The Gap Disappointment!

Freitag, 08. Oktober 2010

Ein Jahr ist es inzwischen her, dass ich in Bristol meine Zelte abgebrochen habe und wieder zurückgekehrt bin in die Stadt der gechillten Hasen. Inzwischen sind zwei meiner ehemaligen Kommilitonen mit ihrer Band Wilder bei dem Londoner Independent Label Rough Trade unter Vertrag, das schon Bands wie The Smiths und The Strokes hervorgebracht hat. Im Februar haben sie in New York ihr Debutalbum aufgenommen, darauf zwei Singles mit Videos veröffentlicht und touren seitdem unermüdlich durch England. Vor einer Woche hatten sie nun einen Gig in Bristol und zwar in dem Club, in dem immer unser Studium begleitende ‘Live Performance Workshop’ stattfand. Ein Grund mehr also, ‘mal wieder nach Bristol zu fliegen und auch eine gute Gelegenheit, ehemalige Dozenten und Freunde zu treffen. Der Flug dorthin mit EasyJet war wieder mäßig bequem. Enge Sitze, schlechte Klimatisierung, überteuerte, belegte Brote und dicke Stewardessen in grellen, orangefarbenen Uniformen. Bis dahin war also alles wie gewohnt, nur dass diesmal zwei Sitze rechts von mir eine Frau saß, die den gesamten zweistündigen Flug über Witze erzählte, über die dann aber auch nur sie lachte. Zum Glück saß ich nicht direkt neben ihr, sondern hatte als Puffer ihren mittlerweile schon taub gewordenen Ehemann an meiner Seite.
Den Gig zu sehen, war nicht der einzige Grund, warum ich mir die EasyJet Tortur angetan habe. Ich wollte mich auch mit Loki, einem Freund, der mit mir zusammenstudiert hat und inzwischen als Promoter für einen bekannten Live Club in Bristol arbeitet, treffen, um an meinen Songtexten zu arbeiten. Und natürlich war auch wieder mein obligatorischer Gap Besuch miteingeplant. GAP, die Hochburg der coolen, amerikanischen Collegemode. Leider musste ich wieder feststellen, dass die Qualität der Sachen dort in den letzten Jahren konstant gesunken ist. Eigentlich ist Gap auch nur eine teure Version von H&M. Billige Jeans, langweilige Sweater mit dem wie immer übergroßen Gap Logo. Wo ich mich immer Frage, warum ich für einen Merchandise Artikel siebzig Euro ausgeben soll. Alles andere ist von den Farben und Schnitten ebenso unspannend. Ab und zu findet man ein cooles T-Shirt, aber das war es dann auch. Ansonsten bleibt es bei den Basics wie Boxershorts und Socken, aus denen dann letzten Endes auch meine Ausbeute bestand: drei Paar braune Baumwollsocken. Mittlerweile findet man eigentlich auch alle großen Bekleidungsketten in Berlin: American Appareil, All Saints, Muji. You name it. Der coole Shoppingzug ist seit der zunehmenden Globalisierung also schon lange abgefahren und der Reiz des Exotischen, für einen Einkaufsbummel nach England zu fliegen, gleich mit.
Am Abend des großen Gigs spielten vorher noch zwei Vorbands, so dass Wilder erst um einundzwanzig Uhr auf der Bühne waren. Der Club war nicht ausverkauft, aber dafür gefüllt mit vielen jungen Mädchen, die sicherlich vor allem da waren, um Jay, den knuddeligen Keyboarder, zu sehen, der auch jederzeit als Model für Fred Perry durchgehen würde. Der Auftritt war sehr professionell. Man konnte sofort merken, dass ihre Manager in den letzten Monaten viel mit ihnen gearbeitet hatten. Sie waren beide auch wieder vor Ort. Cliff übernahm ein Teil der Livemischung und erntete dabei oft skeptische Blicke des Haustontechnikers, der sich offensichtlich in seiner Kompetenz übergangen fühlte. Richard stand mit uns anderen im Publikum und verfolgte aufmerksam die Show seiner jungen Protegés. Beide sind auch ehemalige Dozenten von mir. Cliff kommt aus der journalistischen Ecke, produziert und schreibt vor allem für das Fernsehen. Richard ist ein klassischer Songwriter, der u.a. mit Dido gearbeitet und Duffy zu ihrem Plattenvertrag verholfen hat. Beide haben jetzt also ein neues und zum ersten Mal gemeinsames Projekt: Wilder. Der Gig war erstaunlicherweise nach nur knapp vierzig Minuten Spielzeit schon vorbei und das, obwohl sie an dem Abend die Hauptband waren. Loki erklärte mir daraufhin, dass in England die Support Bands in der Regel ein dreißig Minuten Slot bekommen und die Headliner zwischen vierzig und sechzig Minuten spielen. Die Show war wie schon gesagt sehr professionell. Der Look und der Style der Band stimmte. Angefangen von den Frisuren, den Klamotten bis hin zu der Auswahl der Instrumente war das Image einer Indie Elektro Band überall manifestiert. Nur die Songs waren bis auf die beiden Singles nicht sehr ausgereift. Sie wirkten teilweise wie instrumentale Jam Tracks, zu denen Gitarrenakkorde geschraddelt und wahllos irgendwelche Texte ins Mikrofon gebrüllt wurden. So kam an dem Abend auch der Grundvibe der Band ‘rüber: Vier coole, gestylte Kinder, bei denen die Kosmetik stimmt, aber die musikalische Basis fehlt, da sie sich als Band überhaupt noch nicht gefunden haben. Was schade ist, da ich die Lieder von Sam, dem Frontman der Band, immer sehr mochte. Nur diese gingen anfangs eher in Richtung Singer/Songwriter Pop und waren wohl selbst für ein Indie Label wie Rough Trade nicht kommerziell genug. Es hat den Anschein, dass Wilder in den letzten zwölf Monaten sehr übereilt in die Elektroecke produziert wurden, anstelle mit ihnen an ihrem Potenzial zu arbeiten und sie eine eigene Musikrichtung finden zu lassen. Stattdessen wurden sie nach nur sechs Monaten Livespielen unter Vertrag genommen und ins Studio gekarrt.
Cliff hat uns während unseres Studiums immer zwei Grundregeln nahegelegt. Die eine war: Topline always comes first. In Bezug auf das Songschreiben heißt das, dass man eben nicht entlang einer Akkordverbindung summen soll, sondern zuerst eine Melodie im Kopf haben sollte, bevor man einen Song schreibt. Und die andere war: Don’t go out there unless you are ready. Was so viel bedeutet wie: Finde erst deinen eigenen Stil und dein Image, bevor du dich auf das professionelle Terrain bewegst. Beide Regeln wurden bei seinem neuen Projekt anscheinend komplett übergangen. Das liegt vielleicht daran, dass Wilder von Rough Trade einen Vorschuss in Höhe einer sechsstelligen Summe bekommen haben und ihre beiden Manager, gekoppelt an einen 10-Jahres-Vertrag, davon gleich fünfzig Prozent eingestrichen haben. In der Praxis ist sich anscheinend wohl jeder erst ‘mal der Nächste und übergeht so auch gern seine Prinzipien. Ich hoffe nur für Wilder, dass sie ihre gegebene, wenn auch manipulierte, Chance in den nächsten Jahren nutzen werden, um sich aus sich heraus weiterzuentwickeln und bald ihren eigenen Stil finden werden.

