Agent Zanitti!

Sonntag, 22. November 2009

Als wir später in unserem Hostel eincheckten, wartete dort schon Geheimagent Peter Zanitti auf uns. Er folgte uns schon seit Tel Aviv, war nun wieder ‘zufällig’ im gleichen Zimmer wie wir. Ein Mann, etwa Mitte fünfzig, etwas chubby und verplant. Seine Tarnung, eigentlich Raiffeisenbank Angestellter und Familienvater aus St. Gallen zu sein, war schnell durschaut. Auch sein wie angeklebter Schnurbart war nicht sehr glaubwürdig. Dennoch war er sympathisch und sehr redselig und das, obwohl er aus der Schweiz kam. Am nächsten Morgen erklommen wir nun endlich die Masada Festung, um von dort die Sonne über dem Toten Meer aufgehen zu sehen. Es war einer der besten Momente im Urlaub. Besonders die Stille hat uns ziemlich umgehauen. An diesem Tag hatten wir noch viel vor. Es ging gleich weiter zum Toten Meer, um zu gucken, ob man dort wirklich nur auf dem Wasser treibt und nicht untergeht und um natürlich das klassische Zeitungslesebild von uns zu machen. Der Strand war verhältnismäßig leer. Außer dem Bademeister waren noch ein paar russische Familien im Wasser. Als wir gerade dabei waren unsere in Salz getränkten Badesachen einzupacken, kam uns wieder Peter entgehen und bat uns von ihm ein paar Fotos im Salzsee zu machen. Die Kamera war nagelneu und das teuerste Modell der Canon Powershot Serie. Er erzählte uns daraufhin, dass er sie noch spontan am Flughafen gekauft hatte, da er seine eigentliche Kamera zu Hause auf dem Küchentisch liegenlassen hätte. Wir nickten nur, dabei war uns klar, dass die Kamera zur Grundausstattung eines jeden Außendienstler des Schweizer Nachrichtendienstes gehört. Mittlerweile war es dreizehn Uhr und wir wollten noch zum Nationalpark von Ein Gedi, der für seine Wasserfälle und herumlaufenden Steinböcke bekannt ist. Dort angekommen sahen wir wieder mehrere Schulklassen mit ihren mit Maschinengewehren bewaffneten Aufpassern sich durch die schmalen Schluchten schlängeln. Diesmal waren es gemischte Gruppen, sowohl muslimisch, als auch jüdisch. Als wir im Park waren, fingen sie auf einmal an, Hetzgesänge gegeneinander zu singen. Als kurz danach die ersten Plastikflaschen flogen, mussten die Lehrer einschreiten und wir waren mittendrin in der ersten Ein Gedi Antifada. Nach knapp drei Stunden Odyssee durch die Wüstensteppe sahen wir nun endlich die ersten Steinböcke, die voller Würde und Gelassenheit ihrer Alltag zwischen den ganzen kargen Felsen bestritten. Gerade der alte Steinbock mit seinem Riesengehörn hatte etwas sehr imposantes, als er von einem der höheren Hügel, fern ab vom restlichen Rudel, die Steppe überwachte. Auf dem Weg zurück zum Bus kam uns Peter entgegen, der uns wieder die nächsten Stunden nicht von der Seite wich, da er zufällig die gleiche Route wie wir nahm.
