Die Rezession macht auch in England nicht Halt. Inzwischen gibt es hier Läden wie ‘Credit Cruncher’. Das wird wohl auch das Wort des Jahres werden. Dazu wirbt Burger King seit Monaten mit dem Meal Deal, bei dem man für umgerechnet zwei Euro zwanzig ein komplettes Fast Food Essen mit Getränk bekommt. Das ist wohl eines der wenigen Unternehmen, das durch die wirtschaftliche Krise profitiert und Billigflieger wie EasyJet und Ryan Air natürlich. Ich liebe im Ausland den vergleichenden Wettbewerb, bei dem ein Unternehmen seinen Mitbewerber öffentlich diffarmieren kann. Auf den ‘Ryan Air’ Maschinen steht neben dem Logo in großen Buchstaben “Bye Bye Latehansa!“.
Meine Dozenten und Kommilitonen halten mich weiter bei Laune, von den eigentlich alle einen coolen Sinn für Humor haben und viele wirklich sehr intelligent sind. So gesehen sind Songwriter auch Intellektuelle, die, indem sie über persönliche Erfahrungen singen ihr Publikum nicht nur unterhalten, sondern auch schon immer auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam gemacht haben. Teilweise bin ich wirklich beeindruckt, was für einen klaren Blick auf die Welt viele in meinem Kurs haben und das schon in jungen Jahren.
Cliff, unser Lieblingsdozent, hat aber immer noch die besten Sprüche. Neulich sagte er zu Gerard, der ein großer Oasis Fan ist und seine Songs im Beatles Stil schreibt. “Gerard, you’re living in delicious time bubble.“ Aber auch Jess und Zeb, die regelmäßig Meinungsverschiedenheiten im Unterricht haben, z.B. als wir über Namen für unser Plattenlabel gesprochen haben und Zeb sagte: “I already have a great name for my label. I’m gonna call it “To Infnity And Way Beyond.“ und Jess daraufhin sagte: “Really? Don’t you think it’s quite a mouth full?“ Und er sofort erwiderte: “So, what are you gonna call yours? Trip Hop don’t stop?“ Charlotte versetzt durch ihre natürliche Egozentrik alle immer noch in Staunen, z.B. wenn sie einfach ganz dreist und laut gähnt, während der Dozent gerade redet oder Loki aufzieht, da er auch ständig Witze über sie macht. Neulich, als er einige Tage nicht da war und sie ihn mit den Worten begrüsste: “Loki! Where have you been? I’ve been really missing you.“ Und er nur sagte: “That question is so full of sarcasm that I’m not so sure if I’m gonna answer it!“ Oder als er vor kurzem einen seiner neuen Songs vorspielte, der im Refrain mit dem Satz: “That’s when my body dies“ endet und Charlotte zu ihm sagte: “I like your song but it sounds like you are singing “That’s when my bunny dies.“ Loki sagte dann nur: “Thank you for devaluating my song.“ Als wir gestern über Bob Dylan sprachen und darüber, dass er über viele Jahre von seinen Fans ausgebuht wurde, da er anstelle von Gitarre und Mundharmonika mit einer kompletten Band aufgetreten ist, fragte Charlotte dann gleich wieder naiv: “Really? Is he still being booed at?“ Loki antwortete darauf nur: “Yes! He played at my birthday last year but my uncle didn’t like it.“
Four Weeks Left!
Samstag, 21. März 2009Free In-Flight Entertainment!
