiserner Verfechter Berlins eine wirkliche Alternative zum Wohnen.
Da ich eine Stunde zu früh am Flughafen war, fragte ich beim Buchungsschalter von German Wings nach, ob ich nicht auch schon einen Flug eher nehmen kann. Die Dame am Schalter, die sich gerade angeregt mit ihrem Kollegen unterhielt, gab mir daraufhin nur die automatisierte Standardantwort: ‘Also Sie müssen auf jeden Fall mit der Umbuchungsgebühr von zweiundvierzig Euro und der Differenz zwischen ihrem Ticket und dem aktuellen Preis für den Flug rechnen.’ Als ich dann gleich freundlich abdankte, da ich bestimmt nicht bereit war, eine Gebühr in der Höhe vom doppelten Flugpreis zu zahlen, nur um eine Stunde eher zu fliegen, guckte sie mich völlig entsetzt an. Ich war mit in dem Augenblick nicht so sicher, ob es ihr an Empathie mangelte oder ob sie einfach nur genervt war, für die Frühschicht am Montag eingeteilt zu sein. Die Stewardessen im Flugzeug rissen sich mit ihrer Freundlichkeit auch kein Bein aus und waren sichtlich bemüht, sich ein Lächeln auf die Lippen zu drücken, als sie ihre überteuerten Getränke anboten. Es scheint, dass viele Menschen im Servicesektor nicht mehr bereit sind, wirklich zu arbeiten. Die Stunde auf dem Flughafen verging dann ziemlich schnell, da ich mit meinem inzwischen auch internetfähigen Handy entspannt meine E-Mails abrufen konnte, während ich in der Wartehalle saß. Die Smartphones sind wohl die Sucht der Neuzeit, nämlich sich an jedem Ort und zu jeder Zeit mit der unbegrenzten Welt des Internets zu verbinden. Einer Abhängigkeit, der ich auf jeden Fall auch aufgesessen bin.

Für alle, die Death Cab For Cutie noch nicht kennen, hier der YouTube Link zu ihrer Single ‘You Are A Tourist’ von ihrem aktuellen Album ‘Codes and Keys’:

http://www.youtube.com/watch?v=-YfU0VIg3ok

Road Trip!

