Information Travels Faster

Die letzten drei Wochen des Februar waren nicht gerade von viel Spannung geprägt und bestanden vielmehr aus Jobbewerbungen. Jetzt, da ich nun endlich die noch ausstehenden Rechnungen meines Produzenten und Mixers zahlen konnte, ist nicht nur mein Konto gerade mit gähnender Leere gefüllt, sondern auch meine Tage.
Am letzten Wochenende hatte ich einen Job auf der ITB. Eine klassische Gewinnspielakquise für die karibische Insel Curacao. Zu gewinnen gab es drei Urlaube für jeweils zwei Personen, eine Woche Hotel inklusive Flug. Die Gewinner wurden dann auch gleich vor Ort gezogen, was schön war, zu sehen, da sie sichtlich überrascht und überwältigt waren. Gerade weil das Gewinnspiel so kurzfristig angesetzt war und die Auslosung schon nach fünf Stunden stattfand. Mein Aufgabe war es mit einer Teamkollegin durch die Messehallen zu laufen und Leute auf die Verlosung aufmerksam zu machen. Dazu boten wir an, ihnen mit einem blauen Stift ein Zeichen auf die Wange zu malen und davon ein Polaroidfoto zu machen, welches dann am Stand von Curacao aufgehängt wurde. Obwohl ich eine sehr sympathische Teamkollegin an meiner Seite hatte und der Job recht kurzweilig war, wurde mir wieder bewusst, dass ich inzwischen einfach zu alt bin, quasi als Schlumpf in einem Teenager T-Shirt und mit blauer Schminke bemalt, Gewinnspiele zu bewerben. Dieser Spaßzug ist also inzwischen auch abgefahren.
In Zukunft mein Geld hauptberuflich mit meiner Musik zu verdienen, ist eine Illusion von der ich mich mehr und mehr löse. Daher bin ich jetzt nicht mehr so erpicht, möglichst viel Freiraum für meine musisches Schaffen zu haben, sondern viel mehr daran interessiert, endlich einen festen und gut bezahlten Job zu haben. Eine Entscheidung, für die ich vor einem Jahr noch nicht offen gewesen wäre.
Aber wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich bekanntlicherweise eine neue. So hat sich vor zwei Wochen Apple auf meine Bewerbung für eine Stelle als kreativer Berater im ersten Berliner Flagshipstore bei mir gemeldet. Bis jetzt hatte ich ein Telefoncasting und ein Gruppencasting, das gestern am Kudamm stattfand. Wir waren zwölf Leute und die erste von insgesamt acht Gruppen. Anfangs gab es eine ausführliche Vorstellungsrunde, bei der jeder vor allen anderen etwas über sich und seinen bisherigen Lebenslauf erzählen sollte. Danach stellten die Mitarbeiter von Apple anhand einer Präsentation das Konzept und die Philosophie der weltweiten Apple Stores vor und abschließend folgten Gruppenspiele, in denen verschiedene Verkaufsszenarien durchgespielt wurden. Ich denke, ich habe mich ganz wacker geschlagen, obwohl frei sprechen vor größeren Gruppen nicht gerade zu meinen Stärken gehört. Dafür ist dann anscheinend doch mein introvertierter Anteil zu groß. Vielleicht ist es aber auch meine Sensibilität, da die Stimmung im Raum ziemlich angespannt war und die Reaktionen der Teilnehmer nicht gerade locker. Was verständlich ist, da natürlich jeder mit sich beschäftigt und bemüht war, einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Ansonsten sind meine Tage weiterhin gefüllt mit einer schleppenden Routine. An meinem Album kann ich erst wieder weiterarbeiten, wenn ich Geld auf meinem Konto habe und dazu brauche ich wiederum einen Job, der allerdings erst im April anfängt. Ich habe mich dieses Jahr wieder für die ‚Alpina Weiß‘ Torwand Promotion beworben. Eine willkomene Abwechslung zu meinen drögen Media-Saturn Job, der gerade bei schönem Wetter immer eine große Überwindung darstellt und auf längere Sicht sicherlich auch eine weitere Motivation, endlich eine zu meinen Qualifikationen passende Arbeit zu finden.
Zur Zeit überkommt mich oft das Gefühl, dass auf einer Seite, die Zeit rennt, weil sich meine ganzen Pläne nur langsam verwirklichen lassen und dann wiederum sich unendlich zieht, da ich immer mehr die ernüchternde Routine des Alltags spüre. Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch, dass wir in einer Zeit der digitalen Kommunikation leben, die uns immer mehr Zeit schenkt, die ich allerdings aufgrund meiner Bequemlichkeit nur selten in der Lage bin, konstruktiv zu nutzen. Ob es nun die E-Mail oder SMS ist, die schon lange den Brief oder Anruf abgelöst haben oder der Einkauf bei Amazon und Ebay, der es einem mittlerweile erspart, auf stundenlange und auch oft frustrierende Einkaufstouren zu gehen. Selbst der abendliche Gang zur Videothek ist schon lange durch das Streamen oder Herunterladen von Filmen und TV-Serien im Internet ersetzt worden. Ich denke dann oft die Songzeile eines meiner Lieblingssongs von Death Cab For Cutie: ‚Information travels faster in the modern age as our days are crawling by so slowly.‘