Sonntag, 15. März 2009Der Dauerschneeregen war in den letzten Tagen doch ziemlich belastend. Das sind dann immer so die Momente, wo ich mir ein dickes, warmes Auto wünsche, in dem jemand heiße Schokolade reicht, anstelle eines alten, verrosteten Mountainbikes, das bei jedem Tritt fast zusammenbricht. Die Uni läuft weiter und ich bekomme langsam das Gefühl, dass dem Lehrplan so langsam der Stoff ausgeht. Das Beste an dem Kurs sind dann doch die Tutorien mit meinen Dozenten, die Struktur und der Druck, den ich dadurch bekomme und die praxisbezogenen Essays. Gerade für mich als faulen Hasen ein guter Tritt in den Hintern. Es läuft also alles und ich habe weiterhin Spaß im Unterricht, da wir schon sehr lustige Leute im Kurs haben. Free In-Flight Entertainment. Ob nun Jess, die keinen Moment auslässt, um im Mittelpunkt zu stehen und letzte Woche wieder einmal zu spät kam mit der Ausrede: “I’m sorry I’m late but got into this snowball fight this morning!” Aber auch unsere Dozenten sind locker, z.B. Cliff, der neulich über die Recordingsoftware Logic sprach mit den Worten: “It’s really easy to use. Any monkey could do this, except for Jess of course!” Dann gibt’s noch Charlotte, die durch ihre Naivität und natürliche Egozentrik immer wieder allen den Mund weit offen stehen lässt. Als wir ihr vor kurzem sagten, dass sie eine wirklich gute Stimme hat und sich sehr selbstbewusst auf der Bühne bewegt und eigentlich auch in Musicals singen könnte, sagte sie daraufhin gleich: “Oh yeah, musicals. I’d love to be a musical star. I could do this. I could be very famous.” Und in der letzten Music Business Class, als wir über Vorschüsse von Plattenfirmen gesprochen haben, sie gleich fragte: “Is that the kind of money I could use to do some shopping?” Dann ist da noch Steve, der, wenn er nicht gerade trockene Sprüche macht, Penisgesichter malt und als ihn Dominique neulich fragte, was er da schreibt, er nur sagte: “It’s a love note!” Could I read it?” No, it’s quite personal.” Nicht zu vergessen Cliff, unser Lieblingsdozent, der uns immer mit “Yeah, yeah, what’s up?” begrüßt und in seinen Powerpoint Folien gern den Dude aus The Big Lebowski mit den Worten “That’s just your opinion, man.” zitiert. Neulich, als wir Einzeltutorien hatten, zu denen Sam seine schüchterne Freundin mitgebracht hatte, als er fertig war, Cliff zu ihr sagte: “You’re not staying for the show?” “Staying? No, but Sam is finished.” “No, not HIS show. MY show, MY show!”
Natürlich begleiten mich auch weiterhin die einsamen Momente. Gerade am Dienstagmorgen, an dem alle immer cool sind und jeder ständig eloquente Sprüche machen muss. Ansonsten bleibt jeder Tag eine Überwindung, der ich mich in den letzten Jahren nicht wirklich stellen wollte. Beamer gucken und Häagen Dasz Eis essen ist dann doch bequemer und vor allem entspannter. So lerne ich aber auch die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ob nun die Frucht-Nuss Schokolade bei Lidl oder einfach einmal keinen monotonen Parttime Job machen zu müssen und den Luxus zu haben, mich nur auf mein Studium konzentrieren zu können. Die Stimmung in meiner WG ist mittlerweile wieder ausgeglichen. Obwohl Lukas immernoch anfängt zu pfeifen, wenn er nach oben ins Bad geht, wie der kleine Junge, der allein in den dunklen Wald geschickt wird.
Eine Sache, die ich hier in England wirklich amüsant finde, ist der englische Humor, der auch in der Werbung wiederzufinden ist. Wie die zwei größten Margarine Hersteller, die “Utterly Butterly” und “I can’t believe it’s not butter” heißen. Oder eine Firma für Industrieventilatoren, die “Big Ass Fans” heißt und einen fetten Pferdehintern als Logo hat. Vor ein paar Wochen war ich wieder in London, um einen Gig von zwei Kommilitonen aus meinem Kurs zu sehen. Es war wirklich ein cooler Abend und mir ist wieder bewusst geworden, London ist nicht wie Bristol. Die Leute sind gestylt (und nicht im Primark* Schlabberlook), gut aussehend, selbstbewusst und gucken immer sehr ernst. Bei fast allen sieht man den “I live in London” Stolz in den Augen. Das ist schon eine coole Stadt. Teuer, aber cool.
Morgen ist dann schon der zweite Block meines Studiums zu Ende. Time flies. Obwohl ich schon merke, dass in den letzten sechs Monaten riesige Schritte gemacht habe, spüre ich doch, dass Songwriting nicht wirklich meine Bestimmung in dieser Welt ist. Ich will auf jeden Fall mein Album aufnehmen und veröffentlichen und auch live spielen, aber was danach kommt, ist noch offen.
*Primark = die englische, billige Version von C&A (Anm. d. Red.)
It’s Winter at Last!