Hier ein Link zu ihrem aktuellen Video ‘Skyful of Rainbows’: http://www.youtube.com/watch?v=4IJlaZ4fUGE

Illusions!

Dienstag, 27. Oktober 2009

In den letzten Tagen war mir Bristol wohl gesonnen. Fast jeden Tag schien die Sonne und wir hatten immernoch im Schnitt zwanzig Grad. In den Parks und in der City wurden Klaviere mit dem Zeichen ‘Play Me’ aufgestellt. So sah ich nun überall Leute musizieren, ob nun allein oder im Ensemble. Es war eine sehr angenehme Stimmung in der Stadt. Die Menschen waren entspannt und ausgelassen, sicherlich auch weil sich die meisten schon auf einen langen, verregneten Herbst eingestellt hatten. Nichtsdstotrotz war die Zeit dort vorüber. Es war ein gutes Jahr. Zwar zum Teil sehr einsam und anstrengend, dafür aber auch produktiv und lehrreich. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ein längerer Auslandsaufenthalt nicht unbedingt wegen der vielen, neuen Erfahrungen gut für die persönliche Entwicklung ist, sondern viel eher, weil man aus seinem Vertrauten herauskommt und die Einsamkeit zu spüren bekommt und so die Dinge, die man zu Hause hat und oft für selbstverständlich hält, mehr zu schätzen lernt. Die Stimmung in der WG war mittlerweile sogar richtig gut. Mit Kathrina hatte ich mein erstes langes, offenes Gespräch. Ich weiß nicht ganz, ob es aus Verzweiflung war oder weil sie nach zwölf Monaten gemerkt hatte, dass ich doch nicht ganz unsympathisch bin. Der Aufhänger war, dass sie vor ein paar Wochen ein polnisches Medium aus New York im Supermarkt getroffen hatte, die ihr gesagt hatte, dass laut Nostradamus in drei Jahren die Welt untergehen würde. Ganz genau habe ich die Untergangstheorie nicht verstanden. Es hat auf jeden Fall etwas mit den Planeten und der Sonne zu tun. Auf jeden Fall war Sim ganz schön genervt, weil sie daraufhin fast jeden Tag in sein Zimmer kam und ihn fragte: “Don’t you think the sun looks much bigger today than usual?” Etwas, das ich auch vermissen werde ist der britische Humor. Am letzten Tag war ich in einer Postfiliale, in dem man immer lange anstehen muss und zwar viel länger als in allen anderen Filialen. Nachdem ich fast eine halbe Stunde gewartet hatte, zeigte eine Frau vor mir nur auf ein Schild vor den Schaltern, auf dem stand “Please wait here!” und auf dem das Wort “Wait” mehrfach mit einem dicken Filzstift unterstrichen war.
Nun bin ich schon seit drei Wochen zurück in der Stadt der dicken, gemütlichen Hasen und genieße es wirklich wieder hier sein. Reisen ist schön, nach Hausekommen aber auch. Also auswandern könnte ich wohl nicht, dafür ist mein Bezug zu Deutschland zu groß. Vor allem die Sprache hat mir gefehlt. Es ist so entpannend, sich endlich einmal wieder in allen Nuancen auszudrücken und nicht immer nur verzweifelt nach Worten zu ringen. Trotz aller Entspannung zieht es mich aber auch schon wieder ins Ausland. Besonders wenn ich am Abend bei ‘Aldi’ bin und dort wieder alle um die Wette hamstern. Diese Momente habe ich nicht gerade vermisst. Die frustrierten, gesättigten Gesichter, die sich wieder aufregen, weil noch keine zweite Kasse aufgemacht wurde. Sie könnten ja zu spät vor den Fernseher kommen und einen Werbebreak bei RTL 2 verpassen. Die Leben ist schon hart. Besonders in Deutschland.
Mein Songwriting Workshop steht nun auch so mittlerweile, obwohl mir die Leute nicht gerade die Bude einrennen. Vielleicht ist die Nische doch zu speziell. Auf jeden Fall bin ich froh, endlich eine Alternative zu meinen Promotionjobs gefunden zu haben. Außerdem fasst der Workshop mein Wissen und meine Erfahrungen der letzten Jahre zusammen, in denen ich mir vieles mühsam selbst erarbeitet habe. Es ist in etwa wie eine Diplomarbeit, die den Abschluss eines langen Studiums darstellt. Mir wird inzwischen klar, dass ich mir über viele Jahre ganz schön die Tasche gelogen haben. Mit meinem gechillten Halbtagsjob im Media Markt, in dem ich durch meine Rolle des Künstlers und Studenten inmitten der ganzen hauptberuflichen Verkäufer immer unantastbar war. Von den Jahren, in denen ich fest geglaubt habe, Lottomillionär zu werden, nur weil mir ein Schweizer Medium regelmäßig meine “ganz persönlichen Glückzahlen” zukommen ließ, einmal ganz abgesehen. Sie war von meiner Bestimmung so überzeugt, dass sie mir auch immer nur den Unkostenbeitrag von schlappen fünfzig Euro pro Brief berechnete. Später habe ich dann herausbekommen, dass die vorgedruckten Briefe von irgendwelchen Hausfrauen in Callcentern in Deutschland verteilt, verfasst und versandt wurden. Wenigstens kam ich danach ich etwas mehr auf den Boden und war davon überzeugt, nun stattdessen mit meinem Debutalbum Millionär zu werden.

Lidl Days!