16. Oktober 2011

Meine Albumproduktion verschlingt weiterhin Geld. Aus diesem Grund suche ich gerade nach zusätzlichen Jobs, da meine jetzige Arbeit gerade ‘mal die Grundkosten wie Miete und Versicherungen abdeckt. Letzte Woche hatte ich daher eine Schulung zu Fuji Digitalkameras in einem Außenbezirk von Leipzig. Da diese um neun Uhr früh angesetzt war, saß ich schon um sechs Uhr im Auto, bereit, mich ‘mal wieder der großen Welt zu stellen. Ich konnte mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so früh aufgestanden war und daher umso stolzer, als ich ausgeschlafen und rasiert den Schlüssel in die Zündung steckte. Dieses Gefühl wurde allerdings gleich geschmälert, als bei dem Auto, das hinter mir geparkt war, plötzlich die Frontscheinwerfer angingen und es elegant an mir vorbeizog und mir schlagartig bewusst wurde, dass ich in einer Millionenstadt wohne. Auch die Autobahn war nicht gerade leer und so brach das Podest, auf das ich mich gerade als Frühaufsteher gestellt hatte, sofort wieder ein. Als einer von vielen fuhr ich nun über die von Absperrungen und Baustellen verbaute Autobahn in Richtung München. Es war immer noch dunkel, während ich mir mit angespannten Augen meinen Weg durch den strömenden Regen bahnte. Zudem brach ständig die Stromversorgung meines Navigationsgerätes ständig zusammen, da der Stecker für den Zigarettenanzünder viel zu klein war, so dass ich nach einer Stunde schon nervlich an meine Grenzen gelangt war. Nach ziemlich genau zwei Stunden kam ich beim Globana Airport Hotel in Schkeuditz an. Die Frauen an der Rezeption empfingen mich mit einer krampfig bemühten Freundlichkeit, wie ich es schon so oft in den neuen Bundesländern erlebt habe. Anscheinend immer noch ein Relikt des Servicewüstentums der vierzig Jahre Planwirtschaft. Dafür war wenigstens das aus frischen Bananen und Mandarinen bestehende Frühstücksbuffet lecker. Die Schulung verging schnell und dauerte auch nur ein paar Stunden. Nur dass meine jüngeren, männlichen Kollegen ein wenig nervten, da sie die meiste Zeit versuchten, die jungen Assistentinnen der Promotionagentur mit coolen Sprüchen zu beeindrucken, aber eigentlich nur das Gegenteil erreichten. Es war wieder lustig, zu sehen, wie unobjektiv voreingenommen der Trainer war, als er uns anhand von gestellten Tabellen zeigte, dass Fuji nach Canon, Nikon und Panasonic vom Marktanteil bei Kompaktkameras auf dem vierten Platz steht, ohne etablierte Hersteller wie Sony, Casio oder Samsung überhaupt zu erwähnen. Während der Trainer also weiter begeistert die Vorteile der neuen Fuji Kameras erklärte, musste ich an den mir von meinen Kollegen im Media Markt gegebenen Spitznamen ‘Pinocchio Kuhnert’ denken, da ich oft die sehr mittelmäßigen Casio Kameras als hochwertig anpreise und deswegen einige von ihnen, wenn sie sehen, dass ich eine Kamera aus dem Regal hole, es mit den Worten kommentieren: ‘Na, wieder jemanden übers Ohr gehauen?’
Das Arbeitsklima in der Fotoabteilung wird immer besser, da wir uns immer mehr kennenlernen. Auch die anderen Mitarbeiter im Markt nehmen mich inzwischen endlich wahr und das, obwohl ich schon seit sechs Monaten dort arbeite. Der Mensch braucht dann anscheinend immer eine gewissse Aufwärmphase, um sich zu öffnen. Nur die jungen Abteilungsverantwortlichen bemühen sich immer noch, nicht zu lächeln, wenn ich sie freundlich begrüße und zwingen sich jeden Tag aufs Neue in ein Korsett aus kühler Distanziertheit, um ihre Autorität zu wahren. In meinen Augen ein ziemlich großer Tribut und für die Seele bestimmt nicht einfach, nur um ein paar hundert Euro mehr im Monat auf dem Konto zu haben. Denn soziale Kompetenz ist nicht gerade das, was im Media-Saturn Imperium vermittelt, geschweige denn gefordert wird. Meine Rückfahrt erschien mir dann viel kürzer als angenommen. Ich weiß nicht, ob es die Vorfreude war, bald wieder in meinen vertrauten vier Wänden zu sein oder einfach nur, weil ich die Strecke nun schon kannte. Die gesamte Fahrt kostete mich über fünfzig Euro an Benzin und war wieder ein Beweis dafür, dass längere Strecken mit dem Auto inzwischen zu einem absoluten Luxus geworden sind.
Mein Plan, nach Kanada zu gehen ist erst ‘mal auf unbestimmte Zeit verschoben. Zum einen, weil ich einfach das Geld dazu nicht habe und zum anderen, weil es sicherlich nicht sehr hilfreich wäre, nach dem Veröffentlichen meiner CD für ein Jahr von der Bildfläche zu verschwinden. Also wieder ein weiterer Schritt zu der Erkenntnis, dass ich bei allen Plänen Prioritäten setzen muss. Zudem habe ich mittlerweile erkannt, dass auch meine Reisen ein Teil meiner Comfort Zone waren, die ich nun schon so lange bemüht bin, zu verlassen. Ein weiterer längerer Aufenthalt im Ausland wäre also auch nur wieder eine Flucht gewesen. Der größere Schritt ist es jetzt wohl, an einem Ort zu bleiben und mir hier langsam etwas aufzubauen und nicht durch neue Reisepläne mein Leben weiter aufzuschieben.

New Cool Music!