Montag, 02. Februar 2009Die Uni hält mich gut auf Trab. Essays, Open Mike Sessions, Auditions für die nächsten Gigs und jetzt auch noch eine Ausschreibung für das offizielle BIMM Album, für das jeder einen seiner Songs einreichen kann und die besten zehn dann mit dem ‘Portishead’ Produzenten aufgenommen und veröffentlicht werden. An Portishead kommt man hier in Bristol auch nicht vorbei. Selbst in der Noodle Bar, wo ich meinen Geburtstag gefeiert habe, sind sie schon mehrmals aufgetreten. Wie ich jetzt erst erfahren habe, ist Mr. Wolf’s eines der etabliertesten Musik Clubs in ganz Bristol und ich konnte mir dort einen Traum erfüllen, nämlich im gleichen Club wie ‘Portishead’ zu spielen. Es war natürlich auch wieder ein weiterer Schritt zur Desillusionierung, da die Wände nicht mit Gold gestrichen waren und die blonden, nackten Groupies ausblieben. Aber dafür gab es leckere, vegetarische Nudeln. “It was mint.” Wie man hier im Jugenjargon sagen würde. Insgesamt waren drei Bands am Start und wir haben dann dazwischen unsere Songs gespielt. Viele Leute von meiner Schule waren da. Es war ein wirklich schöner Abend. “It was mint, man! Mint.” Seit vier Tagen ist hier nun der Winter eingekehrt. Minusgrade, dicke Schneedecken und Verkehrschaos wie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr. Ganz Bristol befindet sich im Ausnahmezustand. Die Busse und Züge fahren nicht, die Läden sind geschlossen und selbst der Unterricht an meiner Uni wurde abgesagt. Meine Kommilitonen haben auf jeden Fall viel Spaß und haben zur Ehrung des Wettergottes auch schon einen großen Schneephallus gebaut. Ansonsten habe ich das Gefühl 2009 wird das Jahr der Hasen. Maiko produziert den Echo und kann nun endlich mit Tokio Hotel Backstage feiern, Johann hat eine Oskarnominierung, kommt Angie und Brad immer näher und muss dazu nicht zum Bandol sur Mer pilgern, Claude zieht wahrscheinlich nach Frankfurt (obwohl es da nur ein Ikea gibt) und ich finde so langsam meinen eigenen Sound. So langsam scheint sich alles zu fügen und die langen Jahren des Suchens und Wartens waren nicht umsonst.
Famous Bristol!
Samstag, 17. Januar 2009Es ist wieder einmal ein langer, regnerischer Samstagabend hier im milden Bristolien. Das schreit doch nach einem Newsletter. Nach knapp vier Monaten habe ich mir nun auch einmal die Mühe gemacht, Bristol bei Wikipedia nachzuschlagen und mir ist aufgefallen, dass die Stadt nicht nur wegen seiner großen Musikszene bekannt ist. Hier haben fast alle englischen, namenhaften Schauspieler studiert, angefangen von Cary Grant, Gene Wilder, Patrick Stewart, Pete Postlethwaite, Greta Scacchi, Jeremy Irons, Miranda Richardson, Daniel Day-Lewis, Hugo Weaving, John Cleese bis hin zu Matt Lucas und David Walliams (Little Britain) und Simon Pegg und Nick Frost (Shaun of the Dead, Hot Fuzz). Simon Pegg war an der University of Bristol und hat seinen Bachelor in Theatre and Film Studies gemacht. Außerdem bei Debenhams (englische Kaufhauskette) in der Herrenabteilung gearbeitet. Genau wie Jay Bond (sein eigentlicher Name ist James Bond), einer der begabtesten in unserem Kurs. Was aus den Studenten geworden ist, die als Customer Adviser gearbeitet haben, ist leider nicht bekannt. Nach langem Überlegen bin ich nun doch nicht umgezogen. Das Zimmer, das mir mein Landlord angeboten hat, ist ziemlich weit in der Pampa, fern ab von jeglichen Einkaufsmöglichkeiten und zudem auch in einer ziemlich poshen Gegend. Das mag ich gerade an Fishponds, dass es eben gemischt ist und nicht getrennt. Oft weiß man die Dinge, die man hat, erst zu schätzen, wenn man nach Veränderung sucht. Wie schon Massive Attack auf