Sonntag, 16. August 2009

Der Sommer in England ist nicht wirklich heiß, aber wenigstens hatten wir für die letzten Tage keinen Regen. Mein Alltag hier war auch schon einmal spannender. Ich verbringe jeden Tag in der Uni Bibliothek und kaufe nur noch bei Lidl ein, da meine Ebay Millionen so langsam im rezessiven Sommerloch versinken. Ich habe schon lange nicht mehr so herumgenapst. Andererseits passt das Gefühl ganz gut zu meinem neu gefundenen Studentenleben. Dafür ist die Stimmung im Haus zur Zeit ganz gut. Selbst unser dauerstreitendes Paar bemüht sich um einen gewissen sozialen Umgang. Ich weiß nicht so recht, ob es daran liegt, dass ich bald ausziehe oder daran, dass einfach die Sonne scheint. Nach dem ganzen letzten Jahr wird mir wieder einmal klar, dass man im Leben immer Menschen anzieht, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation wie man selbst befinden und so ein guter Spiegel für sein eigenes Leben sind. Eigentlich ist niemand wirklich zufrieden in meiner WG. Ian sitzt jede freie Minute vor dem Fernseher, wenn er nicht bei der Arbeit ist. Nachts träumt er sicherlich von den knackigen Surfer Girls, die als lebensgroße Plakate in seinem Zimmer hängen. Lukas und Katrina teilen sich ein enges Zimmer, hängen beide in einem Job fest, der ihnen keinen Spaß macht und sparen auf eigene Wohnung in Polen, obwohl sie dort eigentlich keine wirkliche Chance auf eine gut bezahlte Arbeit haben. Ebenso wie Ian verlassen sie nie ihr Zimmer. Auch nicht am Wochenende. Bei ihnen läuft immer Musik, die ich vor zwanzig Jahren gehört habe. Als ich einzog war es das Debutalbum von Whitney Houston, danach Guns ‘n Roses’ Use your Illusion und jetzt Portishead’s Dummy. Wie Claude schon meinte, als er mich hier besuchte: “Die Polen hängen doch immer zwanzig Jahre hinterher.” Sim und Gemma leben das Working Class Cliché. Tagsüber malochen beide in unterbezahlten Part Time Jobs und ihre Abende sind gefüllt mit fettigem Fast Food, Fernsehen und nächtelangen Play Station Sessions. Sim’s Fernstudium bleibt dabei auch ganz schön auf der Strecke, vor allem weil er immer Ausflüchte findet, nicht zu lernen. Entweder sind es “Extra Hours at Morissons” oder Kuriergänge für seine Freundin. Und dann ist da noch der vierte, agoraphobische Träumer im Bunde. Obwohl ich zum ersten Mal in meinem Leben einen wirklichen Plan habe, der vor allem wirklichkeitsnaher ist als mit drei unfertigen Demosongs Plattenmillionär zu werden und Kim Basinger zu heiraten, war ich doch vor einem Jahr noch ziemlich verpeilt, was meine weitere Lebensplanung anging. Ich werde also langsam erwachsen und verliere weiter meine Illusionen, die ich mir über so viele Jahre mühevoll aufgebaut habe. Trotz aller Nüchternheit bekomme ich trotzdem weiterhin meine wahnsinnige Ideen wie z.B. im nächsten Jahr nach Brooklyn, New York zu ziehen, um Anne Hathaway zu treffen.
Vor ein paar Tagen war ich im Kino und habe Jared meine Stroboskop Lichter vorbeigebracht. Das Showcase Cinema ist mit das modernste Kino in Bristol, etwa vergleichbar mit dem Cinestar im Sony Center. Alle Angestellten sind in Anzug und Krawatte gekleidet. Es ist fast so, als würde man in die Oper gehen. Da er nicht da war, fragte ich den Manager, ob ich die Sachen hier lassen könne. Der Chef war ein leicht verbauter, dicklicher, milchgesichtiger Mitte zwanzigjähriger in einem schlecht sitzenden Primark Anzug, der durch das Foyer stolzierte, als ob er Kaiser in China wäre. Erst nachdem sein Adjutant ihn mehrmals flehentlich fragte, gab er zögernd und missmutig sein Einverständnis. Schön, dass die wichtigen Schlümpfe nicht aussterben. Auch nicht in Bristol.
Wenn ich nicht gerade für meine Apple Trainerprüfung lerne, bastle ich weiterhin an meinen Songtexten. “The devil is in the detail.” Zu deutsch etwa: “Man kann es sich auch schwer machen.” Aus diesem Grund habe ich mich letzte Woche mit Gerard, einem meiner Dozenten getroffen, der als Dichter angefangen hat und erst später zur Musik gekommen ist. Seine Songs gehen in Richtung R.E.M.. Er ist auch ganz stolz darauf, da Michael Stipe seine Band Blue Aeroplanes mit als eine seiner Haupteinflüsse nennt. Aus dem anfänglichen einstündigen Tutorial wurde schnell ein ganzer Nachmittag und wir sprachen unter anderem auch über die britische Mentalität. Er meinte daraufhin nur: “What do you expect? That’s England.” und erzählte mir von einer der besten Freundinnen seiner Mutter, die mit ihr jede Woche stundenlange Gespräche vor deren Haus hielt, aber sie nie zu sich einladen würde. Erst nach vielen Jahren trafen sie sich dann einmal in ihrer Wohnung. Von dort an bekam seine Mutter jedes Jahr Weihnachts- und Geburtstagskarten. Sie war quasi in ihre Famile aufgenommen worden. Ein Grund für die Reserviertheit ist vermutlich, dass vor fünfzig Jahren die Briten noch zehn bis zwölf Stunden am Tag gearbeitet haben. Die eigene Wohnung war mehr ein Ort zum Schlafen und Essen als zum Leben. Um sich zu treffen, ging man in den Pub. Ein weiter Grund ist sicherlich auch das miserable Wetter. Ich bin mir sicher, wenn in England Orangen an den Bäumen wüchsen, wären die Leute auch offener. Es wirkt fast so, als ob die Briten verlernt haben, zu leben. Wo sonst sind panierter Fisch mit Pommes Frites und Rindfleisch in Blätterteig das Nationalgericht. Ein weiteres Thema, über das wir sprachen, ist das immernoch verbreitete Hierarchiedenken der Briten. Bis heute haben alle Politiker und Leute in wichtigen, staatlichen Positionen an den elitären Unversitäten Oxford, Cambridge oder Eaton studiert. Jeder misst sich ständig mit dem Stand der anderen in der Gesellschaft, sei es durch Sprache, Kleidung oder Bildung. Das wird besonders in Bewerbungsgesprächen klar, in denen garantiert gefragt wird, an welcher Schule man war, an welcher Universität man studiert hat und welche Berufe, die Eltern haben. Gerade die staatliche Institutionen sind immer noch sehr aristokratisch geprägt. So bekommen nur künstlerische Bereiche wie Oper, Theater und Ballett staatliche Förderungen. Pop Musik ist da vollkommen ausgenommen. Was absurd ist, da England neben Amerika in seinem Einfluss weltweit der zweitgrößte Musikmarkt ist und die Musikindustrie ein großen Teil des Bruttoinlandsprodukt Englands ausmacht. Aber Unterhaltungsmusik ist weiterhin verpönt, so dass im englischen Fernsehen Musiksendungen vorwiegend von Komikern moderiert werden, um eine Brücke zum seriösen Theater zu schlagen.
Ich habe nach meinem Jahr Englandaufenthalt also sechs essentielle Dinge gelernt: Das Wetter hier ist beschissen. Der Brite ist reserviert, nicht besonders gut aussehend, säuft, liebt schlechtes Essen und lebt die Aristokratie nicht nur auf dem Papier. Mit anderen Worten: Alle Vorurteile sind bestätigt.

Back in Bristol!