Nachts kamen wir völlig erschöpft in Jerusalem an, der heiligen Stadt, die den Muslimen, Juden und Christen gleich viel bedeutet. Aus diesem Grund ist The Old City auch unterteilt in ein arabisches, jüdisches und christliches Viertel. Es war schon interessant, die Klagemauer zu sehen und den Leidensweg Christi zu gehen, der inzwischen gefüllt ist mit Imbissen und Souvenirläden, die unter anderem auch rosafarbene Teletubbies verkaufen. Zwischen all den Shops befinden sich Hospize aus aller Welt, die ein Geheimtip für Pilgerer und Reisende sind, da man in der Regel zu Hostelpreisen eine sehr gepflegte Unterkunft mit gutem Essen bekommt. Trotz aller vermeintlicher Historie, die mit der Stadt einhergeht, haben mich die Landschaften Israels mehr beeindruckt, denn eine alte Mauer bleibt eine alte Mauer, egal wofür sie steht und die Kirchen sehen nach einer Weile auch alle gleich aus. Große Steingebäude vollgestopft mit Bildern und Statuen von sich selbst beweihräuchernden, alten Männern. Im Christentum wird schon ein ganz schöner Kult betrieben, wenn ich z.B. an die hysterisch weinenden Frauen in der Grabeskirche Jesu Christi denke, von denen mir Claude erzählt hat. Verglichen mit Tel Aviv gefiel mir Jerusalem als Stadt besser. Es war der erste Ort mit Grossstadtflair. Abends brodelte die Innenstadt voll mit Menschen. Am nächsten Tag waren wir schon wieder im Old Jaffa Hostel in Tel Aviv, von dem aus es nach Hause ging. Es war wieder Shabbat und die Stadt ruhte. Wir konnten es uns nicht nehmen und noch einmal zum Strand gehen. Die Stimmung an dem Vormittag war sehr entspannt. Am Strand saßen Menschen in Cafés mit Blick aufs Meer und mir wurde klar, dass Tel Aviv eine sehr romantische Stadt ist. Gerade, weil es noch nicht so mit Touristen überlaufen ist wie andere europäische Städte. Wer also ein gemütliches Wochenende mit seiner Freundin oder Freund plant und nicht nach Paris oder Venedig reisen will, findet in Tel Aviv eine gute Alternative. Auch Single Männer können sich auf viele Abenteuer freuen, allerdings eher mit Männern als mit Frauen. So wurde ich am letzten Abend vor unserer Abreise von einem schwulen Verkäufer angegraben, der, als ich mir meine tägliche Vollmilch-Nuss Schokoladen Ration kaufen wollte, mir die Hand streichelte und mich fragte, ob ich verheiratet sei. Ich war nur froh, dass ich keine Zartbitterschokolade haben wollte, ansonsten wäre ich vielleicht noch im Dark Room gelandet. Nach einem kurzem Besuch am Strand, gingen wir noch einmal ins Zentrum, um uns den von Eitan und Alexei empfohlenen Rothschild Boulevard anzugucken. Dieser allerdings war mehr ein ‘Sehen-und-Gesehen-Werden’ Boulevard voller Cafés, ähnlich wie bei uns das Café Caras am Ku’damm. Auf dem Weg zurück kam nun nach all den vielen Gepäckkontrollen und Sicherheitschecks der erste wirklich unheimliche Moment in unserem Urlaub. Wir bogen gerade in eine kleine Querstrasse, da stand plötzlich ein kleiner Mann vor uns und fragte uns, wo wir herkamen. Als wir nur ‘Germany’ sagten, fing er an, uns konfus in einem englisch-hebräischen Kauderwelsch zuzutexten und wurde dabei immer aggressiver. Es war ein komisches Gefühl, da wir nicht wussten, ob er uns gleich ein stumpfes Messer in den Rücken rammen, dann wie ein gehässiger Zwerg um uns herumtanzen und laut hämisch lachen würde. Zum Glück dauerte seine Belagerung nicht lang und wir waren ihn in der nächsten Straße schon wieder los. Rückblickend wirkte es wie die Sonntagsbeschäftigung eines Soziopathen, da weit und breit niemand zu sehen war. “Wo ist denn Shlomo heute?” “Ach, der lauert wieder am Rothschild Boulevard, großen, deutschen Touristen auf!”

Orange Big Talk Shalom!