04. Oktober 2011

2011 ist nicht nur das langersehnte Hasenjahr, sondern auch das Jahr der Albumneuerscheinungen meiner Lieblingsbands, u.a. von Incubus, Blink 182, Death Cab For Cutie und den Red Hot Chili Peppers. Viele der Bands hatten über sehr lange Zeit nichts neues mehr herausgebracht. Blink 182 haben ihr letztes Album vor acht Jahren veröffentlicht und Incubus und die Red Hot Chili Peppers hatten eine fünfjährige Pause. Daher wirkt es jetzt fast schon wie ein Overkill an guter Musik, wobei mir eigentlich nur die neuen Alben von Death Cab For Cutie und von Blink 182 gefallen. Irgendwann ist dann wohl auch die Luft bei den besten Bands ‘raus und sie wiederholen sich nur noch. So mache ich den Peppers auch keinen Vorwurf, denn immerhin ist ‘I’m With You’ ihr mittlerweile zehntes Studioalbum. Blink 182 bleiben sich mit ihrer neuen Platte ‘Neighborhoods’ treu und knüpfen nahtlos an ihre vorherigen Erfolge an. Mit ‘Codes and Keys’ hingegen gehen Death Cab For Cutie mit Streicherarrangements neue Wege und erinnern mit ihrem immer mehr Pop angelehnten Stil ein wenig an das Nebenprojekt ‘The Postal Service’ von Sänger Benjamin Gibbard aus dem Jahr 2003. Ich bin immer wieder erstaunt wie faszinierend Musik sein kann. Gerade wenn man bestimmte Bands lange nicht mehr gehört hat und dann die vertrauten Stimmen der Sänger wieder hört, ist es ein schönes Gefühl, das oft viele Erinnerungen aus der Vergangenheit wachruft. Mir wird erst dann wirklich bewusst wird, was für ein wichtigen Bestandteil viele Bands mit ihrer Musik in meinem Leben haben.
Trotz aller Neuveröffentlichungen bekannter Bands gibt es natürlich immer wieder auch neue Alben, die mich begeistern. Allerdings erfahre ich von denen meistens erst, wenn sie sämtliche Preise abgesahnt haben oder gerade in Deutschland auf Tour waren. Drei Künstler, die mich in der letzten Zeit wirklich bleibend beeindruckt haben, sind das Projekt Fever Ray der schwedischen Sängerin Karin Dreijer Andersson, die von der Presse gefeierte, englische Indie Pop Band The XX und die kalifornische Sängerin Lana Del Rey mit ihrem Song ‘Video Games’.

Hier die YouTube Links dazu:

http://www.youtube.com/watch?v=EBAzlNJonO8

http://www.youtube.com/watch?v=Pib8eYDSFEI&ob=av2e

http://www.youtube.com/watch?v=HO1OV5B_JDw

It’s A Perfect Day For Letting Go!