Donnerstag, 30. Juli 2009

Nach einer neunstündigen Zugfahrt im indischen Schnellexpress kam ich am späten Nachmittag wieder in Delhi an. Abends fuhr ich dann gleich zum Flughafen. Mittlerweile gingen mir auch meine wenigen Rupien aus, so dass ganz froh, den ganzen Urlaub über ohne finanzielle Schwierigkeiten über die Runden gekommen zu sein. Jetzt lag also nur noch die Taxifahrt vor mir. Am Flughafen angekommen ging ich direkt zum ‘Air France’ Schalter. Irgendwie war es ein erhabenes Gefühl nach drei Wochen Odyssee in einem fremden Land wieder gesund und halbwegs erholt die Heimreise antreten zu können. So stolzierte ich auch trotz Erschöpfung, singend und guter Laune zum Check-In. Meine Stimmung kippte allerdings sofort, als mir die hübsche Bodenstewardess mitteilte, dass mein Flug gestern gewesen sei. Daraufhin checkte ich gleich meinen Reiseplan, auf dem stand: Rückflug Mittwoch um 0.40 Uhr. Ich hatte gedacht, es wäre abends, aber gemeint war natürlich morgens. Aber wer sagt denn schon: “Hey Jungs, am Sonntagmorgen ist bei mir ‘ne fette Party. Start ist so gegen halb eins.” Natürlich hatte ich ein non-changeable Ticket, so dass ich nicht umbuchen konnte, sondern nur ein komplett neues kaufen konnte. Zuerst bot man mir ein Ticket für €600,- an, was unmöglich zu bezahlen war, da ich das Geld einfach nicht hatte. Meine Kreditkarte war schon kurz vor meinem Dispolimit und bar hatte ich nur noch die zweihundert amerikanischen Dollar, die mir mein Vater als Notgroschen mitgegeben hatte. Ich behielt aber meine gute Laune und handelte daraufhin einen anderen Flug aus, der mich dann €400,- kostete. Mein Rückflug war gesichert und mein Haushaltskasse für den gesamten August verballert. Das einzig Gute war, dass der Flug mit KLM zur gleichen Zeit abflog wie die ‘Air France’ Maschine und ich sogar einen kürzeren Aufenthalt in Amsterdam hatte als ich in Paris gehabt hätte. In Amsterdam angekommen wurde ich auch gleich mit der üblichen niederländischen Gastfreundschaft begrüßt. Bin ich es nur oder sind die Holländer das unsympathischste Volk der Welt. Ich dachte immer, nur die Franzosen seien arrogant. Die haben aber wenigstens Stil, gutes Essen, eine schöne Sprache und vor allem schöne Frauen. Und was gibt’s in Holland? Wiesen und Windmühlen. Zudem klingt die Sprache wie eine karikierte Form des Deutschen. So hatte ich nach meiner Ankunft in Bristol schon wieder zwei Lektionen gelernt. Erstens, in Zukunft ein Flugticket zu buchen, das vielleicht etwas teuerer ist, dafür aber umbuchbar und zweitens, nie mehr nach Holland zu reisen.
Bristol empfing gleich wieder mit seinem geliebten Dauerregen. Wie auch mein Taxifahrer sofort mit leicht gereizter Stimme bestätigte: “It has been pissing like this since June!” Der Regen war mir egal. Ich freute mich einfach nur auf eine warme Dusche, eine Schale Müsli mit kalter Milch, meine Zähne endlich wieder ohne Mineralwasser putzen zu können und vor allem nicht mehr in den Schlaf gehupt zu werden. England selber ist ein ganz schönes Gegenprogramm zu Indien, wo ich fast überall den Status eines Filmstars hatte. Gerade in den kleineren Städten hat mich fast jeder auf der Straße begrüßt und mir die Hand gegeben. In Bristol grüßen mich nach elf Monaten nicht einmal meine Nachbarn. Jeder bleibt für sich. Reserviert, unverbindlich, British.

Among Freaks!

Montag, 22. Juni 2009

Heute war die Deadline für die Abgabe unserer letzten Essays und schon ist ein spannendes, lehrreiches Schuljahr vorbei. Jetzt stehe ich vor dem lang gefürchteten großen, schwarzen Loch. Wenigstens geht es erst einmal für eine Woche nach Berlin und danach zu Sim nach Indien. Ansonsten bleibt hier jeder Tag eine Überwindung und ich bin immer für jede Abwechslung dankbar. Heute war ich nachmittags zur Impfung im NHS Health Centre. Zwei Spritzen gegen Typhus, Diphterie, Hepatitis A, Polio und Tetanus. Dazu gab es noch einen Katalog mit Dingen, die ich zu beachten habe, wenn ich vor Ort bin wie kein Wasser aus Wasserhähnen zu trinken, keine Eiswürfel im Drink haben, kein Eis essen, die Hände vor jedem Essen zu desinfizieren. Zudem muss ich mir Tabletten gegen Malaria kaufen, Salztabletten gegen Durchfall, der zu 90% kommen wird und ein Anti-Moskito Spray und das alles für nur knapp drei Wochen Urlaub. Ich habe das Gefühl, ich fahre in eine Leprakolonie. Kein Wunder, dass viele in den Sommerferien lieber zu Hause bleiben und sich dann abends gemütlich ‘Slum Dog Millionaire’ anschauen. Ich freue mich auf jeden Fall schon. Endlich einmal raus aus meinem fünf Quadratmeter Zimmer, weg von meinen Neurosen. Mittlerweile habe ich herausbekommen, dass ich wohl unter OCD (Obsessive Compulsive Disorder). Man könnte es aber auch TMDTMM (Too Much Downtime Too Much Money Disorder) nennen. Auf jeden Fall merke ich, dass bei mir in meinem Zimmer alle Sachen einen ganz festen Platz haben und in Symmetrie stehen muessen. Außerdem kann ich immer nur eine bestimmte Anzahl Anziehsachen besitzen, die sich in der Regel auch nur durch Farbe, aber nicht durch Schnitt oder Größe unterscheiden dürfen. Sobald ich etwas neues kaufe, muss ich meine alten Sachen weggeben. Wenigstens freut sich Sim, der inzwischen seine Garderobe verdoppelt hat. Wieder ein Beweis dafür, dass jeder Altruismus auf purem Egoismus basiert. Ich bin zumindest nicht allein mit meinen Macken. Mein indischer Nachbar, der mit dem ich vor einer Woche zum ersten Mal seit zehn Monaten mein erstes Gespräch hatte und auch nur weil er eine Sicherung brauchte, hat sein ganz eigenes Klopfritual, wenn er nachts um 1 Uhr von seiner Taxi Tour kommt. Und zwar zieht er abwechselnd an den beiden Türklinken an jeder Seite seines Autos und klopft danach dreimal an die darüberliegende Fensterscheibe. Das hört sich dann so an: ‘Tschak, Tschak, Dumm, Dumm, Dumm’. Das Ganze kommt insgesamt fünfmal auf jeder Seite seines Wagens. “He is a selfish bastard!” Wie Sim gleich erkannt hat. “Yes, selfish and weird!” würde ich eher sagen und ein Bruder im Geist.
Meine Essays habe ich vorwiegend in Cafés geschrieben. Die gibt es hier wie Sand am Strand. Nero, Starbucks, Costas. You name it. Mir ist inzwischen aufgefallen, dass die Angestellten dort in der Regel immer etwas angespannt wirken und ihnen ihre zugegebenermaßen nicht allzu anstrengende Arbeit nicht wirklich Spaß zu machen scheint. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es zu neunzig Prozent Osteuropäer sind, die sich sicherlich etwas besseres vorgestellt haben, als für fünf Pfund die Stunde Kaffee und Kuchen zu servieren, als sie den Schritt in die große, weite Welt gewagt haben. Ehrgeiz und Billiglohn Jobs sind nicht die beste Kombination, um eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Ansonsten bin ich weiterhin fast jeden Tag in der Post, um mein Ebay Business am Laufen zu halten. Die Briten haben hier ein nicht besonders ausgefeiltes Nummernsystem, wenn man vor den Schaltern wartet und zwar werden die Nummer nicht nur angezeigt, sondern auch angesagt. Und das in krasser Lautstärke. Es kann dann sein, dass in einer Minute ungefähr zwanzigmal die gleiche Nummer aufgerufen wird. “Number 240, Number 240, Number 240…”.
Morgen ist der große End of Term Gig. Ich werde diesmal nicht spielen, freue mich aber schon wie Bolle. Danach gehen dann alle wieder getrennte Wege. Es war eine wirklich schöne Zeit und ich werde viele meiner Kommilitonen vermissen. Besonders Jess und Charlotte, die alle mit ihrer natürlichen Egozentrik immer gut bei der Stange gehalten haben. Oder Loki mit seinen unerwarteten Stand-Up Comedy Einlagen, nur getoppt von Cliff, der jede seiner Vorlesungen zu einer One-Man Show gemacht hat. Künstler. Teilweise anstrengend, dafür aber oft auch lustig und unterhaltsam.