Donnerstag, 19. November 2009

Die Sonne scheint hier weiterhin, als ob es kein Morgen gibt. Wir sind nun schon fast am Ende unserer kurzen, aber sehr intensiven Reise. Highlights waren bisher ein Ausflug zu den Golan Höhen, wo wir zusammen mit Eitan und Alexei ein Bad im alten mit Bergquellwasser gefüllten ‘Officer’s Swimming Pool’ genommen haben. Am gleichen Tag waren wir dann noch in den Grotten von Rosh Hanikra an der libanesischen Grenze und hatten danach in Akko, einem alten arabischen Fischerdorf, ein typisches Imbissessen mit Humus und frittiertem Gehacktem. Akko, wie viele andere Ort hier, liegt direkt am Mittelmeer und ist vollgestopft mit streunenden Katzen, die meistens in Mülltonnen hausen. Bis auf ein paar Läden in der City und der üblichen Fischrestaurants gab es nicht so viel zu sehen. Daher hatten wir bei der Suche nach einem günstigen Hostel auch nicht die große Auswahl, denn es gab nur eins. Nach einem so gelungenem Tag musste nun natürlich auch ‘mal ein Downer kommen. Für umgerechnet fünfzehn Euro bekamen wir zwei olle, alte, durchgelegene, mit abgewichsten Matratzen ausgelegten, Betten auf dem Dach. Wenigstens war die Bettwäsche frisch, allerdings auch nur, weil wir es vehement einklagten. Die Klos waren ohne Waschbecken, die Toilette ohne Spülung und bei der Dusche fehlte der Duschkopf, so dass die Temperatur nicht regulierbar war, was zur Folge hat, dass ich unter brühend heißem Wasser duschen musste. Die Terasse war lieblos eingerichtet und zugestellt mit alten, vergammelten Camping Möbeln. Die Architektur wirkte auch etwas improvisiert und zwar waren die Regenrinnenabläufe einfach nur mit einem Vorschlaghammer durchgebrochen. Es war also wieder einer der Momente, in denen man das, was man zu Hause hat und wenn es nur die funktionierenden sanitären Anlagen sind, wieder zu schätzen weiß. Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus weiter nach Tiberias, der Ort, der am See Genezareth liegt über den – wie es im Neuen Testament steht – Jesus gelaufen ist. Der Busbahnhof war wieder voller Soldaten und Soldatinnen, die in Israel ein ganz gewöhnlicher Teil des Stadtbildes sind. Die Männer in typischen Uniformen und die Frauen in Ganzkörperuniformen, die aussehen wie ein olivgrüner Blaumann. Dazu tragen sie oft ihr langes Haar offen und ein Maschinengewehr. Ich fühle mich dann oft an Quentin Tarantino’s ‘Girls with Guns’ Sequenz in seinem Film Jackie Brown erinnert.
Wir kamen mittags in Tiberias an und Claudes Plan war es einmal mit dem Fahrrad um den gesamten See zu fahren, was bei sechzig Kilometern nicht besonders verlockend klang, zumal die gesamte Strecke über eine asphaltierte Landstraße führt, auf der die typisch israelischen, wahnsinnigen Busfahrer ihre Ralleys fahren. Die Tour hat er daraufhin allein gemacht. Der Abend war entspannt. Mit einem leckeren Falafel in der Hand haben wir gemütlich mit Blick auf den See Galilee (wie er auf hebräisch heißt) Kurznachrichten von unseren israelischen ‘Orange Big Talk’ Simkarten geschickt, die mittlerweile die bewährte Postkarte abgelöst haben. Claude ist inzwischen auf Diät. Gibt es aber natürlich nicht zu und kommt so immer mit neuen lustigen Erklärungen an, warum er so wenig isst. “Es ist irgendwie ein gutes Gefühl für eine Zeit lang nur von seinen Fettreserven zu leben, die kann man dann ja später wieder auffüllen.”
