At The Gym

Das Fitnessstudio hält mich nun schon seit gut fünfzehn Jahren bei der Stange. Ursprünglich habe ich angefangen, Gewichte zu heben, weil ich Rückenprobleme hatte, wobei meine Minderwertigkeitskomplexe da auch nicht ganz unausschlaggebend waren. Was für andere die Zigarette zwischendurch oder das kühle Feierabend ist, ist für mich ein Besuch im Fitnessstudio. Ein gesundes Antidepressivum, wenn auch immer mir meine Dämonen nicht von der Seite weichen wollen und für mich als Agoraphobiker ein willkommener Tritt in den Hintern, um aus meinen vier Wänden herauszukommen. Nach all den Jahren hat sich mein Training natürlich sehr reduziert und dauert mittlerweile nicht länger als vierzig Minuten, wobei der Spaß nicht mehr der gleiche ist wie noch am Anfang. Es ist eher zu vergleichen mit Zähneputzen. Eine Pflichtübung, die man nicht unbedingt währenddessen genießt, sondern vielmehr macht für das erfüllte Gefühl danach.
Zur Zeit bin ich Mitglied bei Superfit, dem neuen 24/7 Fitnessclub, der eine gute Alternative zu Mac Fit bietet. Gerade für Leute, die nicht Lust haben für ihr Training in irgendwelche Industriekomplexe in Berliner Randbezirken zu fahren und vor allem für Leute, die beim Sport nicht nur mit Prolls und Lans abhängen wollen. Die Superfit Clubs liegen da viel zentraler und dazu trainieren dort viele junge, gutaussehende Frauen, was keine schlechte Motivation für einen faulen Hasen ist, sich nach einem langem Tag abends noch nach Steglitz zu schlagen. Die kleinen Highlights halt. Wenn auch platonisch.
Die Freundlichkeit und die soziale Kompetenz der Angestellten am Einlasstresen lässt zu wünschen übrig, aber das kann man wohl bei achtzehn Euro Monatsbeitrag nicht wirklich erwarten. Das gleiche denken sich wahrscheinlich auch Mandy und Maik aus Brandenburg, die da täglich in ihren billig gebrandeten Polyesteruniformen gelangweilt ihre Stunden abstehen. Das Studio ist ansonsten top. Man hat die neuesten Geräte zur Auswahl, viel Raum und durch die großen, langen Fensterfronten vor allem viel Tageslicht. Nur für die warmen Duschen muss man zahlen, was ich vollkommen okay finde, da so wenigstens die Wasserverschwendung minimiert wird. Wenn ich da an meine Jahre bei der Fitness Company denke, wo ich regelmäßig Typen gesehen, die über zwanzig Minuten unter der Dusche standen, um selbstverliebt ihren Körper zu reinigen und während sie genüßlich ihren in Shampoo gecremten, rasierten Sack kraulten, einem dabei oft schamlos in den Lendenbereich starrten. Von den Boxershortsduscher ‚mal ganz abgesehen, die in ihrer Verklemmtheit es eher vorziehen, zehn Minuten mit ihrer Unterhose einem Stück Seife zu kämpfen als einfach nackt zu duschen. Diese sind mir allerdings immer noch lieber als die Nichtduscher, die nach einem langen Workout völlig durchgeschwitzt einfach ihre Sachen anziehen und ich mich dann immer wundere, warum es in den Umkleideräumen immer mehr nach Schweiß stinkt als im Fitnessbereich.
Inzwischen habe ich gelernt, dass man nicht in Fitnessstudio geht, um Leute kennenzulernen. Dennoch ist mir aufgefallen, dass die soziale Kommunikation in dem Studio gen Null geht. Das liegt sicherlich vor allem an der Größe und daran, dass das Durschnittsalter dort bei Mitte zwanzig liegt. In anderen Studios wurde ich wenigstens noch begrüßt und bin dann so auch ab und zu ins Gespräch gekommen. Hier erwarten mich jetzt nur noch starre, leblose Gesichter, die hin und wieder unbewusst in einsame, sehnsüchtige Blicke abdriften. Eine traurige Entwicklung einer immer mehr medial-kontrollierten Gesellschaft, in der SMS und E-Mail das zwischenmenschliche Gespräch schon lange abgelöst haben. Aber so ist das eben. Der Mensch schafft sich immer eine Welt, in der er sich so wenig wie möglich mit seinen Ängsten konfrontieren muss. Ich bin mir sicher, dass sich die meisten ihrer sozialen Isolation gar nicht bewusst sind, da zu Hause schon ihre fünfhundert Facebook Freunde auf sie warten.