ihrem Debutalbum singen “Just be thankful for what you’ve got.” Ich muss mich zwar jetzt irgendwie mit dem schweigenden Polish couple auseinandersetzen, aber dafür ist immerhin Sim, mein treuer, indischer Wegbegleiter am Start. Der als doppelter Löwe-Drache auf jeden Fall immer gute Stimmung ins Haus bringt und meine sensible Hasenseele aufbaut. Sim kommt mich übrigens Ende März für ein paar Tage in Berlin besuchen. Das Visum ist schon genehmigt. Das war allerdings ein ganz schöner Akt. Er brauchte eine formelle Einladung von mir, eine Kopie meines Ausweises, musste mehrere Bewerbungsbögen mit Personalien ausfüllen, aktuelle Passfotos bringen, Einkommensnachweise der letzten zwei Jahre vorzeigen, eine Reiseversicherung abschließen und dafür extra nach London zur deutschen Botschaft fahren und das alles nur wegen eines Kurztrips von fünf Tagen. Die freundlich pedantische Bearbeiterin wollte ihm dann anfangs das Visum verweigern, weil die Hintergrundfarbe der Passfotos nicht korrekt war. Soviel zur deutschen Bürokratie oder vielleicht besser zu frustrierten Frauen über fünfzig, die den Job in der Bibliothek nicht bekommen haben. Als stolzer Sikh nimmt er dann auch kein Blatt vor den Mund und sagte daraufhin zu ihr: “What do you want from me, bitch? I’ve brought you everything that is required.” Sie antwortete dann nur: “Please Sir, do not use that kind of language in my presence.” Da wurde mir erst klar wie previligiert ich als EU-Bürger bin.
Die erste Uniwoche ist nun auch schon wieder um und ich merke wie sehr ich die Struktur vermisst habe und ich eigentlich ein ziemlich fauler Sack bin. Der Unterricht ist eine große Motivation und Inspiration zugleich. Ich weiß jetzt schon, dass ich meine Kommilitonen vermissen werde. Besonders jetzt, wo doch alle immer mehr aus sich herausgehen und der Kurs mehr und mehr zusammenwächst. Klar, gibt es weiterhin die Alphatier Konkurrenzkämpfe, aber so wird es wenigstens nicht langweilig. Meine Tage sind nun also wieder gefüllt. Die Abende haben sich allerdings nicht groß verändert. Wenn ich nicht gerade zu einer der Open Mike Sessions gehe, bin ich zu Hause und gucke Filme. Viele im Kurs gehen regelmäßig zu Drum ‘n Bass Parties oder geben sich im Pub die Kante. Was für mich nicht so spannend ist. Besonders die House Parties, die um 1 Uhr beginnen und man dann bei stickiger Luft und grellem Licht stundenlang nur eine superlaute Bassdrum hört, keinen Bass, keine Melodie und keinen Gesang, nur ein ein monotones DUM, DUM, DUM. Ich glaube, man kann diese tumbe Musik auch nur unter Drogen ertragen. Kein Wunder, dass hier fast jeder mit Anfang zwanzig schon allesmögliche ausprobiert hat. Angefangen von Weed, Mushrooms, Acid bis hin zu Speed, Kokaine und MDMA (ein leichtere Form von Ecstasy). Es ist schon eine sehr masochistische Zeit, in der wir leben. Wo Leute ihre freie Zeit damit verbringen, sich selbst zu peinigen und ihren Körper auszubeuten. Das Absurde ist, dass die meisten denken, sie wären cool, wenn sie sich jeden Abend vollsaufen und zudrönen.
A Happy New Year!
Donnerstag, 01. Januar 2009Ich hoffe, ihr seid alle gut reingerutscht in das Jahr der Rezession. In Bristol hatte ich zumindest gestern noch das Gefühl, dass hier bald die Belagerung ausgerufen wird. Hamsternde Menschenmassen und überfüllte Supermarktkassen everywhere. Da hat man es doch als spartanischer, fauler Koch leichter. Vielleicht ist es der Feiertagsrausch, wo das Kochen schnell zur Ersatzbefriedigung wird, da man ansonsten nicht so viel zu tun hat. Oder es ist das schwache Pfund, das mittlerweile auf fast einen Euro gesunken ist, das die Leute in den Shoppingwahn treibt.