Am Mittwoch waren wir in Masada, der alten jüdischen Festung in der Negev Wüste, die direkt am Toten Meer liegt, das eigentlich gar kein Meer ist, sondern ein See. Die Fahrt dorthin war grenzwertig, da der Busfahrer wie ein Besengter die Serpentinstraßen durch die Wüste gebrettert ist. Dazu noch die künstlich klimatisierte Luft und mein Magen war bedient. Nach vier Stunden Fahrt kamen wir dann endlich in der Jugendherberge mitten in der Pampa an. Das Hostel war mit Abstand das sauberste, in dem wir bisher gewesen waren, fest in russischer Hand. Nur leider gab es außer dem Backpackers nichts dort. Das wußte auch der lachende Schokoladenverkäufer, als er mir erst ‘mal den doppelten Preis für meine tägliche Ration Vollmilch-Nuss Schokolade abknöpfte. Als wir ankamen, ahnten wir noch nicht, dass der Tag zum “No, you can’t …“ Tag werden würde. Ein Grund dafür, dass wir schon so früh angereist waren, war der auf der Homepage der Jugendherberge groß beworbene Swimming Pool. “No, you can’t go to the pool. It is closed because it is winter season.” sagte die dicke Frau an der Rezeption. Was uns nicht ganz einleuchtete, da es weit über dreißig Grad waren. Wie fragten daraufhin, ob wir wenigstens schon ‘mal einchecken könnten, immerhin war es schon halb zwei. “No, you can’t check in before 3 p.m.“ Der Pool war tabu und unser gebuchtes Zimmer auch. Wir hatten also nicht so viele Möglichkeiten, außer die nächsten zwei Stunden in der Lobby abzuhängen oder schon einmal den Wüstenberg zu erkunden. Kurz entschlossen ging es dann Richtung Masada Festung. Als wir gerade dabei waren den Snake Path einzuschlagen, schrie von der Gondelplattform ein Mann wie ein Wahnsinniger “No, you can’t go there. Come back. Please!!!” Gerade das laute, flehende “Please” klang etwas unheimlich in der Wüstenstille, so dass wir nicht sicher waren, ob wir uns gerade auf dem Weg in ein Minenfeld begaben. Der Mann erklärte uns, dass es zu gefährlich sei nach vierzehn Uhr den Berg zu erklimmen, da man dann nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurückkäme. Was absurd ist, da der Aufstieg maximal vierzig Minuten dauert und die Sonne nicht vor fünfzehn Uhr unterging. So langsam liefen uns also die Spassoptionen aus. Wir liefen daraufhin weiter zum Souvenirladen, der gleich neben der Gondelplattform gelegen war. Er war vollgestopft mit Krempel, den die Welt nicht braucht. Angeschlossen daran war ein kleiner Raum mit archäologischen Artefakten. Als wir den betreten wollten, hörten wir wieder eine laute Stimme, diesmal etwas gereizter, als zuvor. “No, you can’t go in there. You have to pay.” Fünf Euro nur um ein paar alte Steine zu sehen, war nicht wirklich überzeugend und zudem war der Student an der Kasse auch nicht besonders einladend, der sicherlich nicht gedacht hatte, dass auch Extremchillen zu Frust führen kann, als er den Job annahm. Inzwischen war es schon fast fünfzehn Uhr und wir hatten außer der Eingangshalle vom Hostel und einem Souvenir Shop noch nicht viel gesehen von der Sagen umwobenen, jüdischen Festung, die sechsundsechzig nach Christus von den Römern eingenommen wurde, kurz nachdem dort alle Sicarii Rebellen Massensuizid begangen hatten, um nicht in die Hände ihre Feinde zu fallen. So schlenderten wir weiter durch die sandige Kraterlandschaft vorbei an vielen verwinkelten Canyons. Es fehlten nur noch die Daltons gejagt von Lucky Luke und mein Bild wäre komplett gewesen. Gott war uns wohl gesonnen, als er uns plötzlich aus heiterem Himmel drei Schulklassen mit jungen, israelischen Mädchen schickte, die in ihren blauen Blusen und schwarzen Stufenröcken, lachend und singend die Felsen herunterrutschten. Hier standen wir nun inmitten der steinigen Wüstenfelsen, umringt von bildhübschen Mädchen, die uns auf ihre Art natürlich auch auscheckten und der Tag fing so langsam an, Spaß zu machen.



Tel Aviv!