Why Be a By-Stander?

Samstag, 09. Mai 2009

Inzwischen hat die Schweinegrippe auch Bristol erreicht. Letzte Woche wurde deshalb sogar ein gesamte Schule geschlossen. Scheinegrippe. Eigentlich ein schöner Euphemismus. Schweine Todesvirus wäre wohl passender. Jetzt fühlt sich die Menschheit wieder als Opfer der Tierwelt. Wenn ich mir aber so die Massentierhaltung angucke, in denen besonders Schweine zu Tode gemästet werden, ist es wohl kein Wunder, dass diese irgendwann einmal ihren Tribut zollen. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten und einzigen Besuch in einer solcher Massenställe. Es war in Hohenholz, einem kleinem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, in dem meine Eltern zu Ostzeiten ein Landhaus hatten, bevor es dann mein Vater verschenkt hat, als wir in den Westen gingen – und da ging sie hin meine Rente. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch begeisterter Fleischesser, doch der Appetit auf Schnitzel verging mir ziemlich schnell, als ich die zwei Quadratmeter großen Ställe sah, in denen die Schweine eingefärcht waren. Sie konnten sich nicht einmal um die eigene Achse drehen. Nur stehen oder liegen und mussten ständig fressen. Teilweise waren die Stahltüren so eng, dass ihre Speckschwarten durch die Gitter gepresst waren. Dazu kam noch der süßliche Geruch aus Fäkalien, Schweiß und Todesangst. Ein schönes Leben. Über Jahre bei Kunstlicht und stickiger Luft eingequetscht sein, um letztlich mit einem Bolzenschussgerät hingerichtet zu werden. Ich glaube, dagegen ist die Einzelhaft in Guantanamo Bay wie ein All-Inclusive Urlaub in der Karibik.
Meine Uni läuft weiter und ich habe für den letzten Block entschlossen, nur die Kurse zu besuchen, die mich interessieren. In den ersten zwei Blöcken waren ich noch offener und habe mich wirklich auf den Unterricht gefreut. Doch jetzt ist mir klar geworden, dass hier jeder nur seine eigene Agenda verfolgt und niemand interessiert ist, in irgendeiner Form Freundschaften zu schließen. So mache ich zum ersten Mal in meinem Leben die Erfahrung wirklich draußen zu sein. Selbst die Engländer in meinem Kurs, die in keiner Clique sind, haben zumindest ihre Familien und Freunde in Bristol. Der einzige, der meine Situation teilt, ist Hugo, der Franzose aus Lille. Sim hat sich jetzt für ein Fernstudium entschieden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es er es nicht zu Ende studieren wird. Es wirkt auf mich eher wie ein Alibistudium für seine Eltern. Ein Fernstudium verlangt vor allem eins und das ist Disziplin. Wenn ich mir aber seine nächtelangen Playstationsessions und Fernsehabende angucke, sehe ich da erst eimal wenig Licht am Ende des dunklen Tunnels.
Meine Einzeltutorien mit meinen Lieblingsdozenten halten mich weiter bei der Stange. Kieron ist eher wie ein musikbegeisterter Freund und Cliff mein Mentor. Gerade letzte Woche hat er mir wieder ein paar Weisheiten mit auf den Weg mitgegeben. Sätze wie “Being successful in the music industry is not talent based. It’s about the hours you put in.“ habe ich inzwischen ausgedruckt und an meine Schranktür geklebt. Und als ich ihm sagte, dass ich mir nicht sicher bin, ob Songwriting meine Bestimmung in diesem Leben ist, dass es doch nur aurale Masturbation ist, meinte er nur: “The world is fucked up anyway. So why not be in it instead of being a by-stander!“
Heute habe ich meinen Flug nach Neu Delhi im Sommer gebucht. Ich werde mit Air France direkt von Bristol aus fliegen und jeweils einen Zwischenstopp in Paris haben. Was mir heute wieder aufgefallen ist, dass die Broschüren der Reiseunternehmen immer noch mit den gleichen verzerrten Cliché Bildern arbeiten, um die Leute in die Ferne zu locken. Auf dem Australien Katalog ist ein Aborigine in Kriegsbemalung mit Pfeil und Bogen abgelichtet. Wirklichkeitsnaher wäre ein dicker, alter, versoffener Aborigine, der bettelnd vor einem Großsupermarkt steht. Am Donnerstag hatten wir wieder unseren Live Performance Workshop. Als ich danach zu meinem Fahrrad ging, fehlte mein Vorderrad. Zum Glück kam Amjad vorbei und sagte mir, dass der Hausmeister das Rad abmontiert hatte, um zu zeigen, dass es leichtsinnig ist, sein Fahrrad mit Schnellspannern unangeschlossen zu lassen. Nur hatte er keine Nachricht hinterlassen, so dass ich mir beinahe ein neues Vorderrad gekauft hätte, wenn man mir nicht Bescheid gegeben hätte. Von dem ganzen Stress ganz abgesehen. Als ich den Hausmeister daraufhin aufsuchte und ihm sagte, dass es ihn nichts angeht, wo und wie ich mein Fahrrad anschließe, fing er an, mich übel zu beschimpfen. Zum Glück ist mein Englisch nicht so gut, dass ich seine ganzen Beleidigungen nur erahnen konnte. Ich musste danach noch extra zu einem Fahrradladen fahren, da er beim Abmontieren meine kompletten Vorderbremse verbogen hatte. Diese Welt. Voller leerer Existenzen.

Male Energy!

