It’s A Nice Day For A White Wedding

Gestern war der große Tag der Hochzeit. Zum einen die Vermählung von Victoria von Schweden, die ihren Fitnesstrainer geheiratet hat. Wieder ein Beweis dafür, dass wir in unserer Partnerwahl begrenzt sind und dafür, dass man nicht mehr unbedingt Rock- oder Filmstar werden muss, um bekannte Schauspielerinnen oder Kronprinzessinen zu daten. Liv Tyler z.B. ist inzwischen mit ihrem zwanzig Jahre älteren Fitnesstrainer David Kirsch zusammen, nachdem sie vorher zehn Jahre mit Royston Langdon von der Band Spacehog liiert war.
Die coolste Hochzeit in diesem Jahr ist natürlich die von meinem Grundschulbuddy Maiko, der jetzt als erster das Chillerboot der Hasen verlässt und sich dem Leben stellt. Von der anderen Hochzeit hätte ich auch gar nichts mitbekommen, wenn ich nicht gestern mit meiner Mutter telefoniert hätte, die mit siebzig nun auch neben Arte und 3 Sat Liveübertragungen von Prominentenhochzeiten im Fernsehen mitverfolgt. Der Tag begann mit einem Treffen von Maiko’s Freunden am Adenauer Platz, von wo aus wir im ‚Reservoir Dogs‘ Style zusammen den Ku’damm hinunterstolzierten. Es fehlten eigentlich nur noch die coolen Sonnenbrillen und Quentin hätte seine Freude gehabt. Die kirchliche Trauung fand in der Kapelle der Gedächtniskirche statt, die in ihrer protestantischen Schlichtheit wirkte wie eine alte Ostturnhalle mit Altar und in der uns schon der schlumpfige Pfarrer erwarte. Seine Rede uferte teilweise etwas aus, aber unterm Strich war das Fazit ‚zu lieben und nicht zu feste Vorstellungen vom Leben zu haben‘ was kein schlechter Ansatz ist in einer immer mehr medialen und oberflächlichen Gesellschaft. Anneli, Maiko’s Frau, sah elegant aus in ihrem schlichten, weißen Hochzeitskleid, das sich in seinem Schnitt auch stilvoll dem Baby im achten Monat anpasste. Die ganze Zeremonie dauerte etwa eine Stunde und war nach ein paar gemeinsamen Kirchenliedern und Gebeten auch schon vorbei. Danach ging es zum Sektumtrunk zu beiden in die Wohnung und später weiter ins Café K. Ich habe daraufhin die Zeit genutzt, um mich zu Hause von meinem schicken Anzug zu befreien, der nach sechs Jahren zwar immernoch aussieht wie neu, nur der Gürtel aber jedes Jahr immer ein Loch mehr verschlingt. Das ist der schmerzliche Tribut, den man nach einem langen, dunklen ‚Ritter Sport Vollmilch Nuss‘ gefüllten Winter, zollen muss. Da hilft auch erst ‚mal der Bauch Express Kurs in meinem Fitnessstudio nicht, zu dem ich mich nun zweimal die Woche hinquäle und mich inmitten lauter zwanzigjähriger Mädchen durch die Übungen schummele: „Corpus sanus in mento sano ut orandum est.“
Das Café K ist ein idealer Ort für geschlossene Partys. Etwas abgelegen in einer alten, ausgebauten Villa mit Garten in der Nähe vom S-Bahnhof Heerstraße. Bis auf die Tomatensuppe, die schmeckte wie kalte Pastasoße und das dazugehörige steinerne Baguettebrot, dass sicherlich schon zuvor mehrere Male vergeblich serviert worden war, war das Büffet wirklich lecker.
Es war schön, ‚mal wieder so viele alte Gesichter zu treffen. Schulfreunde, die ich zum Teil seit dem Abitur nicht mehr gesehen hatte. Nach fünfzehn Jahren hat man sich auch etwas zu erzählen, da die meisten nun im Leben stehen. Sei es durch einen festen Job, lange Beziehungen oder eigene Kinder. Zwischendurch gab es noch die üblichen Reden vom Vater der Braut und des Bräutigams, Gesangseinlagen von Anneli’s Mutter und Bekannten und ein sehr emotionales Gebet von Maiko’s Mutter. Als diplomierter Psycholge beinhaltete die Rede von Maiko’s Vater natürlich Vergleiche mit Freud’s Theorien und das ein oder andere unfreiwillig komische Beispiel wie „Wie schon Gitte in ihrem Song sang… “, bei dem Maiko dann schmunzelnd auf den Boden starrte und alle anderen Gäste sich dachten „Who the fuck is Gitte?“
Einer der Höhepunkte des Abends war allerdings Micha’s Interpretation von einer von Maiko’s fiktiven Ex-Freundinnen, bei der er mit roten Lippenstift und blonder Perücke, neue deutsche Welle Lieder neu interpretierte. Das wurde dann später nur noch getoppt von Lars‘ spontaner Jazzimprovisation am vernachlässigten Klavier am Ausgang zur Terasse des Cafés, das sicherlich langer nicht mehr so gute Zeiten erlebt hatte. Obwohl das meine erste wirkliche Hochzeit war, auf der ich bisher gewesen bin und ich als Vergleich als filmkonditionierter Junge eigentlich nur die dramaturgisch hochstilisierten Hochzeiten aus dem Kino kenne, war der Abend sowie die Trauung in der Kirche sehr entspannt und ohne Stress, was man nicht von allen Hochzeitsfeiern behaupten kann.