Montag, 09. November 2009

Der nasskalte Dauerregen und die frühen Abende in Berlin gingen mir in den letzten Wochen doch ganz schön auf den Sack. Daher war ich super glücklich, schon vor drei Wochen einen Flug nach Tel Aviv gebucht zu haben, um mich mit Ruth und Ella, die ich an einem Abend in Delhi kennengelernt hatte, zu treffen. Ich ahnte schon, dass das Wetter hier besser sein würde, allerdings nicht, dass es jeden Tag wolkenloser Himmel und dreißig Grad wären. Da ich mit Tui gebucht hatte, dauerte meine Abwicklung im Security Check in Tegel nicht länger als sonst. Wer sich allerdings gern lang am Flughafen aufhält, sollte mit der israelischen Fluglinie El Al von München aus fliegen. Dort kann die Kontrolle bis zu zwei Stunden dauern. Man spart dafür hundert Euro und bekommt das volle Sicherheitsprogramm mit endloser Befragung, pedantischer Gepäckkontrolle, Leibesvisitation und Pinselabstrichen vom Turnschuh, um mögliche Sprengstoffreste festzustellen. So hat es zumindest Barbara, eine Sozialpädagogin aus München berichtet, die mit mir im gleichen Backpackers in Tel Aviv abgestiegen war.
Der Flug war kurzweilig. Vier Stunden mit frischem Essen und Getränken bis zum Abwinken, obwohl sich meine Beine über etwas mehr Bewegungsfeiheit gefreut hätten. Im Flugzeug selbst bekam ich gleich einen guten Eindruck von dem kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Israel. Rechts von mir saß ein gemütliches Rentnerehepaar aus Weimar, das eine Pauschalreise gebucht hatte und sich immer das volle Pensum an Getränken hat servieren lassen. “Kaffee komplett, ein Wasser und einen Orangensaft, bitte!” Und links, eine Reihe vor mir, war eine israelische junge Frau (wahrscheinlich Soldatin) in engen Jeans, Cowboystiefeln, mit streng gebundenem Zopf und Lederjacke, die jedesmal, wenn ich zu ihr ‘rüberlächelte eine coolen Schmollmund machte und die meiste Zeit damit beschäftigt war, den Fotordner mit ihrer Katze zu durchforsten, die wiederum auch als Bildschirmhintergrund auf ihrem Notebook zu sehen war. Da Shabbat war, als ich in Tel Aviv ankam, fuhren nur private Sammeltaxen und Privatleute, die sich schnell und steuerfrei ein paar Schekel dazuverdienen. So auch mein Fahrer, etwa Ende zwanzig, gestylt, mit einem nach Kokos riechenden, getuntem BMW mit Sportledersitzen und die ganze Fahrt über am Handy. Natürlich wollte er zuerst fast den doppelten Preis haben, hatte aber nicht mit dem Ricksha erfahrenen, hartgesottenen Ebay Dealer gerechnet. Ich zahlte daraufhin schließlich nur hundertfünfzig Schekel, was für ihn immernoch ein guter Preis war und er sein Taschengeld für die bevorstehende, lange Club Nacht zusammen hatte. Die Straßen waren verhältnismäßig leer und es dauerte nicht lange, da war ich schon im Hostel in Old Jaffa, einem alten arabischen Ort, direkt neben Tel Aviv gelegen, in dem ich mich an dem Abend mit Claude traf, der schon eine Woche vor mir ins gelobte Land gereist war. Das Backpackers war einfach, aber gemütlich und mit Blick auf den alten Flohmarkt. Leider aber auch überfüllt mit Deutschen, die man hier neben Amerikanern überall sieht. Nun gut, bei nur sieben Millionen Einwohnern und nur ein paar größeren Städten kann man sich auch nicht wirklich aus dem Weg gehen. Tel Aviv wirkt ein bißchen wie Mallorca für coole Individualtouristen.