01. Oktober 2011

Mein Sommer in diesem Jahr war nicht so wirklich spannend. Da zur Zeit jeder Cent in meine Albumproduktion fließt, standen auch keine großen Reisen auf dem Plan. Aus diesem Grund war ich umso begeisterter, als mir mein Produzent vor einer Woche von seiner Kanutour berichtete, die er mit seiner Freundin am Wochenende zuvor gemacht hatte. Kurz entschlossen fuhr ich daraufhin am letzten Donnerstag mit zwei Freunden nach Rheinsberg, um uns dem Rafting Abenteuer im Brandenburger Umland zu stellen. Es war eine schöne Möglichkeit, ‘mal wieder aus dem Alltagstrott herauszukommen und seinen Kopf freizubekommen. Die Hinfahrt führte uns durch kleine Ortschaften, die oft nur aus einem Asia-Döner Imbiss und dem obligatorischen italienischen Eiscafé bestanden. Als wir durch die menschenleeren Straßen fuhren, entlang der mit dem charmanten grauen DDR Putz überzogenen Häuser, wurde mir wieder klar, dass ich in so einem kleinen Ort niemals wohnen könnte. Sicherlich weil ich da dann umso mehr mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert werden würde und mir bewusst werden würde, dass ich oft nicht wirklich am Leben teilhabe.
In Rheinsberg beim Kanuverleih angekommen hackte der Besitzer gerade Holz für sein durch Öfen beheizbares Haus. Er war so Mitte fünfzig, hatte graues, langes Haar und trug eine vergoldete Kette, die er sich aus seinem letzten Urlaub in Ägypten mitgebracht hatte. Eigentlich gelernter Ingenieur und früher im Atomkraftwerk in Rheinsberg arbeitend, eröffnete er den Kanuverleih gemeinsam mit seiner Frau, als dieses vor zwanzig Jahren zugemacht wurde. Er war sichtlich stolz auf seinen autarken Lebensstil, als er uns die eigene Kläranlage zeigte und Werbung für seine selbstgebackenen Brötchen machte. Wir hatten alle drei trockene Anziehsachen mitgenommen, falls wir doch ins kalte Wasser fallen würden. Als diese zusammen mit unserem Picknickproviant in dem wasserdichten Container verstaut waren, ging es in die schmalen Plastikboote. Lena und Filipe teilten sich einen Zweierkajak, was später noch zu vielen verzweifelten und komischen Momenten führen sollte. Ich als freiheitsliebendes Einzelkind hatte einen Einerkajak, mit dem ich am Anfang ganz schön herumeierte, da ich immer Angst hatte gleich ins Wasser zu fallen. Also ‘mal wieder eine gute Übung, loszulassen und wenigstens für ein paar Stunden die Kontrolle abzugeben. Die gesamte Tour ging siebzehn Kilometer stromabwärts und dauerte mit einer kleinen Pause ungefähr fünf Stunden. Die Rhin, der Fluß, auf dem wir uns befanden, schlängelte sich ziemlich verzwickt durch die Brandenburger Wälder, so dass wir ganz schön manövrieren mussten, um nicht ständig ans Ufer gespült zu werden oder auf einer der Sandbänken aufzulaufen, da der Wasserspiegel sehr tief lag. Neben der serpentinenähnlichen Strecke lagen auch alle hundert Meter umgefallene und umgeknickte Baumstämme im Wasser, die die ansonsten doch sehr ruhige Fahrt zu einem wirklichen Abenteuer machten. Die gute Luft und die beruhigende Stille entlohnten uns allerdings mehr als genug für die anstrengenden Momente. Als wir die Hälfte der Strecke halbwegs trocken hinter uns gebracht hatten, machten wir an einem der grünen Flußufer eine Picknickpause. Während wir genüsslich in unsere selbstbelegten, mitgebrachten Brote bissen, riss der bisher sehr bewölkte Himmel auf und warme Sonnenstrahlen schienen uns ins Gesicht. Es war ‘mal wieder einer dieser schönen, vollkommenen Momente, wie ich ihn zuletzt am Liebnitzsee erlebt hatte. Nach knapp fünf Stunden wilder Odyssee hatten wir endlich schon völlig erschöpft das Ende der Route erreicht. Filipe und Lena waren durch ihre etwas unkonventionelle Rudertechnik inzwischen völlig durchnässt und wechselten gleich ihre Sachen. Bis auf ein paar fluchende Momente hatten wir uns aber alle drei ganz wacker geschlagen in der eigensinnigen Brandenburger Strömung.
Auf dem Rückweg nach Berlin schalteten wir das Radio an, um uns ein wenig abzulenken. Aber vor allem auch, um uns wach zu halten, da wir doch nach dem langen Tag ziemlich ausgepowert waren. Ich war wieder erschreckt, wie schlecht die Musik im Radio ist und wie belanglos das Geschwätz der Moderatoren. Selbst die Nachrichten waren nicht wirklich spannend, geschweige denn informativ und entbehrten oft auch nicht einer gewissen Komik, da nur wieder pauschal über Themen berichtet wurde, deren Ausgang eh schon jeder kennt, wie z.B., dass der iranische Präsident beim Natogipfel wieder gegen die U.S.A. gehetzt hatte. Als dann noch die Willkommensrede des Bundespräsidenten für den Papst Wort für Wort vorgelesen wurde, die mit den Worten begann: “Sie, Heiliger Vater, kommen in Ihr Heimatland …”, war ich mir für einen Moment nicht so sicher, ob sich die A-Klasse meiner Mutter nicht gerade in einen DeLorean verwandelt hatte und wir vielleicht zurückkatapultiert worden waren in die sechziger Jahre. Einen ähnlichen Moment hatte ich dann noch, als ich bei mir am gleichen Abend über dreißig Minuten einen Parkplatz suchte, da die Polizei dort nicht nur mit Absperrungen und mindestens zwanzig Mannschaftswagen aufwartete, sondern auch sämtliche Straßen rund um die Hasenheide abgesperrte hatte, um die Diözese des Papstes zu bewachen.
Jetzt haben wir schon Oktober. Die Zeit rennt immer mehr. Mittlerweile denke ich schon daran, was ich vor einem Jahr gemacht habe und es kommt mir gar nicht vor, als ob schon wieder zwölf Monate vergangen sind. Das ist wohl wieder ein Teil des Älterwerdens. Die Verpflichtungen steigen und die schönen Momente relativieren sich immer mehr. Wenn ich nicht mit den Aufnahmen zu meinem Album beschäftigt bin, stehe ich immer noch jeden Freitag und Samstag für Casio Digitalkameras im Media Markt am Alexanderplatz. Ich kann mich nicht wirklich beschweren, da das Arbeiten entspannt ist und es bis jetzt einer meiner coolsten Jobs ist. Dennoch bekomme ich regelmäßig depressive Anwandlungen, da ich mir noch vor zehn Jahren sicherlich nicht vorgestellt habe, mit fünfunddreißig hauptberuflich als Verkäufer zu arbeiten. Wobei ich die Zeit doch viel effektiver nutzen könnte, um meiner wahren Bestimmung zu folgen, nämlich jeden Tag herutergeladene TV-Serien und Kinofilme zu gucken, in der unbeirrbaren Hoffnung, dass irgenwann alles besser wird.