Mittwoch, 29. April 2009

Gestern war wieder einmal ein Tag. Ohne Worte. Jeder Schritt eine Überwindung und wieder das Gewicht der ganzen Welt auf meinen Schultern. An solchen Tagen spüre ich meine Ängste in jeder Situation. Eigentlich sind sie immer da, nur an Tagen, wo ich gut gelaunt bin, kann ich mich besser mit ihnen arrangieren. So nun also auch gestern, wo ich vormittags zu einem Tutorium im Apple Store war, danach kurz in der Schule und abends im Fitnessstudio und mir wurde wieder einmal klar: Zuviel männliche Energie ist anstrengend. Der Apple Store ist komplett Männer dominiert, vielleicht weil es ein Fachhandel für Computer ist und man entweder Frauen nicht zutraut, dort zu arbeiten oder diese vielleicht aber auch einfach keinen Bock haben, acht Stunden mit Nerds abzuhängen. Mein College besteht eigentlich nur aus Typen. Die Quote ist eins zu zwanzig, getoppt noch dadurch, dass im künstlerischen Bereich vorwiegend unsichere Egos aufeinanderprallen. Die Dozenten eingeschlossen. Am krassesten ist immer der Live Performance Workshop am Donnerstagmorgen, bei dem dreißig junge, unsichere Musiker und vier ältere, unsichere Musiker für zwei Stunden miteinander eingesperrt sind und gezwungen sind, zusammenzuarbeiten. Die Krönung sind dann noch meine wöchentliche Besuche im Fitnesstudio, das das sportliche Equivalent zu meinem College ist, nur das hier die Leute probieren ihr Ego durch Muskelmasse und nicht durch clevere Popsongs aufzupumpen. Aber eigentlich mag ich die harten Tage. Die Tage, an denen ich mit Instrument und schwerer Tasche bepackt mit meinem alten Mountainbike mehrere Kilometer bergauf durch den strömenden Regen fahre. Für mich stehen diese Momente für den täglichen Kampf im Leben. Aber es gibt auch die erfüllten Tage. Wenn ich wie jetzt eine längere Zeit im Ausland bin, merke ich, dass ich nicht allein in dieser Welt bin und sich vieles fügt. Das sind dann oft die kleinen Dinge im Alltag wie spontane Verabredungen, unerwartete Gefallen oder auch aufbauende Worte von Leuten, die man kaum kennt.
Wie schon in meinen vorherigen Newslettern erwähnt, strotz England nicht gerade vor schönen, schlanken Menschen. Besonders die Frauen gehen hier auf wie Hefekuchen. Als ich neulich wieder im Supermarkt war und von der Dame vor mir, die gerade ihren Mittagstisch einkaufte, fast zerquetscht wurde, wurde mir klar, warum hier die meisten aussehen wie die Frauen bei Al Bundy im Schuhladen. Auf dem Laufband war: ein in Mayonnaise getränkter Kartoffelsalat, eine Packung Fertigpasta, Kartoffelchips und Donuts mit Smarties Streusel. Da fehlte nur noch die ein Liter Colaflasche und mein Bild wäre perfekt gewesen. Aber trotz Übergewicht und Reserviertheit sind die Engländer mir sympathisch. Zum einen, weil sie nicht so krampfig sind wie die Deutschen, aber vor allem weil sie Respekt voreinander haben. Das ist mir besonders aufgefallen, als ich vor ein paar Tagen eine Hauptverkehrsstraße entlanggegangen bin, auf der mitten auf dem Bordstein ein Müllwagen parkte und als der Müllmann sah, dass ich mich an seinem Auto vorbeidrängte, er gleich angerannt kam und sich vielmals dafür entschuldigte. Ein paar Meter fuhr eine Frau aus einem Parkhaus und und versperrte den Fußgängerweg. Als sie sah, dass ich kurz stoppte, kurbelte sie ihr Autofenster herunter und entschuldigte sich sofort bei mir. Auch wenn Leute aus dem Bus aussteigen, bedanken sich viele beim Busfahrer.
Der gegenseitige Respekt kommt sicherlich daher, dass England aufgrund seiner Kolonien ein wirklich multikulturelles Land ist und jeder, weiß, dass hier alle im selben Boot sitzen und nicht wie in pampered Germany, in dem sich viele in ihren Enklaven verschanzen. Und da beziehe ich alle mit ein, ob nun René aus Marzahn oder Ali aus Neukölln, die bestimmt nicht so einen Dicken schieben würden, wenn neben ihnen, arabische, indische und afrikanische Familien leben würde.
Sim ist gut drauf. Jetzt, wo er erfahren hat, dass er zum IT Studium einen GCSE Abschluss (vergleichbar mit unserer mittleren Reife) in Englisch braucht, hat er wieder Zeit gewonnen und kann sein Leben noch etwas aufschieben. Ich hatte auch das Gefühl, dass er in den letzten Wochen eigenlich gar nicht nach einem passenden Studium gesucht hat, sondern vielmehr nach einem Vorwand, nicht zu studieren. Der Druck von seinen Eltern muss immens sein. Gerade als indisches Einzelkind aus der oberen Schicht, wollen diese natürlich, dass er eine solide Ausbildung bekommt. Filipe hat ihn auch gleich durchschaut: “Der ist wie du vor 10 Jahren. Der hat die Hosen voll. Glaubst du, der könnte als Diplomatensohn in Delhi in einem Billigsupermarkt arbeiten und sich mit der der Lower Working Class abgeben?“ Ich hab’ jetzt auf jeden Fall vor, Sim im Sommer zu besuchen. Das Visum ist schon beantragt.
Die Uni läuft nun wieder seit einer Woche und das Schöne ist, dass ich nach vier Wochen Pause meine Kommilitonen und Dozenten auf einmal mit ganz anderen Augen sehe. Als wir am letzten Mittwoch über die Ursprünge von ‘Grunge’ gesprochen haben und alle bemüht waren, ihr gesamtes Musikwissen Kund zu tun, wurde mir bewusst, dass unsere Lehrer auch nur groß gewordene Kinder sind, die ständig um Aufmerksamkeit buhlen. Ob nun Kieron, der eigentlich jede Band kennt, die jemals einen Song aufgenommen hat: “Yes, the Pixies were a massive influence for bands like Nirvana but there were other great bands around at that time like Primal Scream, Cocteau Twins, Soup Dragon, Mud Honey, Killing Joke, Throwing Muses, Breeders and Sonic Youth.“ Oder Andi, der dir bei jeder Aufnahme sagen kann welches Gitarren- oder Bassmodell verwendet wurde: “Yes, for the chorus they used a Fender Precision bass, but not the original, the 62′ reissue!“
Meine Abende haben sich nicht groß verändert. Wenn ich nicht gerade im Internet surfe oder ins Kino gehe, bastle ich weiter an meinen Songs. Meine Mitbewohner hingegen, hängen jede freie Minute vor der Glotze. Vormittags Sportsendungen und Talkshows und abends die obligatorischen Casting Shows. Es ist schon erschreckend wie oberflächlich unsere Welt geworden ist, wenn hier als Samstagabend Blockbuster “Britain’s Next Top Model“ läuft. Ein komplette Sendung, dessen einziges Ziel es ist, jungen Mädchen zu suggerieren, so aussehen zu müssen wie zwei Prozent der Weltbevölkerung. Aber Schönheitschirurgie ist mittlerweile salonfähig geworden. In Bristol findet man Flyer wie: “Give your self-esteem a boost: plastic surgery.“

I’ll Be your Distraction!

