Bath Spa

Heute habe ich spontan eine Radtour nach Bath gemacht. Laut dem Lonely Planet eine der ‚200 Best Cities in the World‘. Das wurde dann auch gleich bestätigt, als ich die Innenstadt sah, die vollgestopft war mit Reisebussen, Touristen aus aller Welt und vor allem Asiaten. Das war irgendwie surreal. So ein ansonsten kleiner, gemütlicher Kurort voller Touristenmassen. Bath ist einer der wenigen Orte, der nicht von den Nazis zerbombt wurde und strahlt so durch seinen viktorianischen Baustil. Er erinnert mich von der Atmosphäre ein bisschen an den Süden Europas. Viele kleine Cafés, Bistros und Pubs eingepflegt in alter Architektur. Die Franchiseunternehmen bleiben hier natürlich auch nicht aus. Aber selbst Burger King wirkt in einem viktorianischen Fachwerkhaus einladend. Die Stadt ist ansonsten noch berühmt für seine Kur- und Heilbäder. Es ist auf jeden Fall eine der reichsten und vom Lebensstil teuersten Städte Großbritanniens. In der City findet man fast an jeder Ecke Autos wie Jaguar, Lexus, Mercedes und Audi. In der Stadt scheint jeder zu wohnen, der Rang und Namen hat oder zumindest die Endknete. Selbst Johnny Depp und Nicolas Cage besitzten dort ein Anwesen. Den offensichtlichen Reichtum überall finde ich dann schon wieder unsexy. Da ziehe ich Bristol in seiner Unvollkommenheit auf jeden Fall vor, aber als Tagesausflug war es eine schöne Abwechslung. Zumal ein Radweg von meinem Haus direkt in die City von Bath führt. Zwanzig Kilometer entlang grüner Wiesen, vorbei an knuffigen Ponis und dicken Kühen. Apropos Radweg, die fahren hier in Bristol alle wie die Wahnsinnigen Fahrrad. Besonders in Richtung City, wo es bergab geht und wenn ich sage wie besengt, dann meine ich bis zu fünfzig Stundenkilometer. Männer und ihre Egos. Jetzt wo wir in unseren Breitengraden keine Kriege mehr haben, muss das Testosteron woanders kanalisiert werden. Fussball und Formel 1 gucken reicht da wohl anscheinend nicht aus.
Die letzten Tage waren doch etwas ruhig und einsam. Gerade, weil alle in meinem Kurs entweder zurück nach Hause gefahren oder in Vollzeitjobs eingebunden sind. So bleibt doch jeder hier für sich. Auch während des Semesters sind die wenigsten offen für Neues. Es ist schon lustig. Jetzt wo ich ausgezogen bin, um meine Comfort Zone zu verlassen, werde ich hier überall mit den Comfort Zones aller anderen konfrontiert. Aber die Reserviertheit ist eh ein Teil der englischen Mentalität. ‚My Home my Castle‘ kommt nicht von ungefähr. Man kommt schnell mit jedem ins Gespräch. Aber es bleibt dann oft immer nur auf dieser einen Ebene. Ich will den Engländern die emotionale Tiefe nicht absprechen, aber sie sind dann wiederum viel verschlossener als die Deutschen, die viel eher bereit sind, sich zu öffnen. Das konsequente Abkapseln ist sicherlich auch ein Teil der zunehmenden Globalisierung. Grenzen verschwimmen, verschiedene Kulturkreise kommen immer enger zusammen. Da ist man schnell dabei, sich seine eigene, sichere Insel zu schaffen, sei es durch Familie, Freunde oder Beziehung und weitergehend durch moderne Kommunikation wie E-Mail und elektronische Kurznachrichten. Der Mensch kreiert sich halt immer eine Welt, in der er sich so wenig wie möglich mit seinen Ängsten konfrontieren muss. So freue ich mich auch gar nicht so richtig auf den letzten Block meines Studiums. Eigentlich nur auf die Einzeltutorien und die bevorstehenden Gigs. Der Rest scheint doch sehr absehbar und unspannend zu werden. Zudem habe ich nun definitiv entschieden nach meinem Album das Songwriting erst einmal zu knicken oder zumindest eine längere Auszeit davon zu nehmen. Um ehrlich zu sein, ging es mir nie ums Musik machen, sondern viel mehr, den Traum zu haben, mit meiner Musik Erfolg zu haben und die dicke Kohle einzufahren. Was auch völlig okay war, denn dieser Traum hat mich über Jahre am Leben gehalten. Jetzt möchte ich das Ganze aber nur noch abschließen und hinter mich bringen, d.h. meine eigene Platte veröffentlichen und ein paar Live Shows spielen. Das große Geld kann natürlich trotzdem noch kommen.