Der erste Tag war sehr intensiv. Vormittags waren Claude und ich am Strand, der unmittelbar neben einer Hauptverkehrsstraße liegt. Was ein krasser Kontrast war. Vor einem die unendliche Weite und Stille des Mittelmeers und hinter einem der nie endende Baulärm der Stadt, eingehüllt in einen süßlichen Uringeruch. Am Ufer sangen Mädchenschulgruppen in Uniform, die in ihrer heiteren Gelassenheit noch eine jugendliche Leichtigkeit und Unverdorbenheit austrahlten und eben noch nicht Handy und I-Pod verseucht, autistisch vor sich hingammeln, wie es man es heutzutage bei uns oft sieht. Bei uns kamen gleich die ganzen ‘Eis am Stiel’ Erinnerungen hoch, nur das wir diesmal die Hände in den Hosentaschen behielten. Tel Aviv wirkt vom Look wie Neukölln oder Wedding. Alles sieht etwas improvisiert aus. Teilweise gepflegt, teilweise aber auch ganz schön zugemüllt. Da helfen auch nicht Schilder am Strand wie ‘The Entrance for Animals is Forbidden.’ (Nur falls einer auf die Idee kommen sollte, mit seinem Elefanten Baden zu gehen). Zwischen den ganzen kleinen Gemischtwarenläden findet man vereinzelt kleine Cafés und die typischen mediterranen Diner, in denen es vorwiegend Humus in Brot, mit oder ohne Fleisch, gibt. Das Ganze in der Regel auch kosher, d.h. ausgeblutetes Fleich von Tieren mit Hufen (kein Schwein), Fisch, aber keine Meeresfruechte und kein Essen gemischt mit Fleisch und Milchprodukten (z.B. Schawarma mit Käse). Ich habe mich als Vegetarier inzwischen aufs Frühstück mit Omelett eingeschossen, das aus selbstgebackenem Brot, frischem Salat und Obst besteht. Dazu gibt es dann entweder selbstgemachte Limonade mit Minzblättern oder frisch gepressten Granatapfelsaft.
Abends haben wir uns dann mit Ruth und Ella getroffen. Der Abend war okay, aber nicht der Hammer. Vielleicht hätten wir uns mit den beiden allein treffen sollen und nicht mit ihren Revier absteckenden Freunden. Gerade Eitan, Ruths Freund war ziemlich unentspannt und ließ sich nicht nehmen, mich anfangs ständig in die tumbe, deutsche Ecke zu drängen und sich dabei ganz schön zum Löffel machte. Zum Glück waren auch noch Misha, der Freund von Ella und Alexei, ein Freund von Eitan, da, die weit aus lockerer waren. Misha, der auch an der gleichen Schule wie Ruth und Ella Popmusik studiert, hat mir gleich erzählt wie schwer es ist, den zweijährigen Pflichtwehrdienst nach dem Schulabschluss, der für Männer und Frauen gleich ist, zu umgehen. Über sechs Monate musste er die Arbeit verweigern und Depressionen vortäuschen, bevor man ihn hat gehen lassen. Das Militär hat in Israel einen hohen Stellenwert. Überall im Land sieht man Soldaten, Teenager mit Maschinengewehren, Frauen mit Magazinen am Gürtel, Armeebasen und militärische Übungsplätze. Das ist auch nicht besonders verwunderlich, da Israel im Endeffekt als ein großes Militärcamp anzusehen ist, das sich seit seiner Gründung 1948 vor seinen Nachbarländern schützt. Aus diesem Grund sind die größeren Städte auch nicht gewachsen, wie man es vom restlichen Europa her kennt, sondern wirken, abgesehen von einigen alten Fischerdörfern, wie eine Anhäufung von Siedlungen. “In Israel nothing was planned. Everything just happened.” meinte Alexei, als er uns mit dem Auto zurück nach Jaffa fuhr. Die Grundstimmung hier ist zwar entspannt, vor allem auch durch die oft menschenleeren Straßen und endlosen, kargen Steppen, trotzdem liegt immer eine gewisse Unruhe in der Luft, die gefüllt ist von verdächtigen Blicken. Es ist sicherlich auch schwer zu entspannen, wenn sich jede Minute wieder ein fremdgeleiteter Jugendlicher ins muslimische Paradies sprengen kann.

DSCF1591DSCF1722DSCF1731DSCF1617