Nach einem Kurztrip über die Feiertage in die Stadt der chillenden Hasen bin ich nun wieder zurück in Bristol, der Stadt der hartgesottenen Hasen. Das Schöne ist, wenn man länger verreist, lernt man die Dinge an seinem Land zu schätzen, die man im Ausland nicht hat. Mein erster Eindruck von Berlin daher war, dass die Stadt gigantisch groß, super sauber, komplett modernisiert und monster reich ist. Breite Straßen, gepflegte Bürgersteige und alles ist super modern. In Bristol freue ich mich schon immer, wenn der Müll überhaupt abgeholt wird. Die Straßen und Häuser gammeln alle vor sich hin und das Wort Sanierung gibt es wohl nur im Wörterbuch. Hier wird gebaut und abgerissen. Period. Als ich bei meiner Mutter in die Wohnung gekommen bin, kam ich mir vor wie der Millionärssohn, der von seiner Weltreise in sein Anwesen in Beverly Hills zurückkehrt. Klar, Schmargendorf steht jetzt sicherlich nicht für den Berliner Durchschnittsbezirk. Trotzdem denke ich, dass selbst in Bezirken wie Neukölln und Marzahn der Lebensstandard höher ist als in England allgemein. Aber das mag ich hier auch. Es ist eben nicht alles so gesetzt und abgesichert. Und es ist multikulturell. In meiner Straße z.B. wohnen afrikanische, indische, arabische, asiatische und englische Familien nebeneinander. Das wird man in Zehlendorf oder Steglitz nicht finden. In Berlin ist es eher eine Anhäufung von Enklaven, als eine wirklich multikulturelle Stadt. Viel deutlicher wird es bei den Jobs. In England sind alle Nationalitäten in allen Berufen vertreten: Es gibt indische Ärzte, afrikanische Verkäufer, arabische Müllmänner, chilenische Erfinder. Das sieht man in Berlin schon seltener. Wenn man nicht gerade Taxi fährt, eine Dönerbude hat oder für sein Leben gern putzt, kann man dort als Ausländer schnell wieder seine Sachen packen. In knapp zwei Wochen beginnt dann der zweite Block meines Studiums. Trotz der wiederkehrenden Melancholie gibt es doch viele Momente im Unterricht, die mich immer wieder zum Lachen bringen. Besonders Charlotte, die ständig Fragen stellt, nur um Mittelpunkt zu stehen. Als wir über eine Soulsängerin sprachen und Richard, unserer Vocal Kurs Lehrer, sagte: “And then she was murdered!” Und Charlotte fragte: “Did she die?” Richard: “Well, she was murdered?!” Loki: “Yes, she was murdered to death.” Aber auch unsere Dozenten haben Humor. In einer Stunde, in unser indische Lehrer Andi mit einem Rotstift auf der Tafel schrieb und viele Probleme hatten, das von weitem zu erkennen, fragte Charlotte: “Do you have a black one, Andi?” Und Andi antwortete: “Don’t you think that’s kind of a personal question?” Mein Liebling ist aber immer noch Jess, die immer völlig aufgedreht (meistens mit neon-blauen Leggins und weißen Stiefeln) in den Unterricht kommt und dann ganz theatralisch von ihrem Leben erzählt. Auch als wir über die Filmmusik von Star Wars diskutiert haben und sie gleich divenhaft sagte: “Oh my God, there was this guy. He made me watch this movie: Clone Wars. It was terrible. I had to sit there for almost two hours and couldn’t leave the theatre.”
Ansonsten habe ich vor, aus meiner WG auszuziehen. Das polnische Pärchen, das sich Tag und Nacht streitet ist auf Dauer doch ganz schön anstrengend. Zudem reden sie mit niemandem, okkupieren aber das halbe Haus, da sie ständig kochen und Gäste zu Besuch haben. Am krassesten ist aber der Mann, der immer ganz laut und unheimlich lacht. Angeblich ihr ehemaliger Chef, der mindestens zwanzig Jahre älter ist und so aussieht, als ob er nicht nur wegen des guten Essens nach Thailand fahren würde. Sim und ich haben die Theorie, dass er mit ihnen eigentlich einen Porno drehen will und sie sich jetzt noch in der Annährungsphase befinden. Glücklicherweise hat mir mein Landlord schon zwei andere Zimmer angeboten, so dass ich hier hoffentlich bald die Biege machen kann. Fingers crossed.
Cooler Than London!