Sonntag, 19. April 2009

Am Mittwoch hatte ich wieder Bandprobe mit Dominic im Madhouse in Birmingham. An den Wänden findet man Poster von NIrvana und Metallica und im Hintergrund läuft Musik von 90er Grunge Bands wie Ugly Kid Joe und Pearl Jam. Die Angestellten sind langhaarig, tätowiert, komplett in schwarz gekleidet (natürlich Jeans und Heavy Metal Band T-Shirt) und nutzen jede freie Minute, um sich draußen eine Zigarette zu drehen. Nur die Proberäume sind mit Abstand die saubersten, in denen ich bis jetzt gewesen bin. Selbst die Dockside Studios in Bristol, wo die Stunde umgerechnet fünfzehn Euro kostet, erfüllen jedes sonstige Cliché: versifft, stickige Luft, vom Schweiß zerfressende Wände mit einem verschmierten Fenster, das sich nicht öffnen lässt und dazu ein vor sich hin gammelndes Ambiente, was aber eh nur aus einem Stuhl und einer Gesangsanlage besteht.
In unserer Pause sind wir wieder einmal auf die englischen Charts zu sprechen gekommen und mir ist aufgefallen, dass der Untergang des Abendlandes noch lang nicht erreicht ist. Noch vor ein paar Jahren hatte man unter den Top-10 Hits zumindest zur Hälfte etablierte Künstler, die für ein gewisses Maß an Authenzität und Qualität standen. Klar, gab es schon immer die klassischen One-Hit-Wonder, aber mittlerweile dominieren diese die kompletten Top-10. Es ist wie eine Art Parallelwelt zur restlichen Musikszene, die geschaffen wurde, um Radio One (BBC Radiostation für Mainstream) zu bedienen. Popmusik ist zu einem reinen Füllprodukt geworden. Die Songs werden immer berechenbarer und die Struktur hat sich inzwischen auf ABABB minimiert. Bridges (Übergang zum Refrain) und Middle 8s (dritter Teil eines Songs) sind nicht mehr gefragt. Sowie auch das Credo unseres Lieblingsdozenten Cliff heißt: “Don’t bore us get to the chorus.” Das Ziel eines radiotauglichen Songs ist nicht etwa originell, sondern möglichst unaufdringlich zu sein, so dass der Zuhörer auf keinen Fall den Sender wechselt. Also alles, was in irgendeiner Form polarisieren könnte, sei es durch Originalität oder Langeweile, ist nicht gefragt. Man sucht im Endeffekt das perfekte Mittelmaß. So klingen dann auch die Lieder, denen ich jede Woche in meinem Fitnessstudio ausgesetzt bin. Belanglos bis hin zu nervig. Zum Glück dauert mein Training nur vierzig Minuten, ansonsten wäre es nicht zu ertragen. Aber noch viel erschreckender als die Qualität der Musik ist die Kurzlebigkeit der Interpreten. Künstler, die noch vor ein paar Wochen in den Top 10 waren, kennt mittlerweile niemand mehr. Wer weiß, wer sich im nächsten Jahr noch an ‘Lady Gaga’ erinnern wird, die gerade Nummer eins in den britischen Single und Album Charts ist.
Kunst ist immer ein Spiegel der Zeit und derzeit der Spiegel einer schnelllebigen, konsumorientierten Gesellschaft, in der sich jeder selbst am nähesten ist. Oder wie IAMX in einem seiner Lieder singt: “We all want to fuck ourselves and rape the world.“ Gerade die junge Generation hat kein Bewusstsein mehr für Musik als Kulturgut. Wenn ich daran denke, dass ich zu meinen Schulzeiten zweimal im Jahr Geld bekam, von dem ich mir aufs Jahr verteilt vielleicht fünf Platten und vier Maxell Chromdioxid II Kassetten kaufen konnte, die natürlich vorher monatelang ausgesucht wurden. Die restliche Musik wurde dann entweder mühevoll aus dem Radio aufgenommen oder von Freunden überspielt. Heutzutage zieht man sich halt eben zehntausend Songs aus dem Netz, ohne die Bands überhaupt zu kennen. Kein Wunder, dass da die Wertschätzung flöten geht.
Die CD als Gesamtkunstwerk hat schon seit langem ausgedient. Kaum einer ist mehr am Cover Artwork interessiert oder an den Texten. Auf diese Weise verkommt Musik immer mehr zur Massenware und das zieht sich sich durch alle künstlerischen Bereiche. Angefangen von CDs, über DVDs bis hin zu Büchern. Es gibt nichts traurigeres als die Buchabteilung hier im Großsupermarkt Morissons (etwa vergleichbar mit Real), in dem neben der Tupperware und den Bratpfannen die Buch Bestseller der letzten Wochen stehen. Kurz vor der Kasse, direkt neben den Schokoriegeln, findet man dann noch Schütten mit etlichen Best-Of CDs, die die Welt nicht braucht. Da wundert es mich nicht, dass der Einzelhandel langsam zusammenbricht und alle Geschäfte zu einem einzigen Franchiseknäuel zusammenpappen. Eigentlich befinden wir uns im Zeitalter der Dauermasturbation. Jeder ist nur noch am schnellen und billigen Konsum interessiert. Selbst die Pornosuche hat sich durch das Internet extrem vereinfacht. Vorbei sind die langen, nächtlichen Irrfahrten auf der Suche nach Videotheken in Randbezirken und die schweren Gänge zurück am nächsten Tag, geplagt von der Angst, dass nicht der schlurfige Nerd, sondern das blonde Babe an der Kasse steht. Es wird nicht mehr bewusst gelebt. Man kommt nach Hause, schmeißt sich eine Tiefkühlpizza in die Mikrowelle und guckt später einen heruntergeladenen Film. Alle leben die bequeme, permanente Ablenkung. Wenn ich zu Sim ins Zimmer komme, läuft ständig der Fernseher, Musik im Hintergrund, Facebook ist geöffnet, während er mit seiner Playstation Portable spielt und parallel Kurznachrichten verschickt. Gut, das Leben war schon immer eine Ablenkung. Im elektronischen Zeitalter wir diese eben immer mehr perfektioniert und wenn ich da an die neuen Handys denke, ist auch noch kein Ende in Sicht.

Bath Spa!

Sonntag, 12. April 2009

Heute habe ich spontan eine Radtour nach Bath gemacht. Laut dem Lonely Planet eine der ‘200 Best Cities in the World’. Das wurde dann auch gleich bestätigt, als ich die Innenstadt sah, die vollgestopft war mit Reisebussen, Touristen aus aller Welt und vor allem Asiaten. Das war irgendwie surreal. So ein ansonsten kleiner, gemütlicher Kurort voller Touristenmassen. Bath ist einer der wenigen Orte, der nicht von den Nazis zerbombt wurde und strahlt so durch seinen viktorianischen Baustil. Er erinnert mich von der Atmosphäre ein bisschen an den Süden Europas. Viele kleine Cafés, Bistros und Pubs eingepflegt in alter Architektur. Die Franchiseunternehmen bleiben hier natürlich auch nicht aus. Aber selbst Burger King wirkt in einem viktorianischen Fachwerkhaus einladend. Die Stadt ist ansonsten noch berühmt für seine Kur- und Heilbäder. Es ist auf jeden Fall eine der reichsten und vom Lebensstil teuersten Städte Großbritanniens. In der City findet man fast an jeder Ecke Autos wie Jaguar, Lexus, Mercedes und Audi. In der Stadt scheint jeder zu wohnen, der Rang und Namen hat oder zumindest die Endknete. Selbst Johnny Depp und Nicolas Cage besitzten dort ein Anwesen. Den offensichtlichen Reichtum überall finde ich dann schon wieder unsexy. Da ziehe ich Bristol in seiner Unvollkommenheit auf jeden Fall vor, aber als Tagesausflug war es eine schöne Abwechslung. Zumal ein Radweg von meinem Haus direkt in die City von Bath führt. Zwanzig Kilometer entlang grüner Wiesen, vorbei an knuffigen Ponis und dicken Kühen. Apropos Radweg, die fahren hier in Bristol alle wie die Wahnsinnigen Fahrrad. Besonders in Richtung City, wo es bergab geht und wenn ich sage wie besengt, dann meine ich bis zu fünfzig Stundenkilometer. Männer und ihre Egos. Jetzt wo wir in unseren Breitengraden keine Kriege mehr haben, muss das Testosteron woanders kanalisiert werden. Fussball und Formel 1 gucken reicht da wohl anscheinend nicht aus.
Die letzten Tage waren doch etwas ruhig und einsam. Gerade, weil alle in meinem Kurs entweder zurück nach Hause gefahren oder in Vollzeitjobs eingebunden sind. So bleibt doch jeder hier für sich. Auch während des Semesters sind die wenigsten offen für Neues. Es ist schon lustig. Jetzt wo ich ausgezogen bin, um meine Comfort Zone zu verlassen, werde ich hier überall mit den Comfort Zones aller anderen konfrontiert. Aber die Reserviertheit ist eh ein Teil der englischen Mentalität. ‘My Home my Castle’ kommt nicht von ungefähr. Man kommt schnell mit jedem ins Gespräch. Aber es bleibt dann oft immer nur auf dieser einen Ebene. Ich will den Engländern die emotionale Tiefe nicht absprechen, aber sie sind dann wiederum viel verschlossener als die Deutschen, die viel eher bereit sind, sich zu öffnen. Das konsequente Abkapseln ist sicherlich auch ein Teil der zunehmenden Globalisierung. Grenzen verschwimmen, verschiedene Kulturkreise kommen immer enger zusammen. Da ist man schnell dabei, sich seine eigene, sichere Insel zu schaffen, sei es durch Familie, Freunde oder Beziehung und weitergehend durch moderne Kommunikation wie E-Mail und elektronische Kurznachrichten. Der Mensch kreiert sich halt immer eine Welt, in der er sich so wenig wie möglich mit seinen Ängsten konfrontieren muss. So freue ich mich auch gar nicht so richtig auf den letzten Block meines Studiums. Eigentlich nur auf die Einzeltutorien und die bevorstehenden Gigs. Der Rest scheint doch sehr absehbar und unspannend zu werden. Zudem habe ich nun definitiv entschieden nach meinem Album das Songwriting erst einmal zu knicken oder zumindest eine längere Auszeit davon zu nehmen. Um ehrlich zu sein, ging es mir nie ums Musik machen, sondern viel mehr, den Traum zu haben, mit meiner Musik Erfolg zu haben und die dicke Kohle einzufahren. Was auch völlig okay war, denn dieser Traum hat mich über Jahre am Leben gehalten. Jetzt möchte ich das Ganze aber nur noch abschließen und hinter mich bringen, d.h. meine eigene Platte veröffentlichen und ein paar Live Shows spielen. Das große Geld kann natürlich trotzdem noch kommen.

