At The Guitar Store

Seit ich Gitarre spiele, gehören die Besuche in Gitarrenläden immer zu dem unangenehmen Teil der ansonsten sehr ausgleichenden Beschäftigung. Sei es um neue Saiten zu kaufen oder nach einer neuen Gitarre zu gucken. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Stimmung in Musikläden immer von einer angespannten, unsicheren Atmosphäre geprägt. Die meisten Verkäufer verhalten sich wie verkannte Musikgenies, unter deren Würde es eigentlich ist, dich überhaupt zu bedienen. So empfängt einen, wenn man den Laden betritt, oft ein Wall aus gelangweilter Überheblichkeit, der für einen eh schon introvertierten Musiker nur schwer zu durchbrechen ist. Der Einkauf macht daher nur selten Spaß, da die Angestellten hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind und dich als Kunden kaum wirklich beachten.
Die meiste Zeit hängen pubertierende Teenager in diesen Läden ab, die oft stundenlang penetrant die inflationären Gitarrenriffs der Rockgeschichte vor sich hin klimpern. Wenn man dann zum einhundertmillionsten Mal das Lick von ‚Smoke On The Water‘ oder das Intro von ‚Stairway To Heaven‘ ausgesetzt ist, muss man mental schon sehr abgehärtet sein, um nicht gleich nach der abgesägten Schrotflinte unter dem Ladentisch zu greifen. Neben den Teenage Rockstars gibt es noch die Fraktion der Virtuosen, die beim Austesten der Gitarren ein ganzes ausgearbeitetes Set zum Besten geben und man sich fragt, ob sie eigentlich nur in das Geschäft gekommen sind, um entdeckt zu werden. Die tendenzielle Genervtheit der Verkäufer ist also nachzuvollziehen. Zumal der expandierende, Preis drückende Internethandel auch nicht vor den Musikgeschäften Halt gemacht hat und sich daher viele Kunden nur beraten lassen und Instrumente ausprobieren, um sie dann später beim Onlineversand zu bestellen.