Montag, 15. Dezember 2008Die Engländerinnen sind gar nicht so dick, dafür aber aufgebrezelt like hell. Immer volles Make-Up, Minirock und Killer Dekolleté und das bei den herbstlichen Temperaturen. Eigentlich ganz süß und knuffig. Leider haben wir nicht so viele Frauen an der Schule. Drei von zweiunddreißig Songwritern und ein paar Sängerinnen. Die Musikbranche ist schon ziemlich Männer dominiert. Wie Jess gleich am ersten Tag richtig bemerkte: “Oh, my god. It’s such a sausage fest here!” Die Verständigung klappt aber ganz gut, auch wenn die ein oder anderen Silben gern verschluckt werden. Aber da frage ich dann immer gleich nach. Wie der Bankangestellte heute, bei dem ich ein Konto eröffnet habe. “O.K. you’ll get the regular cohnt account!” Was eigentlich: current account heißen sollte. Mein Stundenplan ist wirklich entspannt. Von Dienstag bis Freitag, im Schnitt zwei Kurse pro Tag. Die Dozenten und meine Kommilitonen sind alle sehr sympathisch. Schon am ersten Tag in der Schule bin ich fast mit jedem ins Gespräch gekommen. Musiker sind halt einfach lockerer. Wenn ich da an meine Studiengänge an der F.U. denke, wo die meisten erst am Ende des Semesters mit mir gesprochen haben. Wenn überhaupt. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den gegenseitigen Austausch. Wo trifft man denn schon so viele junge Musiker und insbesondere Songwriter. Grundsätzlich aber muss ich sagen, dass die Engländer offener sind als die Deutschen. Du kommst sofort mit ihnen ins Gespräch, ob auf der Straße oder im Supermarkt. Das muss wohl die ‘Zwilling’ Energie sein. In der Astrologie kann man nämlich jedem Land einem Sternzeichen zuordnen, das sich dann auch auf die Sprache des Landes bezieht. Für England ist es Zwilling und für Deutschland Steinbock.
Nachdem ich die letzten Tage im Schnitt zwanzig Kilometer am Tag gelaufen bin, habe ich mir heute erst einmal ein Fahrrad gekauft. Ansonsten gefällt mir Bristol immer besser. Man merkt schon, dass es hier mehrere Unis gibt. Die Stadt ist pulsierend und lebendig. Eigentlich ist Bristol cooler als London. Zum einen, weil es hier entspannter ist und nicht so hektisch und zum anderen sind die Lebenskosten günstiger. Die Preise im Supermarkt sind in etwa vergleichbar mit Berlin. Man sieht die Euroumstellung hat auch seine Vorteile und natürlich nicht zu vergessen ‘The Coalition of the Willing’. Thank you, Tony!
First Day in Bristol!
Sonntag, 28. September 2008Nach einem entspannten, aber leider auch wieder verspäteten Flug bin ich gut in meiner neuen Unterkunft angekommen. Das Zimmer ist zwar nicht größer als in Melbourne, dafür aber viel gepflegter und möbliert. Schön gemütlich im Ikea Stil mit Blick auf die Straße. Meine Mitbewohner wirken auf den ersten Eindruck entspannt und sympathisch. Insgesamt sind wir zu fünft: Kathrina und Lukas (ein polnisches Pärchen), Sim (der Inder) und Ian (der Engländer) und ich (The German guy). So ist auch der Bevölkerungsdurchschnitt Englands ganz gut vertreten. Das Haus ist ein typisches, englisches Reihenhaus mit zwei Etagen und kleinem Garten auf der Rückseite. Die Lage ist top. Ich habe um die Ecke gleich einen großen Park, eine Post, einen großen Supermarkt und Lidl. Im Vergleich zu London sind die Preise wirklich moderat, vielleicht zehn Prozent teurer als in Berlin. Das Wetter heute war super. Zwanzig Grad und Sonne. Daher war die Fußgängerzone auch gut voll mit Menschen, aber das Beste kommt noch: alle Geschäfte hatten auf. Auch Gap. God bless this City! Bristol ist doch größer und viel grüner, als ich es mir vorgestellt habe. Überall findet man Straßen mit großen Bäumen und kleinen Parks. Die Stimmung in der Stadt ist sehr angenehm. Im Endeffekt hat man hier das Flair Londons (das Multikulturelle, die Cafés & Pubs) und den entspannten, gemütlichen Vibe Berlins, gepaart mit der Architektur mittelalterlicher Bauten. Wen ich jetzt immernoch nicht überzeugt habe, mich hier zu besuchen, dem kann ich nur sagen, dass der Direktflug von Berlin-Schönefeld inkl. Steuern nur achtzig Euro kostet. Morgen ist dann der erste Tag am College. Ich hoffe nur, ich werde nicht mit den Dozenten verwechselt.

