Chubby Rain!

Sonntag, 05. April 2009

Eine Woche bin ich nun schon wieder in Bristol. Die Tage in Berlin waren sehr intensiv und schön, auch wenn ich bemerkt habe, dass ich da erst einmal nicht hingehöre und wohl noch ein bisschen um die Welt reisen werde. Besonders jetzt, wo ich gerade meine Illusionen halbwegs verarbeitet habe und neue Hoffnung geschöpft habe, dass unsere Generation nicht nur aus Dummschwätzer und Weicheiern besteht. Aber dann bringt Mario Barth einen eigenen Kinofilm heraus, ‘der Schuh des Manitu’ läuft als Musical im Theater Des Westens, Jeanette Biedermann und Annett Louisian veröffentlichen ein neues Album und von ‘Keinohrhasen’ wird ein zweiter Teil gedreht.
Vielen Dank an alle, die es zum indischen Dinner in die Dorfidylle nach Schmargendorf geschafft haben. Es war ein wirklich schöner Abend. Um Maiko zu zitieren: “Ich wusste nicht, wer lustiger an dem Abend aussah, Sim oder Bollywood Gunnar.” Zurück aus der Stadt der Hasen, die von den Rheinländer und Süddeutschen auch gern als Stadt ohne Stil bezeichnet wird, ist mir klar geworden, dass es in Bristol eigentlich gar kein Modebewusstsein gibt. Hier laufen eigentlich alle herum wie in Neukölln. Egal, in welchem Bezirk man ist. Dazu kommt auch noch, dass die Engländer auch nicht gerade das schönste Volk der Welt sind. Sie haben meisten sehr unreine Haut und sind ‘chubby’ (speckig), um es einmal freundlich auszudrücken. Der Unterwschied ist auch Sim als erstes aufgefallen, als wir in Berlin ankamen. Vielleicht wird hier auch deshalb gern betont, dass jemand ‘posh’ (schick, vornehm) ist. Also für mich eher jemand, der stilvoll gekleidet ist. Obwohl das von meine Kommilitonen oft als Makel gesehen wird. “She is really nice but a bit posh.” “Ich finde sie wirklich sympathisch, aber sie ist eleganter gekleidet als ich.” So what? Da merkt man schon noch das feudale Denken, selbst im zweiten Jahrtausend. Das Fussvolk, das bei ‘Primark’ einkaufen geht und insgeheim neidisch auf den Adel ist, der sich im ‘House of Fraser’ einkleidet. Das Wort ‘posh’ kommt übrigens von ‘Port Out Starboard Home’. Das wurden den reichen Reisenden auf dem Weg von England nach Indien auf das Ticket gestempelt. Da beide Länder zur nördlichen Hemisphere gehören, bekamen diese dann so immer eine Kabine im Schatten. Man spürt hier also immernoch das altenglische Schichtsystem. Ich glaube, es gibt auch in keinem Land mehr Boulevardblätter und Celebritymagazine wie in England. Das ist mir besonders aufgefallen, da seit Wochen das Schicksal vom krebskranken, ehemaligen Big Brother Star Jade Goody bis zum letzten Pence vermarktet wird. Sie war in den letzten Wochen insgesamt auf mehr Titelseiten als Angelia Jolie und Jennifer Aniston zusammen. Jetzt gibt es auch noch ihre Biographie zu kaufen. Was man auch immer so erlebt haben mag, als siebenundzwanzigjährige Big Brother Bewohnerin. Gut, sie wird das auch nicht umsonst gemacht haben. Trotzdem finde ich es ziemlich geschmacklos, das Ableben eines Menschen so zu vermarkten. Es hat sich eben nicht viel verändert in den letzten Jahrhunderten. Brot und Spiele. Die Medien sind der moderne Circus Maximus und die Discounter sprießen an jeder Ecke. Immerhin sind die Aldi Brüder mit einem Vermögen von über dreißig Milliarden Euro die reichsten Deutschen.
Vor drei Tagen war ich zur Bandprobe in Birmingham. Es ist ein schöne, alte englische Stadt mit gigantischen Einkaufshallen. Nach London die zweitgrößte Stadt Englands und die Geburtsstadt von Heavy Metal. Ozzy Osbourne’s Band ‘Black Sabbath’ wurde dort gegründet und berühmte 80s Bands wie ‘Duran Duran’ und ‘UB40′. Die letzte Woche war wirklich sehr erholsam. Die Atmosphäre im Haus war ruhig und entspannt und dann fiel mir auf: Das dauerstreitende, polnische (Ehe)Paar ist für ein Woche verreist. Das hat sich dann heute aber auch gleich wieder verändert, als sie ankamen und bevor die Reisetaschen überhaupt ausgepackt waren, wieder ein Monsterstreit entbrannte und sie sich über eine halbe Stunde nur angeschrien haben. Lukas ist ein cooler Typ, aber Kathrina scheint ernste Probleme zu haben. “Issues, man! She’s got issues.” Wie Sim sagen würde. Und schon bin ich wieder in meinem Bristol Alltagstrott.