At The Guitar Store!

04. September 2011

Seit ich Gitarre spiele, gehören die Besuche in Gitarrenläden immer zu dem unangenehmen Teil der ansonsten sehr ausgleichenden Beschäftigung. Sei es um neue Saiten zu kaufen oder nach einer neuen Gitarre zu gucken. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Stimmung in Musikläden immer von einer angespannten, unsicheren Atmosphäre geprägt. Die meisten Verkäufer verhalten sich wie verkannte Musikgenies, unter deren Würde es eigentlich ist, dich überhaupt zu bedienen. So empfängt einen, wenn man den Laden betritt, oft ein Wall aus gelangweilter Überheblichkeit, der für einen eh schon introvertierten Musiker nur schwer zu durchbrechen ist. Der Einkauf macht daher nur selten Spaß, da die Angestellten hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind und dich als Kunden kaum wirklich beachten.
Die meiste Zeit hängen pubertierende Teenager in diesen Läden ab, die oft stundenlang penetrant die inflationären Gitarrenriffs der Rockgeschichte vor sich hin klimpern. Wenn man dann zum einhundertmillionsten Mal das Lick von ‘Smoke On The Water’ oder das Intro von ‘Stairway To Heaven’ ausgesetzt ist, muss man mental schon sehr abgehärtet sein, um nicht gleich nach der abgesägten Schrotflinte unter dem Ladentisch zu greifen. Neben den Teenage Rockstars gibt es noch die Fraktion der Virtuosen, die beim Austesten der Gitarren ein ganzes ausgearbeitetes Set zum Besten geben und man sich fragt, ob sie eigentlich nur in das Geschäft gekommen sind, um entdeckt zu werden. Die tendenzielle Genervtheit der Verkäufer ist also nachzuvollziehen. Zumal der expandierende, Preis drückende Internethandel auch nicht vor den Musikgeschäften Halt gemacht hat und sich daher viele Kunden nur beraten lassen und Instrumente ausprobieren, um sie dann später beim Onlineversand zu bestellen.