So This Is The New Year

Meine letzten Wochen im Dezember waren wieder mit dem üblichen Promotionwahnsinn gefüllt. Fast jeden Tag bei grellem Licht und schlechter Luft an einer Schütte stehend, Kunde für Kunde auf zwei bis drei Kameramodelle beraten. Abends ist man dann oft energetisch total ausgepowert und das soziale Kontingent mehr als erschöpft, weil man während des gesamten Tages immer von Menschen umgeben ist und ein Gespräch verwickelt ist. Sei es mit einem Kunden, eine Promotionkollegen oder einem Verkäufer vom Markt. Auf diese Weise werden auch andere soziale Unternehmungen immer zu eine Überwindung, was gerade zur Weihnachtszeit schade ist, da dort oft mehr Einladungen und Veranstaltungen als sonst ins Haus flattern. Dinge wie Einkaufen oder Wohnungputzen werden in der Zeit zu einer kaum erfüllbaren Randbeschäftigung, so dass ich am Neujahrstag nicht nur wieder in ein soziales, schwarzes Loch gefallen, sondern auch in einer verdreckten Wohnung gelandet bin. Innerlich noch total aufgedreht kann ich in den ersten Tagen nach so einer Promotion eigentlich kaum entspannen. Es ist wie ein Herunterkommen von einer Droge. In dem Fall der sozialen Ablenkung.
Mein Silvester dieses Jahr verlief erstaunlich unspektakulär und zwar abends allein in meiner Wohnung. Nachdem ich die coolen Silvester meines bisherigen Lebens entspannt an einer Hand abzählen kann und die meisten Abende in der Vergangenheit immer in einer Enttäuschung endeten, löse ich mich nun langsam von der Vorstellung, dass dieser Tag des Jahres immer etwas besonderes werden muss. Ein befreiende Erkenntnis, da sie mir den Erwartungsdruck nimmt und ich so wieder offen bin für die Spontanität des Lebens.
Heute war ich dann zum ersten Mal wieder draußen und wurde nicht nur von den üblichen elegant und zentral platzierten Hundehaufen direkt vor meiner Haustür begrüßt, sondern auch von einem Meer aus grünen Glasflaschenscherben und Böllerdreck. Als ich mir daraufhin mutig meinen Weg durch den warmen Nieselregen und die Reste der Silvesterschlacht bahnte, kam ich mir vor wie jemand, der aus Versehen auf ein Minenfeld geraten ist und nicht mehr zurück kann. Am schlimmsten war es vor dem Lidlmarkt in der Göbenstraße, die förmlich gepflastert war mit kleinen, heimtückischen Glassplittern. Es ist schön, immer wieder daran erinnert zu werden, dass man in einem sozialschwachen Bezirk wohnt und so hatte ich auch schon wieder nach ein paar Minuten einen Platten. Quasi als verspätetes Neujahrsgeschenk.
Der Weihnachtsstress fällt nun so langsam von meinen Schultern und vor mir steht wieder die große, weite Leere eines neuen Jahres. Das zusätzliche Geld, das ich im Dezember verdient habe, wird wohl komplett für die nächsten Aufnahmen investiert werden. Ich bin also zusammen mit meinen Plänen weiterhin in einer Blase aus zuviel Freiheit und zu wenig Geld gefangen, immer noch bemüht meine frei Zeit sinnvoll und produktiv zu nutzen. Ich hoffe nur, dass das kommende Jahr nicht ausschließlich vom einseitigen Streben nach dem schnöden Mammon bestimmt sein wird und ich nun endlich meinen langersehnnten Traum verwirklichen kann, nämlich bald meine eigene CD in den Händen halten zu können und diese dann auch erfolgreich zu vermarkten. Das Drachenjahr kann also kommen. Mit all seiner Magie und Unberechenbarkeit. Ich bin bereit.